Schlüsselkompetenz Projektmanagement für den Standort Deutschland

GPM auf dem Zukunftskongress Staat & Verwaltung

Als institutioneller Partner des diesjährigen Zukunftskongresses Staat & Verwaltung am 21. und 22. Juni in Berlin übernahm die GPM die Patenschaft für ein Zukunftsforum zum Thema „Effizienz und Transparenz von öffentlichen Großprojekten“ sowie für zwei Workshops:  „Projektgovernance in der Öffentlichen Verwaltung“ und „Organisationale Projektmanagementkompetenz“.

„Angesichts der zahlreichen öffentlichen Großprojekte, die Kosten und Termine bei weitem überschreiten, ist die Frage, wie wir diese Situation in den Griff bekommen, von großer Bedeutung für Bund, Länder und Kommunen aber auch für den Wirtschafts-standort Deutschland“ , so Prof. Dr.-Ing. Helmut Klausing, Präsident der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. bei der Eröffnung des Kongresses vor über 1.400 Teilnehmern.

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GPM Präsident Klausing bei der Eröffnung des Zukunftskongresses, Foto: www.paulhahn.de

“Über die wirtschaftspolitische Dimension hinaus hat diese Frage auch innenpolitische Relevanz für das angeschlagene Vertrauen der Bürger in ihren Staat: Bürger erwarten von der Politik Problemlösungskompetenz statt Symbolpolitik, Parteienstreit und Ressortegoismus. Projektmanagement hat sich in den letzten Jahren grundlegend weiter-entwickelt: von einem Werkzeugkasten für technische Projekte hin zu einem Führungskonzept für Innovation und Wandel in allen Bereichen der Gesellschaft. Dass auf dem Zukunftskongress ein Forum zu diesem Thema mit zwei Staatssekretären der Bundesregierung besetzt werden konnte, zeigt, dass das Thema inzwischen in der Politik angekommen ist. Zunehmende Komplexität, Dynamik und krisenhafte Zuspitzungen erhöhen die Anforderungen an die Flexibilität und Reaktionsfähigkeit von Staat und Verwaltung. Über eine Million Flüchtlinge, Energiewende, Digitale Agenda, Moder-nisierung der öffentlichen Infrastruktur – zahlreiche herausfordernde Zukunftsaufgaben stehen an. Dazu bedarf es der Steuerung öffentlicher Projekte über Organisations-,  Ressort- und föderale Grenzen hinweg und der Einbindung der Wirtschaft, Bürger und gesellschaftlichen Interessengruppen,“ so Klausings Appell an die Politik.

GPM Präsident Helmut Klausing begrüßt Bundesinnenminister Thomas De Maizière, Foto: www.paulhahn.de

GPM Präsident Helmut Klausing begrüßt Bundesinnenminister Thomas De Maizière,
Foto: www.paulhahn.de

Die Frage, wie angesichts dieser Herausforderungen der gesellschaftliche Zusammenhalt gefördert werden kann, stand im Zentrum des Dialogs, den Bundesinnenminister Thomas De Maizière mit namhaften Vertretern von Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft führte.

In ihrer Keynote „Führung und Reformfähigkeit“  machte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen deutlich, dass wirksame Führung einer so großen Organisation mit so komplexen Herausforderungen heute neue Führungprinzipien braucht: Lösungsorientierung, Diversität der Führungsteams, Offenheit, Transparenz und eine Fehlerkultur. Die Stärkung der Rolle der Projektmanager von Großprojekten – mit direkter Berichtslinie an die Staatsekretärin und Ministerin – habe einen hohen Stellenwert bei der Entwicklung einer auf allen Ebenen wirksamen modernen Führungs-,  Risiko- und Transparenzkultur. Damit wurde auch deutlich, dass die Bedeutung von Projektmanagement als Führungskonzept im BMVg verstanden wird.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Foto: www.paulhahn.de

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Foto: www.paulhahn.de

Im Rahmen des von der GPM moderierten Zukunftsforums zum Thema „Effizienz und Transparenz von öffentlichen Großprojekten“ brachte Rainer Christian Beutel, Vorstand der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGST), die das Know-how von 1.950 Kommunen bündelt, umfangreiche Projekterfahrungen aus dem kommunalen Bereich in die Diskussion ein und kündigte eine intensivere Zusammenarbeit mit dem Kompetenznetzwerk der GPM an. Die Wirtschaftsvertreter, Dr. Lothar Mackert, Leiter Geschäftsbereich Öffentlicher Dienst, IBM Deutschland und Andreas Haak, Head of Competition, EU and Trade; Taylor Wessing Rechtsanwälte wiesen darauf hin, dass die Entwicklung einer projektspezifischen Vergabestrategie und der wettbewerbliche Dialog geeignete Ansätze für komplexe Projekte im Rahmen des Vergaberechts darstellen.

Prof. Mühlenkamp von der Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer brachte wertvolle Erkenntnisse der Projektmanagementforschung ein – auch unter Berücksichtigung internationaler Erfahrungen aus Großbritannien und den skandinavischen Ländern. Er machte klar, dass die Erkenntnisse und Empfehlungen der Reformkommission „Bau von Großprojekten“ des Bundesverkehrsministeriums und damit auch das darauf basierende Aktionsprogramm der Bundesregierung zu sehr auf der Symptomebene bleiben und daher nur einen ersten Schritt darstellen, dem weitere folgen müssen, um die Ursachen der Kosten- und Terminüberschreitungen öffentlicher Großprojekte in den Griff zu bekommen.

Zukunftsforum „Effizienz und Transparenz von öffentlichen Großprojekten“ v.l.n.r.: Prof. Holger Mühlenkamp, Andreas Haak, Norman Heydenreich (Moderation), Werner Gatzer, Lothar Mackert, Rainer Christian Beutel, Foto: www.paulhahn.de

Zukunftsforum „Effizienz und Transparenz von öffentlichen Großprojekten“ v.l.n.r.:
Prof. Holger Mühlenkamp, Andreas Haak, Norman Heydenreich (Moderation), Werner Gatzer, Lothar Mackert, Rainer Christian Beutel, Foto: www.paulhahn.de

Werner Gatzer, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, betonte die Notwendigkeit, klare Verantwortlichkeiten für Großprojekte festzulegen und Kompetenz und Erfahrung zu bündeln. Beim Großprojekt Flughafen BER, in dessen Aufsichtsrat er seit drei Jahren Verantwortung trage, seien Fehler gemacht worden, aus denen nun gelernt werden müsse. Als Best Practice wurde vom Moderator das Großprojekt  „Gotthard-Tunnel“ empfohlen, das kürzlich in Time und in Budget mit hoher Akzeptanz der Bürger eingeführt wurde. Sein Kernprojekt wurde von der GPM bereits im letzten Jahr mit den Project Excellence Award 2015 ausgezeichnet. Eine stärkere Berücksichtigung  internationaler Erfahrungen und Projektmanagement-Standards könne den Lernprozess beschleunigen.

GPM Hauptstadtrepräsentant Norman Heydenreich im Dialog mit Staatssekretär Werner Gatzer, Foto: www.paulhahn.de

GPM Hauptstadtrepräsentant Norman Heydenreich im Dialog mit Staatssekretär Werner Gatzer, Foto: www.paulhahn.de

„Projektmanagement ist eine Schlüsselkompetenz für die öffentliche Verwaltung, Projektleiter müssen eine der Größe und Komplexität des Projektes angemessene Projektmanagementausbildung erhalten und durch innovative Personalentwicklungskonzepte gefördert werden. Die Kompetenzstandards der International Project Management Association IPMA bieten dafür eine Orientierung“, so Jürgen Engelhardt, Vizepräsident der GPM auf dem Podium des Zukunftsforums „Innovative Personalentwicklungs- und Organisationsmodelle für die Verwaltung“.

GPM Vizepräsident Jürgen Engelhardt im Dialog mit Herma Kuperus, Innenministerium der Niederlande, Foto: www.paulhahn.de

GPM Vizepräsident Jürgen Engelhardt im Dialog mit Herma Kuperus, Innenministerium der Niederlande, Foto: www.paulhahn.de

In dem durch die GPM moderierten Workshop zum Thema „Project Governance“  zeigte Dr. Lutz Wenzel, Unterabteilungsleiter im Bereich Rüstungsmanagement des BMVg, wie die strategischen Vorgaben der Ministerin konkret umgesetzt werden. Durch das neue Risikomanagement werden wesentliche Voraussetzungen für Transparenz und Erfolg der großen Rüstungsprojekte geschaffen. Jörn Riedel, CIO der Freien und Hansestadt Hamburg (FHH) zeigte den erfolgreichen Hamburger Governance-Ansatz: Klare und verbindliche Governance-Richtlinien und ein starkes Kompetenzzentrum mit erfahrenen Projektleitern.

Armin Saidoun, Executive Director der IPMA, International Project Management Association brachte die internationalen Best-Practice-Erfahrungen ein: Ein starkes ressortübergreifendes Kompetenzzentrum für Großprojekte und die verbindliche Ausbildung von Führungskräften, die für Großprojekte Verantwortung tragen, im Projektmanagement (Großbritannien); Konzentration auf die Vorprojektphasen, ein verbindliches Quality-Gateway-Konzept, hohe Transparenz und eine langfristig angelegte Begleitforschung zur Erfolgskontrolle (Norwegen).

Workshop „Projektgovernance in der öffentlichen Verwaltung“ v.l.n.r.: Armin Saidoun, Norman Heydenreich, Jörn Riedel, Lutz Wenzel,Foto: www.paulhahn.de

Workshop „Projektgovernance in der öffentlichen Verwaltung“ v.l.n.r.: Armin Saidoun, Norman Heydenreich, Jörn Riedel, Lutz Wenzel, Foto: www.paulhahn.de

In einem weiteren von Heike Kratt, GPM Hauptstadtrepräsentanz, moderierten Workshop zum Thema „organisationale Projektmanagementkompetenz in der öffentlichen Verwaltung“ berichtete Jürgen Lorse, Referatsleiter Personalmanagement des BMVg, über Planungen für eine Projektleiterkarriere als Ergänzung und Alternative zur bisherigen alleinigen Generalisten-Führungslaufbahn für den zivilen Bereich der Bundeswehr. Markus Brockmann, Leiter des Referats für Grundsatzfragen der Organisation der Freien Hansestadt Hamburg (FHH), stellte dar, wie die FHH aus der Analyse vergangener Defizite in Projekten eine systematische Vorgehensweise zum Aufbau eines Projektmanagement-Office (Projekt-Wissencenter) entwickelt und bisher mit großem Erfolg umgesetzt hat.  Prof. Dr. Silke Schönert,  Fachhochschule Köln und Leiterin der GPM Fachgruppe, stellte Konzepte und Standards der organisationalen Projektmanagement-Kompetenz dar und zeigte  Möglichkeiten zur Mitarbeit in der von ihr geleiteten Fachgruppe „Projektmanagement in der Öffentlichen Verwaltung“ auf.

Workshop „Organisationale Projektmanagementkompetenz“, v.l.n.r.: Markus Brockmann,Heike Kratt, Silke Schönert, Jürgen Lorse, Foto: www.paulhahn.de

Workshop „Organisationale Projektmanagementkompetenz“, v.l.n.r.: Markus Brockmann,Heike Kratt, Silke Schönert, Jürgen Lorse, Foto: www.paulhahn.de

Es gab zahlreiche interessante Gespräche am GPM Stand und auf den Fluren:

GPM Marketingleiterin Myriam Conrad und PM-Zert-Geschäftsführer Werner Schmehr im Gespräch am GPM Stand, Foto: www.paulhahn.de

GPM Marketingleiterin Myriam Conrad und PM-Zert-Geschäftsführer Werner Schmehr im Gespräch am GPM Stand, Foto: www.paulhahn.de

Heike Kratt im Gespräch mit der Präsidentin des Deutschen Städtetags Dr. Eva Lohse, Foto: www.paulhahn.de

Heike Kratt im Gespräch mit der Präsidentin des Deutschen Städtetags Dr. Eva Lohse,
Foto: www.paulhahn.de

Norman Heydenreich im Gespräch mit Klaus Vitt, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern und Beauftragter der Bundesregierung für Informationstechnik, Foto: www.paulhahn.de

Norman Heydenreich im Gespräch mit Klaus Vitt, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern und Beauftragter der Bundesregierung für Informationstechnik, Foto: www.paulhahn.de

Helmut Klausing im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Nationalen Normenkontrollrates Johannes Ludewig und Bundesminister a.D. Klaus von Dohnanyi, Foto: www.paulhahn.de

Helmut Klausing im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Nationalen Normenkontrollrates Johannes Ludewig und Bundesminister a.D. Klaus von Dohnanyi, Foto: www.paulhahn.de

In den beiden intensiven Kongresstagen hat das GPM Team (Haupt- und Ehrenamt) ein harmonisches Zusammenspiel gezeigt und dabei viel Zustimmung und Sympathie gewonnen – und es hat auch noch Spass gemacht!

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Klaus von Dohnanyi vor dem heiteren GPM-Team, Foto: www.paulhahn.de

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Kommentare

  1. Hallo liebes GPM-Team,
    der Link zu der Bildergalerie des Zukunftskongresses 2016 funktioniert leider nicht.
    Viele Grüße aus Hamburg,
    Sabine Meister
    Projekt-Wissenscenter

    1. avatar Jonas Walther

      Liebe Frau Meister,

      vielen Dank für den Hinweis. Wir haben den Fehler behoben. Weitere Informationen unter https://www.gpm-ipma.de/events/gesellschaftspolitische_veranstaltungen/kongresse.html

      Jonas Walther
      GPM e. V.

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