Vorbildwirkung im Projekt

Kennen Sie das? Die Stimmung im Projekt ist schlecht und das gesamte Team hat sich innerlich vom Projektleiter verabschiedet. Einige tun was, einige nicht. Die Meetings sind chaotisch. In der verbalen Kommunikation ist von Naivität über Gleichgültigkeit bis zu Zynismus und Aggressivität alles vertreten. Und es gibt niemanden, der diesem Treiben Einhalt gebietet.

Ein (häufiger) Grund dafür ist die Vorbildwirkung. Der oberste Grundsatz der Führung, die – Vorbildwirkung von Vorgesetzten – gilt gerade bei Projekten ganz intensiv. In Projekten werden Personen für eine begrenzte Zeit an einem gemeinsamen Ziel arbeiten. Personen, die sich möglicherweise vorher nicht kannten, die unterschiedliche Arbeitsmethoden mitbringen, die unterschiedliche Kompetenzen und Vorstellungen mitbringen etc. Und in Projekten fällt die „Kennlernphase“ aus verschiedenen Gründen auch mal kürzer aus. Die gemeinsame feste Größe ist deshalb i. d. R. nur der Projektleiter. Der Projektleiter bestimmt durch seine Handlungen maßgeblich wie im Projekt miteinander umgegangen wird. Er allein entscheidet also durch seine Arbeit auch über seine Glaubwürdigkeit und die Disziplin im Projekt. Er lebt vor, alle leben nach.

  • Hält er seine Termine ein?
  • Sind seine Entscheidungen verlässlich?
  • Sind seine Dokumentationen so wie vereinbart?
  • Ist er kompetent?
  • Steht er zu seinen Arbeitsergebnissen?
  • Ist er ehrlich?
  • Geht er mit Respekt mit seinen Mitarbeitern um?
  • Ist er kreativ?
  • Ist der kommunikativ?
  • Ist er dogmatisch?
  • Beherrscht er Projektmethoden?
  • Fordert er noch oder macht er schon vor?…

Alle Beteiligten im Projekt registrieren sehr genau, wie klein bzw. wie groß die Lücke zwischen den Handlungen/Arbeitsweisen des Projektleiters und seinen Forderungen ist. Und das Team wird immer darauf reagieren. Ob der Einzelne dies bewusst oder unbewusst tut, ist dabei irrelevant. Relevant ist aber, dass es extrem schwer ist, einmal oder zweimal oder mehrfach gelebte negative Arbeitsweisen im Projekt wieder zu korrigieren. Insbesondere dann, wenn genau das vom Projektleiter permanent negativ vorgelebt wurde und er dieses Verhalten nicht ändert.

Termineinhaltung? Wozu? Macht der doch auch nicht. Neue Ideen? Wozu? Der hat doch sowieso keine Ahnung, und verkauft das dann noch als seine Idee. Terminplan? Hat es doch in diesem Projekt noch nie gegeben. Gesprächskultur? Hat der doch auch nicht! Ressourcenplanung? Ich habe doch sowieso keine Zeit.

Damit wird deutlich, dass die Vorbildwirkung eines Projektleiters nicht nur das Projektteam verändert, sondern auch direkten Einfluss auf das Projektergebnis hat. Denn unmotivierte Mitarbeiter und eine unkultivierte Arbeitsweise haben direkten Einfluss auf die Arbeit im Projekt. Noch eklatanter sind die Wirkungen auf das Projekt, wenn die Mitarbeiter im Projekt diesem nicht zu 100% zur Verfügung stehen, sondern weiterhin mit anderen Projekten oder mit ihren Tagesaufgaben beschäftigt sind. Warum soll sich ein Mitarbeiter freiwillig in einem Projekt engagieren, wenn er die Möglichkeit hat, sich in optimalere Arbeitsbedingungen zurückzuziehen? „Ich habe zu viel zu tun“, kann dann nicht nur Realität sondern auch Schutzbehauptung sein. Damit leidet das Projekt dann auch noch zusätzlich unter (selbstgemachtem) Ressourcenmangel.

Der Projektleiter sollte sich der Folgen seines Handelns immer bewusst sein und danach handeln. Er steht unter besonderer Beobachtung und an ihm werden sich langfristig alle seine Mitarbeiter ihre Aktivitäten ausrichten. Sowohl positiv, als auch negativ.


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Kommentare

  1. Lieber Herr Hänßgen,

    meiner Erfahrung nach kommen solche Situationen besonders dann vor, wenn mal wieder an der Realität vorbei geplant wurde oder es keinen wirklichen Zweck gibt, der das Unternehmen weiterbringt. Man kann sich fehlende Planung nicht schön reden.

    Wenn das Management nicht hinter dem Projekt steht, sollte man das Projekt besser stoppen und neu planen. Wie man das Management für ein Projekt interessiert ist ganz einfach: Liefert echte Ergebnisse (siehe http://www.teamworkblog.de/2012/06/konnen-wir-bitte-aufhoren-uber.html).

    Beste Grüße, Jan Fischbach

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