Was Human Resources (HR) mit Projektmanagement zu tun haben

Bei einem Workshop zum Projektmanagement berichtete ein großes Unternehmen der Automobilzulieferindustrie letzte Woche ganz stolz, dass neben dem Corporate PMO und den bereichsspezifischen PMOs nun auch die Personalabteilung („Human Resources“) ein PMO bei sich eingerichtet habe. Das finde ich sehr bemerkenswert, wickelt doch die Personalabteilung viele ihrer Aktivitäten in Form von Projekten und benötigt hierzu professionelles Projektmanagement. Generell stellt sich hier die Frage, was hat HR mit Projektmanagement zu tun? Eine ganze Menge wie ich finde, und das gleich in zweierlei Hinsicht:

Ohne die tatkräftige Unterstützung der Personalabteilung wird eine Professionalisierung im Projektmanagement nicht gelingen. Die Personalabteilung hilft beispielsweise, ein Kompetenzmodell zu entwickeln bzw. das vorhandene Kompetenzmodell für Projektpersonal anzupassen. Ein auf die Belange des Projektmanagements abgestimmtes Kompetenzmodell, das die fachlichen, persönlichen, sozialen und methodischen Kompetenzen aufzeigt, ist die Basis für die Auswahl, den Einsatz und die Entwicklung von Projektmanagern und allen anderen projektspezifischen Rollen. So wird eine Projektleiterlaufbahn auf einem abgestuften Kompetenzmodell aufbauen und die Richtschnur für Kompetenzassessments sowie Planung und Umsetzung eines modularen  Schulungsangebotes sein. Die Vereinbarung persönlicher Ziele des Projektmanagers muss in die jährlich stattfindenden Personalentwicklungs- und Beurteilungsgespräche eingebunden werden. Das ist oft schwierig, weil der „Rhythmus der Projektwelt“ nicht zu dem der Linienabteilungen passt. Die Rekrutierung von festangestellten oder auch freiberuflich tätigem Projektpersonal erfolgt in der Regel über die Personalabteilung. Insofern müssen die Mitarbeiterinnen dort natürlich auch über die Anforderungen modernen Projektmanagements Bescheid wissen. Üblicherweise ist die Personalabteilung auch eingebunden, wenn es um die Professionalisierung des Projektmanagements als Change-Projekt geht.

Auf der anderen Seite setzt auch die Personalabteilung immer mehr auf Projektarbeit. Die Konzeption und Einführung eines neuen Karrieremodells, die Anpassung der Vergütungsrichtlinien, oder das Ausrollen eines neuen Train-the-Trainer Konzeptes. All das erfordert von Personalern ein gehöriges Maß an Projektmanagementkompetenz. In den Ausbildungsgängen für Personaler kommt leider nur sehr selten das Fach Projektmanagement vor. Auch in der beruflichen Aus- und Weiterbildung für die Personalarbeit ist Projektmanagement noch Mangelware. Die Personaler brauchen ein abgespecktes, pragmatisches Projektmanagement und reichern das mit Elementen des Change Management an. Hier gilt es das Projektmanagement auf die besonderen Bedürfnisse der Personalabteilung anzupassen.

Deshalb sollte das Corporate PMO den Personalern ein Grundgerüst an Projektmanagement-Know-how an die Hand geben bzw. eine Basisschulung anbieten. Dann klappt es sicher auch mit den Projekten der Personalabteilung besser. Viel wichtiger aber ist, dass die Personaler ein besseres Verständnis von Projektmanagement und damit den Belangen der Projektmanager bzw. des PMO bekommen – eine wichtige Voraussetzung zur Professionalisierung des Projektmanagements im Unternehmen.

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