Was ist eigentlich Timeboxing?

Einige Entwicklungsverfahren, vor allem agile, basieren auf Timeboxing. Im Folgenden möchte ich kurz darstellen, was ich darunter verstehe und wie ich das Konzept abgrenze von Meilensteinen, Iterationen/Sprints und Druck ausüben.

Für unseren Projektmanagementkontext lautet meine Definition:
Eine Timebox definiert einen unverrückbaren Zeitrahmen, innerhalb dessen eine Menge von Ergebnissen in einer bestimmten Qualität nachprüfbar hergestellt werden soll.

Beschreibung
Am Ende der Timebox wird ermittelt, welche Ergebnisse nachprüfbar und abschließend fertig wurden und welche unfertig oder teilfertig geblieben sind. Eine Timebox basiert auf der Frage: Was haben wir zu einem Zeitpunkt fertig?
Eine Timebox ist ein Hilfsmittel zur Planung, Steuerung und Überwachung eines Entwicklungsprozesses.

Abgrenzung Timebox vs. Iteration
Iterationen sind i.d.R. Timeboxen, weswegen Iteration und Timebox oftmals synonym verwendet werden. Eine Iteration ist ein in ähnlicher Weise wiederholter Zeitabschnitt innerhalb eines Entwicklungsprozesses. Der Gesamtprozess wird in eine Vielzahl kürzerer Zeitabschnitte untergliedert, in denen prinzipiell die gleichen elementaren Entwicklungsaktivitäten stattfinden.

Abgrenzung Timebox vs. Meilenstein
Postmeilensäule Bad LiebenwerdaTimeboxen und Meilensteine sind ähnliche aber komplementäre Konzepte. Beide stellen Zeit und Ergebnisse in eine Relation, wobei bei der Timebox die Zeit fix ist und die Ergebnisse gemessen werden, während beim Meilenstein die Ergebnisse fix sind und die Zeit variabel.

Ein Meilenstein nennt einen geschätzten Termin, zu dem eine Menge von Ergebnissen in einer bestimmten Qualität nachprüfbar und abschließend vorliegen muss. Liegen die Ergebnisse zum geschätzten Termin nicht vor, wird der Meilensteintermin neu geschätzt und verschoben. Ein Meilenstein basiert auf der Frage: Wann wollen wir etwas fertig haben?

Typischerweise werden Timeboxen eher auf der Mikroebene verwendet, Meilensteine im Gegensatz dazu eher auf der Makroebene, beispielsweise für Releases.
Beim Meilenstein bleibt der Inhalt unverändert und die Zeit wird verschoben, beispielsweise weil ein Flugzeug mit nur einer Tragfläche wenig Sinn ergäbe und unvollständige Ergebnisse das Vorhaben obsolet machen (z.B. das Fliegen mit so einem Flugzeug). Bei der Timebox hingegen bleibt der Endtermin unverändert und der Inhalt wird variiert, weil Sie einfach nur objektiv feststellen wollen, was noch zu tun übrig ist und welche Auswirkung dies auf die Meilensteine hat.

Abgrenzung Timebox vs. Druck erzeugen
Manchmal wird der Begriff Timebox abweichend von der obigen Definition verwendet, wenn ausgedrückt werden soll, dass ein Arbeitstreffen oder ein Entwicklungsschritt zügig durchgezogen werden soll, also letztendlich einfach nur Druck gemacht werden soll. Beispiel: Soll das Daily-Scrum-Treffen 15 Minuten als Timebox dauern? Dann würde man ggf. nach 15 Minuten feststellen, dass zwei Teammitglieder ihre Beiträge noch gar nicht loswerden konnten. Die haben dann Pech gehabt. Vielleicht lernen die Beteiligten etwas daraus. Oder hat das Arbeitstreffen eher Meilenstein-Charakter, d.h. jeder muss die Möglichkeit haben, zu Wort zu kommen? Dann würde man nach 15 Minuten feststellen, dass noch nicht jeder dran war und nochmal fünf Minuten dranhängen.
Die Verwendung des Begriffes Timebox, um einfach nur Druck zu machen oder Disziplin anzumahnen, ist also oft eine sprachliche Ungenauigkeit, manchmal zeugt es aber auch davon, dass das Konzept nicht verstanden wurde.

Abgrenzung Iteration vs. Sprint
Für mich ist ein Sprint eine Iteration und eine Timebox, wobei ich den in Scrum gängigen Begriff für die falsche Metapher halte und daher lieber von Iteration spreche. Ein “Sprint” ist ein Kurzstreckenlauf, bei dem ich alle Kraft einsetze. Nach dem Sprint bin ich erst mal erschöpft. Es ist kein ausdauernder Lauf, sondern ein einmaliger. Eine Iteration dagegen ist etwas, das sich in ähnlicher Weise stets wiederholt. Sprint drückt gar nicht das aus, was Scrum eigentlich meint, nämlich eine “kurze Iteration”.

Kommentare

  1. Guter Artikel – danke dafür!

  2. Sehr gute Klarstellung des “Sprint” Begriffs – danke.

  3. Dominik Maximini

    Sehr interessanter Artikel.
    Ein weiterer Aspekt: Gerade bei der Planung langfristiger Ziele (“Releases”, “Projekte”, …) unterscheidet man in Scrum zwischen “Timeboxed Planning” und “Featureboxed Planning”. Diese sich gegenseitig ausschließenden (also keinesfalls komplementären) Konzepte entsprechen dem von Ihnen oben erläuterten Timeboxen und Meilensteinen. Diese Konzepte lehnen sich an das “magische Dreieck des Projektmanagements” (Zeit, Kosten, Qualität/Features) an. “Timeboxed Planning” gibt wie von Ihnen beschrieben einen harten Endtermin vor, wobei nicht 100%ig sicher ist, wie viele Features an diesem Tag geliefert werden. “Featureboxed Planning” hingegen lässt den Liefertermin variabel, stellt dafür aber sicher, dass alle Features erstellt werden, bevor geliefert wird. Die Parameter Kosten und Qualität tastet Scrum normalerweise nicht an: Qualität wird zu Beginn des Releases definiert und ist danach nicht mehr nach unten verhandelbar (wenn die Projektbeteiligten sich einig sind können sie diese aber erhöhen) und die Kosten werden meist als mehr oder weniger fix angesehen – bei kurzen Releasezyklen (oft um die drei Monate) lohnt sich der Aufbau von Kapazitäten nicht (Brooks Law: “Adding more people to a late project only makes it later”) und ist eher eine strategische Entscheidung.

    Ihre Unterscheidung in Mikro- und Makroebene hat mir gefallen. Sie trifft den Nagel auf den Kopf.

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