Sechs Megatrends und ihre Bedeutung für das Projektmanagement

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Angesichts von Nahrungs- und Wassermangel sowie vielen anderen Knappheiten auf der Welt ist es kein Wunder, dass auch Projektmanagement sorgsam mit den Ressourcen umgehen muss. Foto: Wagner

EY hat vor kurzem eine Studie zu Megatrends veröffentlicht. Dabei werden sechs Trends genannt, die unser Leben zukünftig maßgeblich beeinflussen werden, nämlich:

  1. Digital future
  2. Entrepreneurship rising
  3. Global market place
  4. Urban world
  5. Resourceful planet
  6. Health reimagined

Diese Trends sind einzeln betrachtet maßgeblich für unsere Welt und bestimmen stark unser Handeln. Sie sind natürlich nicht nur einzeln zu betrachten, sondern haben mehr oder weniger starke Wechselwirkungen. Die Megatrends sollen im Folgenden skizziert und mit ihren Auswirkungen auf das Projektmanagement beschrieben werden.

  1. Die Digitalisierung unserer Welt schreitet unaufhaltsam voran. Stichworte für die Entwicklung sind „social media“, „cloud computing“, „big data“ und „internet of things“. Moderne Technologien ermöglichen eine unheimlich verdichtete Form von Information und Kommunikation mit gravierenden Auswirkungen auf unsere Wirtschaft wie auch die Gesellschaft insgesamt. Das Projektmanagement profitiert einerseits von der Digitalisierung, so ermöglicht sie z.B. Information und Kommunikation in global verteilten Projektteams. Social Media und Cloud-Anwendungen haben in den letzten Jahren Einzug ins Projektmanagement gehalten und werden – wenn auch noch etwas verhalten – von Projektmanagern angenommen. Dagegen bestehen bei „big data“ und „internet of things“ im Projektmanagement noch Unklarheiten, wie eine Nutzung konkret aussehen könnte. Andererseits ist das Projektmanagement mit einer immer weiter steigenden Datenflut konfrontiert, die es zu organisieren und für das Projekt nutzbar zu machen gilt.
  2. Der zweite Megatrend greift das französische Wort „Entrepreneur“ auf und interpretiert es im betriebswirtschaftlichen Sinne so: „Entrepreneur ist eine Persönlichkeit, die bereit dazu ist, hohe Verantwortung und hohes Risiko zu tragen. Es geht beim dem Wort Entrepreneur also nicht nur um die stumpfe Übersetzung zum Unternehmer, sondern auch um Charakter, eine gewisse Lebenseinstellung und die Fähigkeit immer wieder neue Innovationen hervorzubringen“. Mit ihren Innovationen haben die Entrepreneure einen großen Einfluß auf Wirtschaft und Gesellschaft, sei es im Handel (u.a. Zalando), im Bereich Software (u.a. 6-Wunderkinder) oder auch im Bereich Transport und Logistik (u.a. SkySails). Jede Innovation ist ein Projekt und wird (eher agil) strukturiert ins Ziel gebracht. Das Projektmanagement sollte sich also mehr mit den frühen Phasen der Innovation auseinandersetzen und von erfolgreichen Entrepreneuren lernen.
  3. Die zunehmende Globalisierung ermöglicht eine international vernetzte Wirtschaft. Die Automobilindustrie ist ein gutes Beispiel, um die positiven und negativen Begleiterscheinungen abzulesen. Positiv ist, dass neue Absatzmärkte auftun, neue Zulieferbeziehungen entstehen, die auch einen Zuwachs an Know-how ermöglichen. Andererseits erschweren Handelsbarrieren sowie einseitige Abhängigkeiten die Zusammenarbeit. Für die Projektwirtschaft bringt die Globalisierung die Zusammenarbeit in verteilten Teams mit interkulturellen Unterschieden, geografischen Distanzen, Zeitunterschieden und unterschiedlichen Projektmanagement-Mentalitäten mit sich. Viele Unternehmen tun sich noch schwer mit international verteilter Zusammenarbeit. Die GPM ist durch die Vernetzung mit den inzwischen mehr als 60 Landesgesellschaften der IPMA weltweit gut vernetzt, unterhält hervorragende Beziehungen zu vielen dieser Länder und kann der deutschen Wirtschaft unmittelbar bei der Vernetzung vor Ort helfen.
  4. Der Trend zur Urbanisierung ist in Deutschland nicht so stark ausgeprägt wie in den Schwellenländern, wo die Städte rasant wachsen und teils mehr als 20 Millionen Menschen beherbergen. Urbanisierung bringt viele neue Herausforderungen mit sich, wie zur Zeit in China allzu deutlich zu beobachten ist, so z.B. die immense Luftverschmutzung, Verkehrschaos und Wohnungsnot. Projektmanagement kann sich in den Dienst der Urbanisierung stellen, z.B. bei einer systematischen Stadtplanung bzw. -entwicklung, bei der Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte, die das Verkehrsaufkommen in geordnetere Bahnen lenken sowie die Entwicklung neuer Lebens- und Arbeitskonzepte für die Menschen in und um Ballungsräume. Letzteres hilft auch dem Projektmanagement selbst weiter. So entstehen in Megacities neue Formen der Zusammenarbeit von (teilweise selbständigen) Entrepreneuren in Projektform. Das Wort „Projektteams“ bekommt in diesem Zusammenhang eine ganz neue Bedeutung.
  5. Das Bewusstsein knapper Ressourcen wächst. Angesichts von Dürrekatastrophen, Nahrungs- und Wassermangel sowie vielen anderen Knappheiten auf der Welt ist es kein Wunder, dass auch Projektmanagement sorgsam mit den Ressourcen umgehen und verstärkt auf Nachhaltigkeit setzen muss. Dies beginnt bei der Formulierung der Projektziele, geht über den gesamten Lebenszyklus der Projektabwicklung und auch weit darüber hinaus, so z.B. über den Lebenszyklus des Produktes/Systems bis hin zum Recycling. Dies bezieht m.E. auch explizit die sorgsame Nutzung der „Human Resources“ mit ein. Eine international sehr beachtete Studie der GPM zum „Burnout bei Projektmanagern“ zeigt deutlich Ursachen und Wirkungen einer Überlastung in Projekten auf. Hierauf gilt es zukünftig genauer zu achten.
  6. Dies führt mich auch schon zum sechsten Megatrend, nämlich der „Healthcare“. Hier ermöglicht der technische Fortschritt für viele Menschen auf der Erde, die bislang von einer professionellen medizinischen Versorgung abgeschnitten waren, eine bessere Versorgung. Das Projektmanagement kann sicher einen Beitrag dazu leisten, alle Beteiligten im Gesundheitswesen (u.a. Krankenhäuser, Versicherer, Medizintechnik- und Pharmaunternehmen) an einen Tisch zu bringen und für eine optimale Abstimmung und Integration von Lösungen zu sorgen. So, wie das die GPM Fachgruppe „PM Healthcare“ in Deutschland schon seit vielen Jahren praktiziert. Ggf. sollte hier auch internationaler Austausch, insbesondere mit den Entwicklungs-/Schwellenländern angestrebt werden, um eine weitere evolutionäre Entwicklung einzuleiten.

Insgesamt betrachtet bieten die sechs Megatrends viele Chancen zur Weiterentwicklung der Gesellschaft und des Projektmanagement. Die Entwicklung fordert aber auch die Bereitschaft von Gesellschaft und Projektmanagement, sich auf die neuen Entwicklungen einzulassen und diese aktiv mitzugestalten.

 

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