Zukunftskongress Staat und Verwaltung 2015: Gestaltungskompetenz Projektmanagement

von Norman Heydenreich, GPM Hauptstadtrepräsentant

„Projektmanagement – Schlüsselkompetenz für Führungskräfte in der modernen Verwaltung“ war die Botschaft der GPM als Partner beim Zukunftskongress Staat und Verwaltung. Vom 23. bis zum 24. Juni 2015 diskutierten in Berlin rund 1.300 Teilnehmer aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft – unter Mitwirkung von Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel – das Thema „Staat und Gesellschaft in der Digitalen Revolution“.

Am GPM Stand informierten sich die rund 1.300 Besucher über die Vorteile einer Ausbildung im Projektmanagement. Fotos: Hahn

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Im beeindruckenden Kuppelsaal des bcc Kongresszentrums sprachen unter anderem Thomas de Maizière, Sigmar Gabriel und Taavi Kotka.

Eröffnet wurde der Kongress mit einer Keynote von Taavi Kotka, CIO (Chief Information Officer) von Estland, das als Vorreiter der digitalen Verwaltung in Europa gilt. Kotka brachte ein Erfolgsprinzip seines Landes auf den Punkt: die Politik gebe eindeutige Ziele und Zeitvorgaben vor und überlasse die Umsetzung dann kompetenten Fachleuten.

Im Anschluss hatte ich als GPM Repräsentant die Gelegenheit, auf dem Podium des Diskussionsforums „Ausbildung und Auswahl von Führungspersonal in Staat & Verwaltung“ die strategische Bedeutung von Projektmanagement als Kernkompetenz der öffentlichen Verwaltung für die Umsetzung politischer Ziele zu erläutern:

Die Podiumsdiskussion zum Thema: „Ausbildung und Auswahl von Führungspersonal in Staat & Verwaltung“

In der deutschen Verwaltung herrscht heute immer noch die Meinung vor, dass Projektmanagement-Kompetenzen auf der Führungsebene nicht gebraucht würden. Diese Fehleinschätzung ist meines Erachtens eine wesentliche Ursache für die Schwierigkeiten von öffentlichen Projekten, die sich auch in der Umsetzung der Digitalen Agenda zeigen. Die Fähigkeit, die eigenen Programme und Projekte zu führen und zu steuern, ist eine strategische und in wesentlichen Teilen nicht delegierbare Kernkompetenz der Verwaltung.

Die Rolle der Führungskräfte der Verwaltung als Auftraggeber, als Projektsponsor oder als Mitglied eines Lenkungsausschusses ist wesentlich für den Erfolg öffentlicher Projekte. Dazu brauchen sie ein tiefes Verständnis von Projektmanagement und Projektgovernance als Führungsinstrument und von ihrer persönlichen Rolle und Verantwortung in Projekten.

Führungskräfte müssen in der Lage sein, Projekte mit klaren Zielen und förderlichen Rahmenbedingungen aufzusetzen und so zu steuern, dass der Kurs auf die nachhaltige Umsetzung des angestrebten Nutzens gehalten wird. Darüber hinaus brauchen sie die Fähigkeit, das Vertrauen der Stakeholder zu gewinnen und zu erhalten und alle mit dem Projekt verbundenen Risiken zu verstehen und zu adressieren. Die internationalen Kompetenzstandards IPMA Competence Baseline ICB und Organisational Competence Baseline OCB geben wertvolle Hinweise, welche individuellen und organisationalen Kompetenzen im Einzelnen zu entwickeln sind.

Alle als Projektleiter vorgesehenen Mitarbeiter der Verwaltung sollten eine der Größe und Komplexität des Projektes entsprechende Projektmanagement-Ausbildung erhalten. Hier bietet das 4-Level-Ausbildungskonzept der IPMA auf der Grundlage der ICB eine Orientierung. Eine bessere Vorbereitung der Führungskräfte der Verwaltung auf ihre Rolle und Verantwortung in Projekten sehe ich als entscheidende Maßnahme zur Überwindung der Schwierigkeiten öffentlicher Projekte.

Rund 130 Teilnehmer besuchten den GPM Best Practice-Dialog der Fachgruppe „Projektmanagement in der öffentlichen Verwaltung“.

Das „Projekt-Wissenscenter“ der Freien Hansestadt Hamburg ist dafür ein positives Beispiel. Diesen umfassenden und pragmatischen Ansatz für die Kompetenzentwicklung sowohl der Projektmanager als auch der Führungskräfte trug Sabine Mielke im Workshop der GPM Fachgruppe „Projektmanagement in der öffentlichen Verwaltung“ vor. Dieser Best Practice-Dialog war mit rund 130 Teilnehmern der bestbesuchte Workshop des ersten Kongresstages. Die Fachgruppe präsentierte sich überzeugend als Anlaufstelle zum Erfahrungsaustausch von Projektmanagern der öffentlichen Verwaltung.

 

Zum Abschluss des ersten Kongresstages erlebten über 1.000 Teilnehmer Bundesinnenminister Thomas de Maizière als lockeren und humorvollen Moderator einer hochrangig besetzten Diskussionsrunde des IT-Gipfels, der auch kritische Akzente setzte: Die digitalen Großkonzerne des Silicon Valley kämen ihm zum Teil vor wie Drogenhändler, die ihre Kunden anfixten und abhängig machten. Aber auch die Ängste vieler Bürger vor dem Missbrauch ihrer Daten seien zum Teil überzogen. Die Politik müsse hier aufklären und gegensteuern. Damit wurden wesentliche Fragen dieses Kongresses angesprochen: Sind wir – Wirtschaft, Staat und Gesellschaft – Getriebene des digitalen Wandels? Und wie gewinnen wir neue Gestaltungskompetenz?

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Die GPM unterstützt gemeinnützige Initiativen pro bono. Auf dem Zukunftskongress vertreten: Teach Fist, Motion Control und das Forum Ziviler Friedensdienst.

Im Anschluss an die Diskussionsrunde des IT-Gipfels nutzte der GPM Vorstandsvorsitzende Reinhard Wagner die Gelegenheit, um auf ein besonderes Engagement der GPM am Abend des ersten Kongresstages hinzuweisen: Unter dem Motto „Kompetenz stiften, Zeit schenken für gemeinnützige Projekte“ unterstützt der Verein gemeinnützige Initiativen pro bono und vermittelt Projektmanager aus dem eigenen Netzwerk, die ihre Kompetenzen kostenlos zur Verfügung stellen. Auf dem anschließenden Get-together stellte GPM Geschäftsführer Jürgen Engelhardt zwei gemeinnützige Initiativen vor und warb erfolgreich um Unterstützung und aktive Beteiligung.

Zwei inspirierende Kongresstage haben gezeigt: Die Bedeutung von Projektmanagement als Schlüsselkompetenz in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft wird auch in der Politik und der öffentlichen Verwaltung zunehmend wahrgenommen.

 

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