Wem nutzt die Zertifizierung im Projektmanagement?

Welche Antwort auf diese Frage geben Sie, die Leser des GPM BLOGs?

PM-ZERT fragt dies bei Rezertifizierungen immer ab. Das Ergebnis ist interessant. Die höchste Bewertung auf die Frage „Wo findet Ihr Zertifikat die höchste Anerkennung?“ erhalten wir bei denjenigen, die einen Antrag auf Rezertifizierung gestellt haben:
den Auftraggebern!

Interessant ist der „Gegenpol“:
Die Auftragnehmer erkennen das Zertifikat am wenigsten an.

Wie kommt das? Sind Auftragnehmer niemals auch Auftraggeber? Gibt es unter den Auftragnehmern bei unseren Zertifikatsinhabern keine zertifizierten Projektmanager?

Weiter wird noch gefragt nach der Anerkennung „im Unternehmen“ und „bei Kollegen“. Hier liegen die Ergebnisse „Anerkennung im Unternehmen“ über denen der „Anerkennung bei Kollegen“. Das lässt sich z. T. bestimmt damit erklären, dass es nur in 2/3 der Unternehmen, in welchen unsere Zertifikatsinhaber tätig sind, ein Karrieremodell für Projektmanagement gibt (welches in 73% der Fälle dem IPMA-Modell entspricht).

Liebe Leser, wie interpretieren Sie diese Ergebnisse? Welche Erfahrungen machen Sie in Ihren Unternehmen?


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Kommentare

  1. avatar Marcus Raitner

    Zertifikate bieten den Auftraggebern in erster Linie Orientierung. Sie sind die Schubladen und Kategorien in denen die Einkäufer denken. Sie können nicht ernsthaft von mir als Auftragnehmer erwarten, dass ich in der Reduktion meiner Person und Erfahrung auf A, B, C oder D einen Nutzen erkenne. Der einzige Nutzen für den Auftragnehmer ist es, weiterhin im Rennen zu bleiben. (s. auch die Diskussion auf openPM: https://www.openpm.info/x/EwCk und in meinem Blog: http://misc.raitner.de/2012/07/rezertifizierung-ipma-level-d-money-for-nothing/)

    1. Das ist natürlich eine sehr einseitige Perspektive. Viele Unternehmen gehen dazu über, Karriereperspektiven für die Projektleiter zu bieten, da gibt es dann z.B. 4 Abstufungen für Projektleiter mit „wenig komplexen“ Projekt bis zu „hoch komplexem“ Projekt. Damit wird natürlich auch eine angepasste Kompetenzentwicklung auf den vier Stufen immer wichtiger – und zu guter Letzt dokumentiert die Zertifizierung dann das Erreichte.

      In Datenbanken wird dann ersichtlich, wer das Wissen und die Erfahrung mitbringt, um ein neues Projekt am Besten zu managen. Für die Mitarbeiter ist es ein Kompetenznachweis, der Voraussetzung für eine Karriere im PM usw.

      Nun zurück zu Ihrer Situation: wenn Sie das Ganze so negativ sehen, dann frage ich mich natürlich, warum Sie überhaupt die Zertifizierung gemacht haben. Ich lese zumindest heraus, dass Sie damit „weiterhin im Rennen“ bleiben, also eine Zugangsvoraussetzung erfüllt haben. Na fein. Mal ehrlich: wenn Sie keinen weiteren Nutzen in einem Zertifikat sehen, dann werden Sie Ihrem Kunden auch keinen Nutzen „verkaufen“ können, also ein bisschen Selbstmarketing würde da auch einem „Berater“ nicht schaden 😉

      1. avatar Marcus Raitner

        Zurückhaltung im Selbstmarketing hat mir ja noch nie jemand nachgesagt 😉 Im Gegenteil. Die Frage ist ja welche Merkmale ich für das Marketing verwende. Das Zertifikat steht auf der Liste ganz weit unten („ja, habe ich auch …“). Ganz oben steht meine Erfahrung in Projekten, mein Engagement und meine Leidenschaft für das Thema PM, und meine Beiträge (Blog, openPM, etc.).

    2. avatar Walter Eschwei

      In meinem vorigen Leben war ich u.a. 7 Jahre lang Einkaufsleiter (genauer: Leiter Vertragsmanagement und Einkauf) bei einem Finanzdienstleister. Als erstes hatte ich zu Beginn in meinem neuen Job gelernt, dass Einkauf sehr projektorintiert arbeitet. Mit anderen Einkaufsleitern von Finanzdienstleistern (Banken und Versicherungen) haben wir ein gemeinsames Modell zum Lieferantenmanagement entwickelt. Dabei sind alle streng „nach der Lehre des Projektmanagements“ vorgegangen. Die Kriterien zur Bewertung von Lieferanten haben wir an den Stakeholdern ausgerichtet.
      Die Fähigkeit der Lieferanten, Qualität und Projektmanagement „zu können“ stand ganz oben auf Werteliste. Entsprechend wurde auch nach Zertifikaten gefragt.
      So unterschiedlich sind offenbar Erfahrungen mit Einkäufern.

      1. avatar Marcus Raitner

        Ich verstehe und bestreite auch gar nicht das Qualität im Projektmanagement ganz oben auf der Liste stehen sollte. Die Frage ich nur, wie misst man das? Ich wehre mich nur gegen die haltlose Vereinfachung „Zertifikat = Qualität im Projektmanagement“

  2. Liebe Kollegen,

    ich kann hier den Kommentierenden nur zustimmen. Eine Zertifizierung allein bescheinigt nicht, dass man gut Projekte managen – so wie ein Führerschein auch nicht nachweist, dass ich Autofahren kann. Dies erreicht man nur durch jahrelange Übung und dem Machen von eigenen Erfahrungen. Wem nützt die Zertifizierung: In erster Linie Einkäufern und Personalern, die versuchen irgendwie Übersicht über die Bewerbervielfalt von Dienstleistern und neuen Mitarbeitern zu bekommen sowie Bewerbern, um formale Voraussetzungen zu erfüllen. Dem Projekterfolg – daran woran ein Projektleiter eigentlich gemessen werden sollte – nutzt die Zertifizierung aus meiner Sicht nicht.

    Herzliche Grüße

    Daniel Krones
    (http://www.kraus-und-partner.de/projektmanagement)

  3. avatar Walter Eschwei

    Das Thema ist offensichtlich immer noch sehr anregend, was mich freut. Also den Nutzen der Zertifizierung sehen Inhaber von Zertifikaten offensichtlich anders: 95% beurteilen den Nutzen ihres Zertifikats positiv bis sehr positiv. Für 5% ist der Nutzen nicht erkennbar. Diese Zahlen stammen aus der Auswertung der Feedback-Bögen, die Inhaber von Zertifikaten bei der Rezertifizierung (5 bzw. 10 Jahre nach Erlangen des Erstzertifikats) ausfüllen. Den „größten Vorteil“ aus dem Zertifikat sehen 2/3 der Inhaber von Zertifikaten bei sich selbst, 1/3 sieht ihn bei ihrem Unternehmen.

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