Zum Unterschied zwischen Projektleitern und Projektmanagern

Derzeit gibt es eine rege Diskussion in der Xing-Gruppe der GPM zur Frage, ob es einen Unterschied zwischen Projektleitern und Projektmanagern gibt (https://www.xing.com/net/pri8c7c0fx/gpm/projekt-und-umfeld-81067/der-feine-unterschied-zwische-projektmanager-und-projektleiter-33354534/).

Die Antworten im Forum zeigen ein grundsätzliches Problem auf: Weder die Rolle von Projektleitern noch die von Projektmanagern ist eindeutig geklärt. In Deutschland gibt es kein spezifisches Berufsbild für die Leitung bzw. das Management von Projekten. Auch die DIN-Normen zum Projektmanagement bieten keine Definitionen an. Das PM-Lexikon von Erhard Motzel verwendet beide Begriffe sogar synonym. So steht dort für Projektleiter:

„In der Regel die für die Projektleitung verantwortliche Person. Bei größeren, komplexen Projekten kann die Projektleitung auch aus mehreren Personen bestehen … Manchmal zählen auch Teilprojektleiter/innen und/oder Fachprojektleiter/innen zur Projektleitung.“

Genau hier beginnt der Wirrwarr: Je komplexer ein Projekt, umso größer auch das Leitungsteam. Je nach Unternehmen ist dann der Projektleiter dem Projektmanager vorgesetzt oder anders herum. Eine Vielzahl von Stimmen argumentiert, dass Projektleiter Projekte „führen“ und deshalb Projektmanagern – die Methoden anwenden bzw. administrieren – vorgesetzt sein müssten. Es gibt aber auch eine nicht unbedeutende Zahl von Stimmen, die das genau umgekehrt sieht.

Hier kommt ein völlig unterschiedliches Verständnis zwischen den USA und Deutschland in Bezug auf das Projektmanagement zum Vorschein. Hierzulande wird Projektmanagement eher als Führungskonzeption verstanden. Die Kompetenz des Projektleiters entscheidet über den Erfolg in einem Projekt – mehr als die verwendete Methodik. In den USA hingegen wird Projektmanagement eher als Methodik verstanden, die Ausbildung fokussiert deshalb Methoden und Tools.

Entscheidend für die Abgrenzung der beiden Begriffe wird also das generelle Verständnis im Unternehmen in Bezug auf Projektmanagement, die Erwartungen der Stakeholder an die Rolle des Projektleiters bzw. -managers sowie die kulturelle Prägung im Unternehmen sein. Bei einer Festlegung gibt es also auch kein „richtig“ oder „falsch“. Es kommt vor allem auf die Erklärung des Topmanagements an, welche Wirkung die jeweilige Bezeichnung bei der Belegschaft hat …

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Kommentare

  1. avatar Ralf Roeschlein

    Ich verwende die Begriffe immer synonym und sage dieses auch meinen Kunden. Man könnte auch sagen, dass eine ist das deutsche und das andere das englische Wort.
    Wichtig ist wie schon oben beschrieben die Definition in der Organisation. Es kommt also auf die Stellenbeschreibung an, ob hier ein Unterschied gemacht wird oder nicht. Aus diesem Grund kann man bei externen Kontakten nie sagen, welche Kompetenz eine Person hat, zumindest nicht von der Bezeichnung her.

    1. avatar Karl-Wilhelm von Rotenhan

      Ich sehe da in erster Linie mal ein Sprachproblem:
      Beispiel: „I managed to get home after being quite heavily drunk.“ Versuchen Sie diesen Satz mal mit „leiten oder führen“ zu formulieren, Dazu müssen Sie schon wieder ziemlich nüchtern sein! 😉

      Das, was wir mit leiten meinen, ist im Englischen deutlich differenzierter
      siehe
      z.B.: http://www.dict.cc/deutsch-englisch/leiten.html
      ein Blick auf die Rückübersetzung von „to manage“ macht deutlich, was das Problem ist.
      z.B.: http://www.dict.cc/englisch-deutsch/to+manage.html
      Fazit: Es besteht rein sprachlich ein gewaltiger Unterschied und ich denke, den können wir durch einfache Gleichsetzung nicht ignorieren.
      Speziell wenn es um Definitionsklärungen innerhalb der IPMA / GPM Community geht verwehre ich mich gegen eine Verwässerung der Führungsaufgabe des ProjektMANAGERS in Richtung „Make (other) people work in the context of a project!“. Projektleiter sind spätestens ab Level C Führungskräfte in der Linie und nach Definition haben damit Sie zumindest partielle Weisungsbefugnis für ihr Personal UND Verantwortung für Ergebnis, Kosten und Termine.
      Würden Sie nur fachlich gegebene (humane, soziale oder finanzielle) Ressourcen verschieben, unterstelle ich, dass weder Level C noch B zu Recht erteilt werden können.
      Dass innerhalb der IPMA ein .. manager auf dem Zertifikat steht, geht mir dabei aus meinem Sprachraum heraus eigentlich auch nicht so recht in den Kopf. Es ist wohl eher dem Kompromiss der Internationalen Vergleichbarkeit und weniger dem damit beruhigten nationalen Selbstverständnis geschuldet.

      Wenn es nicht das Selbe sein soll und das scheint wegen der offenkundigen sprachlichen und semantischen Unterschiede ja wohl der Fall zu sein, ist es unsere Pflicht als GPM dafür zu stehen dass diese Differenzierung auch so verstanden wird. Eine konkurrierende Gleichsetzung, unklare Unter- Über oder auch Gleichstellung tut dem Projektgegenstand ebenso wie der grundsätzlichen Definition von Projektmanagement nach DIN definitiv nicht gut. Ober sticht Unter klar! Begriffe und Spielregeln müssen dafür dennoch formuliert sein, sonst macht das ganze Spiel keinen Spass.

      Dass das reale Verständnis in der Personal-Wirtschaft und im Arbeitsmarkt ein deutlich anderes ist, merkt man spätestens beim Lesen der Details zu den entsprechend titulierten Stellenbeschreibungen.
      Woher kommt der Wirrwarr ,den man dort so zu lesen bekommt?
      Ich denke es liegt auch daran, dass wir (ausgehend vom deutschen Sprachraum) mit der für uns bekannten Gründlichkeit mit der Taxonomie der ICB ein so gewaltiges und ausuferndes Kompetenzgebilde geschaffen haben, dass es allen, die ja -nur- eine limitierte, komplexe Aufgabe zu erledigen haben, schon allein beim Lesen der an sie gestellten Anforderung so Anders ums Herz wird, dass sie buchstäblich die Flucht ins Ungeregelte antreten.

      Es ist ein wenig wie mit der Hummel. Der Physiker behauptet, sie könne nicht fliegen. Es gibt sehr viele Menschen, die sich den komplexesten Aufgaben stellen und die benutzen noch nicht einmal das Wort Projekt. Dennoch kommt etwas bei Ihrer Tätigekeit heraus, was sich durchaus als herausragendes Ergebnis beschreiben lässt, auch ohne die explizite Kenntnis resp. umfassende Anwendung der 47 PM Kompetenzen der ICB.

      Änlich wie das über die Jahre hinweg mit den Rollen im QM geschehen ist, besteht aber heute durchaus die Möglichkeit über die standardisierte Vereinbarung der substantiellen PM-spezifischen Aufgaben und Prozesse (DIN 69900 / ISO 21500) die Management- UND die Leitungs-, besser Führungsaufgabe markant zu formulieren. Die 11 PM Prozessuntergruppen in DIN 69000 bieten sich hier gradezu an, Sie erlauben eine prozessuale Darstellen und eine Prozessmässige Handhabung (=Management). Die unternehmerische Gesamtverantwortung für alle, für das jeweilige Projekt erforderlichen Prozesse und Vorgehensweisen entspricht dann wohl eher der An-Leitungs- oder besser Führungsaufgabe.

  2. avatar Janko Böhm

    Die Frage und die Diskussion ist für mich eine akademische. Diese kann und sollte man in PM Kreisen diskutieren. Der schnelle Schwenk auf den „Wie sieht es der Kunde und die Organisation“ würde ich so schnell nicht mitgehen weil ich hier die Relevanz in Frage stellen möchte. In den Organisationen bei denen ich als externer Projektleiter unterwegs bin verwechselt neben Projektleiter und Projektmanager auch PMO mit PO, Knowledge Areas mit Prozessgruppen usw. Das möchte ich aber nicht der Organisation anlasten – ich vertrete die Meinung ein Kühlschrankhersteller sollte sich auf das Entwickeln und die Herstellung von Kühlschränken konzentrieren. Wenn die Organisation das gut kann bin ich zufrieden wenn nicht der beste Kühlschrankentwickler Projektleiter/oder Projektmanager des nächsten Softwareprojekts in der Kühlschrankabteilung wird.

    1. Da verkennen Sie die Situation, die für viele (angestellte) Projektleiter eher typisch ist, nämlich der ständige Wechsel zwischen Fach- und Projektaufgaben (siehe GPM-Karriere- und Gehaltsstudie). Hier ist mal das Entwickeln von Kühlschränken und mal das Manager von Projekten Aufgabe, oder sogar ein Mix von beiden Aufgaben. Deshalb kommen aus meiner Sicht auch immer wieder solche Fragen hoch, weil Projektarbeit zunimmt, die Fachleute plötzlich Fragen stellen, was „Projekt“, „Projektmanagement“, „Projektmanager“ usw. angeht…

  3. avatar Andreas Stein

    „Derzeit“ ist gut – der Thread ist bald zwei Jahre alt, wenn man einen Post von 2 Wochen nach fast 1,5 Jahren vernachlässigt 😉

    Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen:
    Hier hilft meines Erachtens nach die Orientierung an 4-Level-Certification-Model der IPMA.
    Demnach wird in Deutschland – nach der internationalen Harmonisierung der Begrifflichkeiten – differenziert in:
    – „Zertifizierter Projektmanager GPM (R) / IPMA Level C“ (vorher „Zertifizierter Projektleiter“)
    und
    – „Zertifizierter Senior Projektmanager GPM (R) / IPMA Level B“ (vorher „Zertifizierter Projektmanager“).

    Entscheidendes Kriterium zur Differenzierung ist der Komplexitätsgrad der Projekte.
    Insofern hilft, sich hieran zu orientieren – denn die Größe des Leitungsteam ist meines Erachtens nach sekundär und unter anderem auch von der Führungsspanne der jeweiligen „Leiter“ geprägt.

    Entscheidend ist meines Erachtens, dass bei komplexeren Projekten – also eher Kategorie Level B – die Managementaufgaben des „Leitenden“ überwiegen und die eher fachlich orientierten Aufgaben deutlich reduziert sind. Diametral verhält es sich bei den „Teilprojektleitern“.

    Präzisiert man „Die Kompetenz des Projektleiters…“ als die Summe aus Methoden-, Sozial- und Organistationskompetenz, wird die Sache langsam rund. Wobei aus meiner ganz persönlichen Sicht in der einschlägigen Literatur etwas entscheidends fehlt: die Beurteilungskompetenz.
    „Projektmanagement“ wird in Deutschland klar definiert als „Gesamtheit von Führungsaufgaben, -organisation, -techniken und -mitteln für die Abwicklung eines Projekts – siehe DIN 69901.

    Insofern wäre es doch eigentlich recht einfach:
    – Projektleiter: neben den vorwiegend fachlichen Aufgaben auch noch Managementfunktionen
    – Projektmanager: neben den vorwiegend Managementfunktionen mitunter auch noch fachliche Aufgaben

    Letztlich ist diese Diskussion aber wohl eher akademisch.

    Es wäre nur wünschenswert, wenn die Literatur – auch die der GPM – hier etwas konsequenter wäre 😉

  4. avatar Ira Meichsner

    Die Frage, was denn der Unterschied zwischen Projektmanager und Projektleiter sei, höre ich oft in meinen Seminaren und auch im Projektcoaching.

    Während meiner Tätigkeit als Projektmanagerin habe ich es in einigen Organisationen so erlebt, dass „Projektmanager/-in“ die Funktionsbezeichnung oder Stellenbezeichnung wiedergibt und die Bezeichnung „Projektleiter/-in“ die aktive Rolle in einem laufenden Projekt. Man sieht, dass meist „Projektmanager/-in“ auf der Visitenkarte und dem Türschild steht. In den Projekthandbüchern, -Statusberichten, -Artikeln oder Presseberichten ist jedoch meist von „Projektleiter/-in“ die Rede.

    Ich glaube, die Frage zu beantworten ist wie um des Kaisers Bart zu streiten. Letztlich ist es eine Frage der Unternehmenskultur bzw. des Sprachgebrauchs im Unternehmen.

  5. avatar Klaus Wagenhals

    ich glaube nicht, dass das nur eine „akademische Diskussion“ ist Herr Böhm und ich glaube auch nicht, dass das lediglich über den Verweis auf die Definitionen von IPMA- oder anderen Level-Unterscheidungen Herr Stein greifbar ist; ich sehe das genauso wie Sie Herr Stein, dass das eine „uralte“ Diskussion ist und eine ganz typische, wenn man sich mal ein bisschen mit der Geschichte von Berufen beschäftigt.
    natürlich hat die Verwirrung mit englisch/deutsch zu tun: bei den Amis spielt beruflich gesehen der Manager eine höhere Rolle und ist mit einem höheren Status verbunden und das wurde bei uns ein Stück weit übernommen. Dieser Kulturaspekt wird noch dadurch verstärkt, dass man sich bei uns in Deutschland aufgrund unserer Nazi-Geschichte ca. 30 Jahre nicht getraut hat, von Führung zu sprechen – da war Manager einfacher und akezptierter. Dennoch sagen die Amis auch, dass jemand – obwohl auf seiner Visitenkarte Manager steht – ein guter oder schlechter leader ist. Insofern wird deutlich – wie du Ira ja auch sagst – dass es was mit Kultur/ der Positions-Bezeichnung, aber auch mit dem Verständnis der Führungsrolle zu tun hat: wieviel % meiner Rollen sind Führungsaufgaben und wieviel % sind managen – also organisieren, planen, controllen usw. Und genau das sind klassischerweise die Aufgaben, die im Regelkreis des Managements schon Jahrzehnte gelehrt werden. Allerdings ist das Menschenbild, das hinter dem alten Management-Verständnis steckt, schon längst nicht mehr akäquat (von vielen Studien belegt) – vielmehr geht es heute um sowas wie Visionen entwickeln, Komplexität durchschauen und reduzieren, Entscheidungen vorbereiten und fällen, Beziehungen aufbauen und Vernetzung betreiben, Aufträge klären und geschickt Mitschwingen mit den Änderungen und neu-entstehenden Risiken und Chancen im täglichen Projektgeschäft und dabei die Leute bei der Stange halten, zu Höchstleistungen zu bringen und dennoch vor Burn-out zu schützen – und das ist leadership. Und insofern ist nach meiner Meinung der Manager-Begriff überholt – aber sagen Sie das mal einem, der das gerne auf seiner Visitenkarte stehen hat und einer Personalabteilung, die dazu kaum ein akäquates Verständnis hat.
    Soweit ein Kommentar von mir – bin gespannt auf andere Erfahrungen.

  6. Hallo zusammen,

    Ich denke, dass die Diskussion bzgl. sowohl der Deklaration, Definition als auch Differenzierung der Projekt-Manager und der Projekt-Leiter nicht rein auf der Ebene der Stellenbezeichnung beruhen kann.
    Mein Ansatz dahin ist der, zu unterscheiden welche Rolle die jeweilige Person in einem Projekt an sich annimmt. Ein Projektmanager kann in beliebigen Projekten eingesetzt werden. Der Projektmanager aber, welcher die Projektführung und -leitung übernimmt ist in dem Fall Projekt-Leiter. Ich denke nicht, dass es generelle Projekt-Leiter und Projekt-Manager gibt und die Erfahrung, die Ausbildung und die Zertifizierung eher zweitrangig obgleich sogar irrelevant sind, sondern eher Projekt-Manager durch die Übernahme der (Gesamt-) Projekt-Verantwortlichkeit zu einem Projekt-Leiter werden.

    Bin erfreut über Anregung und Kritik.

    1. Das ist ja gerade der Punkt: es gibt keine generelle Festlegung und brauch es auch gar nicht zu geben, den Unterschied legen die Unternehmen selbst fest, Ihr Vorschlag ist auch eine Variante, die Sinn machen könnte, habe diese selbst aber so noch nicht vorgefunden…

      1. avatar Karl-Wilhelm von Rotenhan

        Ich ergänze das Ganze hier noch um eine Referenz auf einen Artikel.
        im HBR Blog Network
        Management Is (Still) Not Leadership

        by John Kotter | 11:00 AM January 9, 2013
        http://blogs.hbr.org/kotter/2013/01/management-is-still-not-leadership.html?goback=.gde_2970066_member_216642756

        Damit ist es keine Organisationsindividuelle- sondern eine Kultur- und Gesellschaftsfrage ob wir „Nur mal was hin bekommen“ oder „Das Richtige tun“, wenn wir managen und führen gleich setzen.

  7. avatar Hans-Helmut Krause

    Für mich gibt es eine Unterscheidung zwischen den beiden Begriffen aufgrund der Qualifikations- und Zertifizierungsmöglichkeiten. So ist für mich der Projektmanager jemand der in der Methode und der Anwendung des Projektmanagements aus- oder weitergebildet bzw. zertifiziert wurde.
    Jemand der ein Projekt verantwortlich führt ist nach meinem Sprachgebrauch der Projektleiter. Dabei wird keine Aussage getroffen ob der Projektleiter auch über das Wissen und die Fähigkeiten, wie sie ein ausgebildeter oder zertifizierter Projektmanager haben verfügt.
    So gibt es Projektmanager die kein Projekt leiten und Projektleiter die gegebenenfalls keine Ahnung von Projektmanagement haben. Es gibt aber auch den Projektmanager der gerade als Projektleiter eingesetzt ist.

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