Wer mit wem? Kooperationskompetenz im Projektmanagement

Betrachtet man sich die historische Entwicklung der Methode und des Führungskonzeptes Projektmanagement (siehe Abb. 1), so kann man zurückblickend sagen: „Man kann nicht Nichtprojektmanagement machen“. Die gesamte Entwicklung der Menschheit als Schöpfer auf diesem Planeten ist, auch wenn die Menschen damals noch nicht den Begriff „Projektmanagement“ verwendet haben, von Projekten und Projektarbeit geprägt.

01_Abb.1_Historische.Entwicklung.Projektmanagement_Raimo.HübnerAbbildung 1: Historische Entwicklung des Projektmanagements
Quelle: Prof. Dr. Dworatschek

So kann man erkennen, dass in der Anfangszeit der systematischen Anwendung von Projektmanagement die harten Faktoren stark im Fokus des Anwendungsbezuges lagen. Diese Tatsache wird besonders augenfällig, wenn man einmal die Inhaltsverzeichnisse des Projektmanagement-Fachmanns 1, 2 und 3, des Projektmanagers oder des Aktuellen PM3 miteinander vergleicht.

Betrachtet man nun den gesamten Verlauf der evolutionären Entwicklung des Projektmanagements (Cube, 1997), so geht diese von den harten Faktoren über die weichen Faktoren, zum Multiprojektmanagement, zur interkulturellen Projektmanagementkompetenz und schließlich zur interkulturellen Kooperationskompetenz (siehe Abb. 2).

02_Abb.2_Evolution.der.Projektmanagement-Kompe_Raimo.Hübner.JPGAbbildung 2: Evolutionäre Entwicklung des Projektmanagements

Dieser Evolutionsprozess wird meist durch sogenannte Basisinnovationen ausgelöst, welche dann wichtige Bedarfsfelder bedienen und wirtschaftliche Entwicklung dort erst möglich machen. Diese Zyklen von langen Wellen, Basisinnovationen und ihre wichtigsten Bedarfsfelder hat Nicolai Kondratieff erstmals in seinen Entwicklungswellen erkannt und beschrieben (Nefiodow, 2007) (siehe Abb. 3).

03_Abb.3_Lange Wellen, Basisinnovationen.Kondratieffzyklen_Raimo.Hübner.JPGAbbildung 3: Lange Wellen, Basisinnovationen und ihre wichtigsten Bedarfsfelder

Jetzt ist natürlich die Vorausschau, welcher Entwicklungsschritt sich als nächster abzeichnen wird, immer sehr interessant. Hier lohnt es sich, noch einmal einen Blick in die Studie der Deutschen Bank – Research „Deutschland 2020“ zu werfen (Hofmann, Rollwagen, Schneider, 2008). Die Prognose lautet hier: „Das Erzeugen und erfolgreiche Vermarkten von Spitzentechnologie und innovativen, wissensintensiven Dienstleistungen erfordert daher heute eine Kompetenz- und Wissensbreite, die von einem Unternehmen nur noch selten allein bereitgestellt werden kann – zumal nicht in der Geschwindigkeit, mit der die Märkte die nächste Produktgeneration verlangen.“ Demzufolge werden Unternehmen zur Aufrechterhaltung ihrer langfristigen Überlebensfähigkeit gezwungen sein, mit anderen Unternehmen zu kooperieren (siehe Abb. 4).

04_Abb.4_Lange WelleZukünftiger Zwang zur Kooperation _Raimo.Hübner.JPGAbbildung 4: Auszug aus der Studie der Deutschen Bank – Research „Deutschland 2020“

Dass die „globale interkulturelle Kooperationskompetenz“ nicht nur reine Zukunftsmusik ist, die uns erst irgendwann im nächsten Jahrzehnt fordert, lässt sich sehr gut anhand der Vernetzung der Automobilhersteller und deren Zulieferer in der globalen Automobilindustrie veranschaulichen. Hier trägt besonders die Visualisierung von Viavison.org „Wer mit wem?“ des Volkswagen Konzerns zu einem erheblichen Erkenntnisgewinn bei (siehe Abb. 5).

05_Abb.5_Globale interkulturelle Kooperationskompetenz _Raimo.Hübner.JPGAbbildung 5: Viavision.org | Wer mit wem? Verflechtung in der Automobilindustrie

Da diese Visualisierung bereits seit 2010 alle zwei Jahre frei publiziert wird, lohnt sich hier durchaus auch mal ein historischer Vergleich (siehe Abb. 6). Dieser macht vor allem deutlich, wie sehr die Verflechtung und Kooperation von Automobilherstellern und Lieferanten allein in den letzten vier Jahren zugenommen hat. Ich persönlich glaube, dass diese Notwendigkeit in fast allen Wirtschaftsbereichen in den letzten Jahren zugenommen hat und weiter zunehmen wird. Leider gibt es z.B. in der Telekommunikationsbranche, der Raum- und Luftfahrt, dem Maschinenbau oder auch im IT-Hard- und Softwarebereich keine derart übersichtlichen Schaubilder, die für eine vergleichbare Transparenz hinsichtlich der bestehenden Verflechtungen sorgen würden.

06_Abb.6_Wer.mit.wem.hist.Entwicklung _Raimo.Hübner

Abbildung 6: Viavision.org | Wer mit wem? Entwicklung seit 2010

Die GPM hat diesen Trend bereits frühzeitig erkannt und entsprechende Forschungsprojekte als erkenntnisbringende Grundlage für ihre Mitglieder angestoßen, die bereits als öffentlich zugängliche Publikation vorliegen (siehe Abb. 7). Die Studie kann frei im GPM-Know How Pool heruntergeladen werden.

07_Abb.7_Forschung zu kooperativem Verhalten in zwischenbetrieblichen Projekten _Raimo.HübnerAbbildung 7: Forschung zu kooperativem Verhalten in zwischenbetrieblichen Projekten

Dass die globale interkulturelle Kooperationskompetenz einer der Forschungsschwerpunkte ist, wird auch dadurch belegt, dass z.B. die Promotion von Herrn Dr. Timo Braun zur Kooperationsforschung 2013 als eine der herausragenden wissenschaftlichen Arbeiten in der Forschung rund um Projektmanagement mit dem Preis: „Deutscher Studienpreis Projektmanagement“ ausgezeichnet wurde (siehe Abb. 8).

08_Abb.8_Deutsche Project Management Awards 2013 _Raimo.HübnerAbbildung 8: Deutsche Project Management Awards

Wir können also gespannt sein, ob die globale interkulturelle Kooperationskompetenz in der ICB4, welche zum Ende nächsten Jahres angekündigt ist, schon Einzug gefunden hat. Möglicherweise reichen die Erkenntnisse aus der Forschung dahingehend aber noch nicht aus, um Handlungsempfehlungen auszusprechen, welche zu tendenziell mehr Erfolg in der Projektarbeit führen. Dann freuen wir uns eben auf den nächsten Evolutionsschritt der ICB.

Happy Projects

Raimo Hübner

Literaturquellen:

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