Projekte und Projektmanagement im Iran

Bilder: Reinhard Wagner

Bilder: Reinhard Wagner

Eine Einladung nach Teheran hat mir außergewöhnliche Einblicke in ein Land gewährt, das in den Medien leider allzu oft verzerrt dargestellt wird (www.realiran.org). Im Iran findet man nämlich eine 2.500 Jahre alte Hochkultur, großartige Landschaften und Bauwerke sowie eine herzliche Gastfreundschaft. Das Land ist nach dem Sturz des Schahs eine Islamische Republik, von den ca. 85 Millionen Einwohnern leben allein 13 Millionen in Teheran. Weitere wichtige Städte sind Isfahan, Shiraz, Tabriz sowie Mashhad. Die hauptsächliche Industrie ist die Öl- und Gasindustrie, mit vielfältigen Up- und Downstream-Aktivitäten, hier z.B. die Petro-Chemie. Darüber hinaus ist die Bauindustrie noch wichtig, da die junge Bevölkerung des Iran einen großen Bedarf an Wohnungen hat, aber auch die Infrastruktur ausgebaut werden muss. Allerdings tut sich das Land angesichts der Sanktionen, die dem Land vor einigen Jahren auferlegt wurden schwer, Projekte zu finanzieren und sich wichtige Materialien wie auch Einsatzmittel im Ausland zu besorgen. Auf der 10. Internationalen Projektmanagement Konferenz der Iranischen Projektmanagement-Gesellschaft (die Mitglied der IPMA ist) waren in diesem Jahr wieder IMG_2823ca. 1.000 Projektmanager und Führungskräfte aus den o.a. Industrien wie auch aus der Regierung anwesend. Der zuständige Minister für Straßen und Infrastruktur beklagte sich bitterlich, dass mehr als 400.000 Projekte derzeit nicht vorankommen, weil die Finanzierung nicht möglich ist oder Zulieferungen fehlen.

Das Planungsbüro des Präsidenten erstellt einen 5-Jahres-Plan, aus dem die Projekte der Regierung abgeleitet und gemäß der verfügbaren Mittel priorisiert werden. Der Stau bei den Projekten wirkt sich für die Bevölkerung Teherans auch ganz praktisch aus – die Staus in der Metropole sind morgens und abends unerträglich, die öffentlichen Verkehrsmittel (darunter wenige U-Bahn-Linien) können kaum mit dem Wachstum der Bevölkerung in der Stadt mithalten, was zudem Probleme mit der Luftverschmutzung bereitet.

Projektmanagement ist über die universitäre Ausbildung weit verbreitet, so verlassen jährlich etwa 3.000 Master- Studenten und Doktoranden die Universitäten. Hier kommt das nächste Problem: viele der jungen und hochqualifizierten Fachleute verlassen das Land, entweder in die USA, nach Europa oder in Richtung Asien. Die Unzufriedenheit der jungen Leute ist auch auf die unklaren politischen Verhältnisse zurückzuführen. So haben sich nach dem Regierungswechsel vor zwei Jahren zwar die gemäßigten Kräfte durchgesetzt, allerdings bestimmen islamische Regierung und Religionsführer aus dem Hintergrund noch unmittelbar, was gemacht werden darf und was nicht. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, die Regierung baut ihre Macht weiter aus, indem sie vor allem Einfluss auf alle großen Unternehmen nimmt.

IMG_2863Das Projektmanagement im Iran baut einerseits auf dem Gedankengut des PMBOK auf, allerdings kann man zum Beispiel wegen den Sanktionen keine PMI-Zertifikate im Iran erwerben. Die Iranische Projekt-management-Gesellschaft ist andererseits schon mehr als 10 Jahren aktiv und Mitglied der IPMA. Deshalb können im Land sowohl die IPMA-Zertifikate auf allen vier Ebenen abgeschlossen werden. Darüber hinaus ist der Iran sehr aktiv bei den PM-Awards, so wurde im letzten Jahr schon zum fünften Mal der Iranische Project Excellence Award vergeben und auch beim International Project Excellence Award bewerben sich immer wieder erfolgreiche Projekte. So hat im letzten Jahr ein Bauprojekt in Teheran die Auszeichnung „Striving for Excellence“ bekommen. Ein humanitäres Projekt zur Unterstützung krebskranker Kinder hat im letzten Jahr sogar die Auszeichnung in Gold erhalten. Diese Woche findet ein Workshop zur Anwendung der IPMA Organisational Competence Baseline und zur IPMA Delta statt, weil die Führungskräfte hierzulande erkannt haben, dass es nicht nur an der Ausbildung der Projektmanager liegt, ob Projekte Erfolg haben, sondern auch an den richtigen Vorgaben und Rahmenbedingungen in Organisationen. Wenn das Embargo also bald aufgehoben wird, dann löst das sicherlich einen großen Boom an Projekten und im Projektmanagement aus.

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