Projekte und Projektmanagement in Litauen

Letzte Woche habe ich bei einem Kurzbesuch in Vilnius einen ersten Eindruck von Projekten und Projektmanagement in Litauen machen können. Das Land ist das südlichste der drei baltischen Staaten. Schon 1253 als Königreich erwähnt, ist das Land nach seiner Gründung 1918, einer längeren Besatzung durch die Sowjetunion erst seit 1990 wieder ein unabhängiger Staat. Die Erfahrungen unter der sowjetischen Besatzung bestimmen bis heute die Realpolitik. So trat Litauen sowohl der Europäischen Union wie auch der NATO bei und unterstützt die Ukraine im Kampf gegen die Separatisten. Zum einen hat Litauen immer noch eine starke russischsprachige Bevölkerungsgruppe und war bis ins letzte Jahr vollständig von Energie aus Russland abhängig. Deshalb wurde im letzten Jahr auch die erfolgreiche Inbetriebnahme des Schiffes „Independence“ gefeiert, ein Schiff das flüssiges Gas aus Norwegen und anderen Lieferländern in Klaipėda anlandet und so in Bezug auf Gas völlig unabhängig von Russland ist. Der erfolgreiche Abschluss des Projektes wurde wie ein nationaler Feiertag gefeiert. Ein weiteres Prestigeprojekt ist „Rail Baltica“, eine durchgängige Zugverbindung von Tallinn bis nach Berlin.

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Foto: Wagner

Projektmanagement wird in Litauen überwiegend über die Universitäten gelehrt und somit im Lande verbreitet. Nicht von ungefähr gründete sich die Lithuanian Project Management Association vor 11 Jahren aus einer privaten Hochschule heraus. Insofern widmet sich die Gesellschaft auch heute noch stark der jungen Generation, die gut ausgebildet ist und durch (Projekt-)Managementkenntnisse eine Karriere im In- und Ausland anstrebt. Allein in London leben und arbeiten 70.000 Menschen aus Litauen, vor allem in der IT- oder im Finanzbereich. Auch nach Irland und Schweden zieht es viele junge Leistungsträger. Die Regierung versucht natürlich, möglichst viele der gut ausgebildeten Leute im Land zu halten, um den wirtschaftlichen Aufschwung zu gestalten. Mit 200 Mitgliedern ist die Landesgesellschaft der IPMA relativ klein, arbeitet intensiv mit den Hochschulen zusammen und versucht ein breites Angebot für junge Leute bereitzustellen. So findet ein PM-Wettbewerb unter dem Motto „PM Championship“ in diesem Jahr schon zum dritten Mal statt, insgesamt 45 Teams haben sich dem Wettbewerb gestellt, der in einem internationalen Ausscheidungsturnier der IPMA mündete. Auch das Thema „Agiles PM“ ist beliebt, die PM-Gesellschaft kooperiert mit der agilen Szene und bringt mehrmals im Jahr bis zu 400 Interessierte zum Erfahrungsaustausch zusammen.

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Foto: Wagner

Für die ca. 30 Firmenmitglieder gibt es unterschiedliche Veranstaltungsformate, so z.B. zweiwöchentliche Erfahrungsaustauschrunden beim Mittagessen. Dabei geht es um Projektmanagement für die in Litauen bedeutsamen Branchen IT, Services (u.a. IT- und Call-Center) sowie Telekommunikation. Auch die Energiebranche gewinnt an Bedeutung, nachdem das einzige Atomkraftwerk heruntergefahren wurde. In Zusammenarbeit mit den anderen baltischen PM-Gesellschaften – sowie seit diesem Jahr auch in Kooperation mit NORDNET, einem regionalen Zusammenschluss der IPMA Landesgesellschaften in Skandinavien – werden Jahrestagungen organisiert, mal in Riga, in Vilnius oder auch in Tallinn.

Litauen wünscht sich mehr Engagement von deutschen Unternehmen. Auch wenn es als Markt klein erscheint, hat Litauen durchaus Potential. Insbesondere die IT- und Serviceindustrie lädt mit besonderem Know-how und motivierten Mitarbeitern zu Investitionen ein. Durch die vergleichbar Kultur, die traditionell guten Beziehungen Deutschlands ins Baltikum sowie die guten Sprachkenntnisse (Englisch und auch Deutsch) der Menschen in Litauen ist eine Zusammenarbeit leicht zu erreichen. Die Kollegen der PM-Gesellschaft sind auch an einer Vertiefung der Beziehungen zur GPM interessiert, einer Einladung zum PM Forum 2015 Ende Oktober in Nürnberg wird eine kleine Delegation aus Litauen folgen.

 

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