Projekt- und Qualitätsmanagement - Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Synergiepotenziale

Projekt- und Qualitätsmanagement sind heute zwei weit entwickelte Disziplinen. Projekte spielen eine immer wichtigere Rolle für Unternehmen, da ein großer Teil der Wertschöpfung in Form von Projekten abgewickelt wird. Projekte werden in DIN 69901-5 als Vorhaben definiert, die im Wesentlichen durch die Einmaligkeit der Bedingungen in ihrer Gesamtheit gekennzeichnet sind. Darunter fallen vor allem die Zielvorgaben, die zeitlichen, finanziellen und personellen Begrenzungen sowie eine projektspezifische Organisation. Diese ist temporär, d. h. überlagert üblicherweise die klassische Linienorganisation um projektspezifische Rollen und Einrichtungen, löst sich dann am Projektende wieder auf. Das Projektmanagement wird in der o. a. Norm definiert als die Gesamtheit von Führungsaufgaben, -organisation, -techniken und -mitteln für Initiierung, Definition, Planung, Steuerung und Abschluss von Projekten.

Qualität ist nach DIN EN ISO 9000:2005 der Grad, in dem ein Satz inhärenter Merkmale vorgegebene Anforderungen erfüllt. Qualitätsmanagement wird definiert als aufeinander abgestimmte Tätigkeitenzum Leiten und Lenken einer Organisation bezüglich Qualität. Als Zweck wird angegeben, dass die Organisationen durch Einsatz von Qualitätsmanagement die Zufriedenheit von Kunden, Mitarbeitern und weiteren Interessensgruppen verbessern können. Mit der Norm wird auch die Verwendung des prozessorientierten Ansatzes zum Leiten und Lenken einer Organisation angeregt. Im Kern bezieht sich dieser Ansatz auf die Gestaltung der permanenten Organisation, jedoch betrifft er natürlich auch die Abwicklung von Projekten in einer temporären Organisation.

Was meinen Sie? Welche Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Synergiepotenziale gibt es zwischen beiden Disziplinen?

Aus meiner Sicht handelt es sich bei beiden Disziplinen um Managementsysteme, die qualitativ hochwertige Ergebnisse als Ziel haben, beim Projektmanagement bezieht sich das eben auf Projekte, beim Qualitätsmanagement auf alle Aktivitäten einer Organisation. Insofern kann man Projektmanagement auch als Teil des (Qualitäts-)Managementsystems begreifen. Wesentlich ist eine Klärung, was Projekte sind, und welchen Beitrag sie eigentlich leisten. Projekte sind einmalig, werden temporär organisiert und überlagern somit die auf Dauer ausgerichtete Linienorganisation. Aus diesen unterschiedlichen Bezügen resultieren unterschiedliche Sicht- und Arbeitsweisen der Vertreter beider Disziplinen. Um qualitativ hochwertige Ergebnisse zu erzielen, sind aber auch in Projekten die Verfahren des Qualitätsmanagements einzuhalten. Projekte sind integraler Bestandteil vieler Organisation, oft tragen Sie schon mehr als 50% zur Wertschöpfung von Unternehmen bei. Deshalb sollten auch Projekte und Projektmanagement im Qualitätsmanagement stärker berücksichtigt und so Synergiepotenziale erzielt werden. Nicht zuletzt ist die Einführung von Qualitätsmanagementsystemen ein Projekt, das mit den Methoden des Projektmanagements möglichst professionell realisiert werden sollte.

Das permanente System des Qualitätsmanagements mit den eher temporären Systemen und Strukturen des Projektmanagements nutzbringend in Organisationen zu verbinden, ist das Ziel von Kooperationsgesprächen, die die GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement und die Deutsche Gesellschaft für Qualität (DGQ) begonnen haben. Beide Verbände beabsichtigen, künftig enger zusammen zu arbeiten. Im Rahmen einer Fachtagung, die am 27. Juni 2012 im Haus der DGQ in Frankfurt stattfindet, soll in einem ersten Schritt beleuchtet werden, welche Schnittmengen zwischen Projektmanagement und Qualitätsmanagement bestehen und welche Wettbewerbsvorteile ein Unternehmen erlangen kann, wenn es die Zusammenarbeit zwischen Projektmanagern und Qualitätsmanagern aktiv fördert bzw. Synergien zwischen dem Projekt- und dem Qualitätsmanagement schafft.
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Kommentare

  1. Piotr Gleissner

    Durch Projektmanagementprozesse werden Projekte in einer Organisation realisiert. Ein Projektmanager sollte seine Aufgaben gemäß allen Anforderungen dieser Prozessen erfüllen, um gewünschte Arbeitsergebnisse mit einem Team zu liefern (wenn die Organisation diese Reife erreicht hat).
    Arbeitspakete (AP) können als einmalige „Mini-Projekte bzw. Arbeitsanweisungen“ aus Projektsicht verstanden werden. Für einen Projektmanager, der gleichzeitig QM-Manager des Projektes ist, stellt sich die Frage, wie viel (Fach) Know-how alle Teammitglieder haben, bzw. wie detailliert die Arbeitspakete dargestellt/dokumentiert werden müssen. Durch Standardisierung der Vorgehensweise bei Erstellung und Bearbeitung von Arbeitspaketen in einer Organisation kann das (QM-) Managementsystem die Kommunikation zwischen Fachleuten im Team/Abteilungen mit dem Manager unabhängig von Projekten unterstützen. Wenn ein Linien-Mitarbeiter für ein einmaliges AP Verantwortung übernehmen soll, muss sich das Managementsystem darum kümmern, dass entsprechende Kompetenzen des AP-Managements erfüllt sind.

    1. Vollkommen richtig Herr Gleissner, allerdings sind sich viele Projektmanager Ihrer Rolle als “QM im Projekt” gar nicht bewusst. Viele Jahre wurde das Projektmanagement von Seiten des Qualitätsmanagements auch sträflich vernachlässigt. Das ändert sich aufgrund der vielen Projekte momentan. Insofern muss auch das QM die Projektleiter und AP-Verantwortlichen besser in das QM einbinden und befähigen.

  2. Karl-Wilhelm von Rotehan

    QM ist je schon lange nicht mehr nur die einfache Kontrolle und Prüfung.
    Es versteht sich selbst als systemische Disziplin um ALLE Größen, die die Bereitstellung anforderungs– konformer Ergebnisse beeinflussen um fasst. Dazu gehören Weg und Ziel.
    PM hat sich dabei immer als eine der wichtigsten Hilfsdiziplinen bewährt.
    Der von Ihnen Herr Dr. Wagner aufgezeigte Weg ergänzt und stärkt das QM sowohl als Funktion und Institution. Besonders dadurch, dass dem Qualitätsmanager ein für seine Arbeit in der Hierarchie geeignetes Kompetenz System in die Hand gegeben wird, mit welchem er systematisch daran arbeiten kann die Qualitätsziele der Organisation zu erreichen.
    Einschränkend ist, dass Kompetenz-Defizite, von den System-Audioren nur in “gedämpftem Umfang” offen gelegt werden dürfen. Hier könnte die Taxonomie der ICB wesentliche Hilfestellungen geben.
    Eine regelmäßige Überprüfung nicht nur des (QM) Systems sondern auch der Fähigkeit und Kompetenz Personen, wäre hier ein wichtiger, wenn auch unbequemer Schritt.
    Ich denke hier kann die QM Welt noch vieles von der personenbezogenen PM Welt lernen.
    “First make people Know Why, then willing and able, then thell them what to do and they will do because they want to.”

    Freue mich auf den 27.06

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