Toleranz als Herausforderung in der internationalen Zusammenarbeit - nicht nur in Projekten

Projektarbeit findet zunehmend auf der internationalen Bühne statt. Projektmanager müssen sich deshalb auch mit unterschiedlichen Kulturen bzw. Sicht- und Verhaltensweisen auseinandersetzen. So kommt es beispielsweise immer wieder vor, dass wir Deutschen mit unserer direkten Art der Kommunikation in manchen Ländern auf Unverständnis stoßen. In der internationalen Zusammenarbeit ist deshalb viel Toleranz nötig.


Was bedeutet Toleranz und wie kann diese tatsächlich gelebt werden?

Der Begriff “Toleranz” wird im Duden mit “Duldsamkeit” definiert. Mir ist das persönlich deutlich zu wenig. Eine eher demütige Haltung, das “Erdulden, Zulassen, Ertragen” ist passiv und hilft in Projekten nicht weiter. Albert Einstein bringt es für mich richtig auf den Punkt:

Toleranz heißt also nicht Gleichgültigkeit gegen das Handeln und Fühlen des oder der anderen. Es muss auch Verständnis und Einfühlung dabei sein.

Wenn ich das Verhalten der Stakeholder im Projekt verstehe, kann ich Brücken bauen und Zusammenarbeit ermöglichen.

Toleranz setzt Interesse an den Menschen mit ihren spezifischen kulturellen Prägungen voraus. Das Beobachten von Verhaltensweisen, vor allem das Zuhören und das flexible Reagieren auf den oder die Anderen, sollte im internationalen Umfeld zum Verhaltensrepertoire gehören. Ich ertappe mich oft dabei, zu schnell und zu ungeduldig zu sein. Dabei übersieht man dann schnell das Wesentliche. Es braucht also vor allem Zeit, um sich kennenzulernen und besser zu verstehen. Ein Faktor, der bei der Planung internationaler Projekte leider allzu oft vergessen wird.

Sich seiner eigenen kulturellen Prägung bewusst zu werden ist übrigens auch noch wichtig für Toleranz. Zu akzeptieren wer man ist, woher man kommt und selbstbewusst auftreten, ist für einen Projektmanager im internationalen Kontext genauso wichtig, wie sich im entscheidenden Augenblick zurücknehmen und das eigene Verhalten kritisch reflektieren können. Das Bewusstsein über die eigene kulturelle Prägung hilft, Unterschiede wahrzunehmen.

Die ethnorelativen Kulturdimensionen von Hofstede und Trompenaars können das Verstehen fördern und gleichzeitig hemmen. So sind nicht alle Amerikaner Individualisten und nicht alle Chinesen kollektivistisch veranlagt. Das individuelle Verhalten unterliegt einer Normalverteilung, die es situativ zu verstehen und zu berücksichtigen gilt. Auch in diesem Sinne ist das Wort “Toleranz” gebräuchlich, nämlich als Abweichung von einer bestimmten Norm.


Was bringt Toleranz?

Jede Kultur bringt spezifische Stärken in die Projektarbeit ein. Diese in den Dienst eines Projektes zu stellen, bringt Effektivität und Effizienz. Es gilt also schon bei der Zusammensetzung des Teams, auf einen guten Mix zu achten und bei der Teambildung sowie -entwicklung auf einen toleranten Umgang miteinander hinzuarbeiten. Persönlich habe ich von der Arbeit im internationalen Umfeld unheimlich profitiert – und Spaß macht es auch noch!


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