Systemische Projektaufstellung - eine Alternative zur Lösung von Konflikten im Team?

Zum zweiten Male fand kürzlich die Veranstaltung „Systemische Projektaufstellung“ der GPM Region München statt. Das Thema beschäftigt mich schon länger.

„Projekte durch Einsatz von „systemischen Methoden“ zu steuern, ist so natürlich wie Wasser zu trinken, wenn man Durst hat“

So geht Harald Heinrich der obigen Frage mit Alexandra Schwendenwein, Systeme gut beraten, Feldkirchen-Westerham, nach. Er aktiviert das Publikum und demonstrierte, dass soziale Systeme eigenen Prinzipien folgen.

Von systemischen Methoden wird als eine minimale Anforderung erwartet, dass das Thema, Problem oder Ziel und die Aspekte, die dabei eine Rolle spielen, als ein „System“ betrachtet werden. Aufgrund der während der Veranstaltung durchgeführten Experimente erkannten die Teilnehmer, was unter den systemischen Aspekten „Ganzheitlichkeit“, „Unterschiedsbildung“, „Kontextabhängigkeit“ und „Wechselwirkungen“ zu verstehen ist. Durch die Verknüpfung mit Beispielen aus unterschiedlichen Bereichen wie Familie, Unternehmen und selbstverständlich schwerpunktmäßig mit Projekt-Systemen erhalten die Teilnehmer Informationen für die Anwendbarkeit der Methode in der Praxis.

Systemische Methoden liegen im Trend der Zeit. Ob in der Beratung oder im Coaching, bei Organisations- oder Teamentwicklungen, systemische Aspekte werden in allen Lebensbereichen, die mit sozialen Systemen arbeiten, immer konsequenter berücksichtigt.

Manager und besonders Projektmanager kommen tagtäglich in Situationen, wo faktisches Wissen nicht oder nicht ausreichend zur Verfügung steht. Wie können sie in solchen Situationen trotz Zeitdruck die notwendigen „unentschuldbaren Entscheidungen“ treffen? Dabei helfen systemische Projektaufstellungen als eine Methode, implizites Wissen zugängig zu machen.

Systemische Projektaufstellung: Wie stehen die Akteure im Projekt zueinander (Quelle: Harald Heinrich)

Systemische Projektaufstellung: Wie stehen die Akteure im Projekt zueinander? (Quelle: Harald Heinrich)

Systemische Projektaufstellungen sind eine Gruppensimulationsmethode, in der Aspekte oder Elemente eines Projektes mit Symbolen oder Personen nachgestellt werden. Dabei werden die Beziehungen zwischen den Elementen durch Entfernung, Winkel, Blickrichtung zueinander und Bezugnahme aufeinander dargestellt. Dies passiert auf eine intuitive Art und Weise durch z. B. den Projektleiter, dessen inneres Bild vom Projekt so explizit nach außen gebracht wird.

Tagtäglich nutzen wir implizit und unbewusst systemische Methoden in Projekten und überall da, wo wir mit Systemen arbeiten. Wir können letztendlich nicht „nicht systemisch“ agieren, behaupten die Harald Heinrich und Alexandra Schwendenwein.

Die Betrachtung von Projekten als temporäre soziale Systeme erlaubt uns, systemische Methoden in der Projektarbeit einzusetzen, um folgende Ziele zu erreichen:

  • Finden von neuen Ideen/Lösungen
  • Überwinden von Problemen, Erreichen von Zielen
  • Vorbereiten von Entscheidungen
  • Testen von Alternativen
  • Auflösen von Dilemmata
  • Schaffen von Klarheit
  • Verändern von Werten, Überzeugungen
  • Lösen von Konflikten

Ein Konflikt im Team kann aus den verschiedensten Ursachen aufflammen:

  • Teamziele werden unterschiedlich verstanden
  • Rollen im Team sind nicht wie gewünscht zugeordnet
  • Verhalten eines oder mehrere Teammitglieder entspricht nicht den vereinbarten Regeln oder Vorstellungen
  • Einsatz/Verhalten/Leistungen des einzelnen wird nicht wahrgenommen
  • Reihenfolgen/Hierarchien im Team werden verletzt
  • uvm.

Wie kann die Methode zur Lösung all dieser Konflikte im Team eingesetzt werden? Indem in vier Schritten ein System zu dem Konflikt aufgebaut wird:

  1. Erkennen, welche Elemente zum Konfliktsystem gehören: Ziel Z, Person A, Person B, Projektleiter P, Verhalten V, Rolle R, Regel G, Einsatz E, Leistung L, …
  2. Erkennen, ob alle relevanten Elemente berücksichtigt wurden, durch Stellen der Frage, ob das Wegbleiben oder Hinzunehmen eines Elementes einen „relevanten Unterschied“ machen würde?
  3. Berücksichtigen des Kontextes des Konfliktes (zeitlich, sozial, inhaltlich). Was ist noch wichtig?
  4. Durchführen einer Projektaufstellung und Erkennen der Wechselwirkungen zwischen den Elementen. Welche Elemente könnten verändert werden und dabei eine gute Wirkung auf alle anderen haben?

Welche Erfahrungen haben Sie als Projektleitung mit systemischer Projektaufstellung gemacht? Konnten Sie dadurch Konflikte lösen?

Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.


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Kommentare

  1. avatar Gerhard Wirnsberger

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    den Artikel habe ich mit viel Interesse gelesen.
    Dazu habe ich einige Fragen.
    Konkret sieht doch Projektarbeit so aus, dass ich oftmals einen Konflikt habe z.B. mit einem Auftraggeber. Manchmal ist die Aufgabenstellung nicht klar formuliert oder es kommen Änderungswünsche usw.
    Was mache ich denn nun damit. Ich nehme an, AG kann ich nicht einladen zu einer Aufstellung.
    Ein anderes Beispiel könnte folgende Situation sein. In einem grösseren Projekt ist die Beziehung zu den Konsortialpartnern. sehr angespannt bis feindlich. Da erschwert die Zusammenarbeit.
    So wie ich den Artikel verstanden habe, handelt es sich bei den Beispielen ebenfalls um Systeme?
    Was würden Sie empfehlen, wie ich mit solchen Situationen umgehen kann.
    Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen

    1. avatar Harald Heinrich

      Liebe Kolleginnen und Kollegen,
      ja, häufig gibt es Konflikte mit Auftraggebern. Und diese gilt es zu lösen.
      Die systemischen Aufstellungen sind dafür eine adäquate Methode: Relevante Faktoren des Systems (Auftraggeber, Projektleiter, Projektteam, Projektziel und Konfliktthema, um das es geht) werden mit Hilfe von Personen aufgestellt. In einem Teamworkshop arbeiten wir mit internen, in einem Aufstellungsworkshop mit system-fremden Personen. Eine Person steht als sogenannter „Repräsentant“ des Projekt-Auftraggebers in dem Modellsystem der Aufstellung, und nimmt die Perspektive des Auftraggebers ein. Hier werden alle Unterschiede abgefragt, die der Repräsentant des Auftraggebers wahrnimmt, seit er an diesen Platz gekommen ist. Diese Wahrnehmungen bringen wichtige Hinweise für die Vorbereitung des Gesprächs mit dem Auftraggeber.

      Eine hilfreiche Vorgehensweise ist auch die „Konflikt-Lösungs-Aufstellung“. Eine Beschreibung dazu finden Sie auf meiner Homepage unter:
      http://www.harald-heinrich.de/angebote/angebot.html

      Sind in einem Projekt mehrere Konsortialpartner beteiligt, und ist die Zusammenarbeit durch deren Beziehungen zueinander erschwert, bieten sich die Aufstellungen ebenfalls als Lösungstool an.
      In diesem Falle reicht es eventuell die Konsortialpartner als Subsysteme in dem System Projekt darzustellen, sowie weitere Faktoren, die eventuell zum Konflikt beigetragen haben.
      Im Modellsystem der Aufstellung wird getestet, welches die erfolgversprechendsten Maßnahmen zur Konfliktlösung sind, um diese dann in der Projektwirklichkeit konkret durchzuführen.

      Ich hoffe Ihre Fragen sind damit gut beantwortet.

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