Projektmanagement für internationale Kunden bei Bauinvestitionen in Deutschland

von Waldemar Köhler

Deutschland ist seit einigen Jahren durch die sehr gute Infrastruktur, sowie rechtliche und finanzielle Sicherheit als Investitionsland sehr beliebt. Viele international agierende Organisationen sehen den deutschen Markt auch als eine gute Möglichkeit für Expansion. Für ihre Vorhaben benötigen sie oft geeignete Immobilien, die entsprechend den Bedürfnissen ausgebaut, ausgestattet oder neu erstellt werden müssen. Für die Beschaffung der Immobilien werden von den Investoren meistens lokale Partner gesucht, die entsprechende Expertise anbieten und im Idealfall das gesamte Spektrum der Leistungen abdecken können. Diese Anforderung ergibt sich aus der Tatsache, dass die Investoren den lokalen Markt oft nicht kennen und deswegen eine Zusammenarbeit mit Partnern anstreben, die landes- oder europaweit tätig sind und alle Services anbieten können.

Um einen möglichst reibungslosen Ablauf der Projekte zu gewährleisten und die Erwartungen der Kunden zu erfüllen, sollten die Anforderungen, gesetzten Ziele und gewünschten Ergebnisse im Vorfeld nicht nur technisch, sondern auch unter den Aspekten der kulturellen Unterschiede untersucht werden. Dazu gehört nicht nur das Verständnis des Lastenhefts, sondern und vor allem die Beschäftigung und Auseinandersetzung mit den Kulturen der Organisationen und deren Herkunftsländer.

Wir leben in einer Welt, in der es besonders einfach ist neue Kulturen kennenzulernen. Die Begegnungen mit unterschiedlichen Kulturen finden praktisch tagtäglich statt. Deutschland ist inzwischen zu einem Land geworden, in dem Organisationen aus vielen Ländern tätig sind und Leute aus fast allen Teilen der Welt leben. Auf solche Entwicklung kann Deutschland sehr stolz sein. Jemand, der in solcher Umgebung lebt und arbeitet, wird praktisch automatisch die Merkmale der unterschiedlichen Kulturen kennenlernen und sie in seine eigene Kultur zumindest teilweise implementieren.

Die Kultur der international agierenden Organisationen ist oft nicht nur von der Kultur des Herkunftslandes bestimmt, sondern auch von der angelsächsischen Kultur, die sich zumindest im Geschäftsleben in sehr vielen Regionen etabliert hat. Die angelsächsische Kultur ist uns sicherlich nicht fremd, bei einer genauen Betrachtung, stellt man allerdings fest, dass sie sich von der Europäischen differenziert. Seit Beginn des Aufstiegs vom Vereinigten Königreich zum Imperium hat sich die angelsächsische Kultur auf eine andere Weise als die Kontinentale entwickelt, sie wurde in großen Teilen auf die Länder, die zum British Empire und zum Commonwealth gehörten ausgeweitet. Vor allem in den USA hat sich die angelsächsische Kultur fest etabliert und wird von dort weiter in die Welt getragen.

Einen sehr großen Anteil an der Kultur nimmt die Sprache ein, sie ist oft des erste Erkennungsmerkmal und einer der wichtigsten Aspekte jeder Kultur. Oft wird die Sprache auf rein kommunikative Funktion reduziert, sie ist aber viel mehr als ein Kommunikationsmittel. Durch die Nutzung von bestimmten Begriffen, die Bildung der Sätze oder die Art der Informationsübermittlung offenbart sich die kulturelle Basis, die nicht immer offensichtlich ist und nur erst bei einer genaueren Betrachtung und mit viel Aufwand ausreichend verstanden werden kann.

Eine Fremdsprache mit allen ihren Nuancen zu erlernen erfordert sehr viel Zeit und Aufwand. Meistens ist der tiefe Gang in die Kultur im Rahmen des Sprachunterrichts nicht möglich. Die in der Schule erworbenen Sprachkenntnisse sind oft nur eine Basis für die notwendige Vertiefung. Die Sprache ist bei ausländischen Projekten in Deutschland von besonderer Bedeutung, der größte Unterschied zum Einsatz bei Projekten im Ausland ist dabei der Fakt, dass für Auslandsprojekte Mitarbeiter ausgewählt werden, die die Landessprache und bzw. oder Englisch als etablierte, internationale Geschäfts- und Projektsprache beherrschen, dagegen ist das bei Projekten in Deutschland nicht immer der Fall.

Bei Projekten für internationale Organisationen, vor allem aus Großbritannien oder aus den Vereinigten Staaten, die in Deutschland geleitet werden, wird man schnell merken, dass die angelsächsische Kultur quasi automatisch auf das Land überschwappt, in dem das Projekt umgesetzt wird. Global operierende Unternehmen bringen ihre eigene Unternehmens- und Projektkultur mit und erwarten oft eine zumindest teilweise Implementation ihrer Kultur in den Zielländern. Für den Auftragnehmer kann das eine sehr große Herausforderung sein, weil auch in den Zeiten der Globalisierung die kulturellen Unterschiede immer noch sehr groß sind und die gegenseitige Kenntnis der spezifischen Merkmale und Besonderheiten oft nur rudimentär ist. Dabei können sich die kulturellen Unterschiede negativ auf die Durchführung von Projekten auswirken und erheblichen Einfluss auf den Verlauf, die Ergebnisse und die Erreichung der Ziele haben. Hier ist vor Allem der Projektleiter gefordert die Projektkultur der internationalen Kunden zu kennen, zu verstehen, zumindest teilweise zu implementieren und adoptieren und gleichzeitig die eigene, unternehmens- oder länderspezifische Kultur nicht zu ignorieren.

Das Thema „Internationales Projekt Management in Deutschland“ wird sicherlich durch die Zunahme von solchen Projekten weiter an Bedeutung gewinnen. Auch ein sehr gut auf die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen vorbereiteter Project Manager, der auch die Sprache auf einem hohen Niveau beherrscht wird wahrscheinlich feststellen, dass es um viel mehr als die Sprachkenntnisse, das Fachwissen, die Projekt Management Elemente oder Werkzeuge geht. Die Kenntnis der Kultur der Organisationen und ihrer Mitarbeiter ist sicherlich eine der wichtigsten Kompetenzen des Project Managers, der für eine erfolgreiche Durchführung von Projekten in internationalem Kontext verantwortlich ist.

3. Tag des Internationalen Projektmanagements  am 04. Mai in Frankfurt

Mehr zum Thema „Internationales Projektmanagement“ gibt es am 04. Mai 2017 in Frankfurt auf dem 3. Tag des Internationalen Projektmanagements zu hören. Mehr Informationen unter www.gpm-ipma.de/internationalertag.

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