Wann kommt endlich PRISM für Projekte? - Auf dieses Tool haben wir gewartet.

Ist das nicht paradox? Selbst Monate nach der Enthüllung der globalen Überwachungsprogramme der Nachrichtendienste werden immer neue Eingriffe in die Privatsphäre bekannt und obwohl wir in der Zeitung über immer massivere Überwachungsmaßnahmen lesen können, sinkt unsere Empörung rapide ab und weicht einem verkaterten Fatalismus. Man kann eh nichts dagegen tun.

Projektmanagement-Software in der Cloud unter dem Eindruck von PRISMInzwischen betrachte ich dennoch viele meiner digitalen Kontakte mit anderen Augen: All die Kussmund-Fotos von rauschenden Partys, Schnappschüsse von Tellern voller Essen bei Instagram und das immer gleiche Flughafenfoto von Geschäftsreisenden bei Facebook mit „Early bird…“-Kommentar scheinen alle Teil eines breiten zivilen Ungehorsams zu sein, von unsichtbarer Hand orchestriert, um die Server der Datensammler mit nutzlosem Bildmaterial und Statusinformationen zu überladen. Der Gegenangriff ist also schon in vollem Gange.

In der Realität von Unternehmen ist die Sachlage etwas delikater, hier zählen die Argumente von Privatpersonen leider nicht, wie etwa „Ich habe doch nichts zu verbergen“ und „Man kann ja eh nichts dagegen tun“. Denn das generelle Gefühl der Unmöglichkeit, Daten zu schützen, ist keine Ausrede, nicht zumindest alles zu versuchen.

Es drängt sich auch die Frage auf, ob die aufgezeichneten Daten vielleicht in einer Art Zweitverwertung doch zur Förderung der Wirtschaftsinteressen verwendet werden könnten? Dass Abhöraktionen aus Gründen der Sicherheit und die Wirtschaftsspionage eng verwandt sein können, steht schließlich nicht erst seit Aufdeckung des Echelon-Programmes vor über zehn Jahren im Raum.

Nun könnte man einwenden, es wäre doch nicht so schlimm, gelänge eine fremde Nation an die Daten des neuen Berliner Flughafens und versuchte das Projekt nachzubauen. Würden diese Projektpläne dann auch in der Kopie zu einem Pannenprojekt führen, wäre die Schadenswirkung vergleichbar mit Stuxnet und nur gerechte Strafe für die Spionage. Viele andere Firmen aber, nicht nur HighTech-Unternehmen und Banken, dürften dagegen tatsächlich ein sehr sensibles Interesse daran haben, dass ihre Projektdokumente nicht in die Hände der Konkurrenz gelangen. So erklärt sich die neue Skepsis gegenüber Projektmanagement-Lösungen in der Cloud, obwohl in den letzten Jahren erst mühsam Vertrauen in die Cloud-Technologie aufgebaut wurde.

Sind Projekt-Daten trotz PRISM in der Cloud noch sicher?Der globale Abhörskandal kommt für das Projektmanagement zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: In den letzten Jahren wurde der Trend zu Cloud-Lösungen im Projektmanagement immer stärker. Angefangen hat es mit Dropbox-Laufwerken und Terminvereinbarung bei Doodle. Dann begannen immer mehr Anbieter, sogar komplette Projektmanagement-Software als schlanke Cloud-Lösung anzubieten. Der Gordische Knoten von hausgemachten Projektmanagement-Tools, die über die Jahre unbedienbar und schwergewichtig geworden sind und immer nur durch neue, noch schwergewichtigere und noch benutzerfeindlichere Software abgelöst wurde, schien sich zu lösen. Leichte, flexible Tools waren schnell verfügbar, wurden bequem bei einem Dienstleister betrieben und mussten deshalb nicht mehr in der Schlacht mit den internen IT-Anforderungen qualvoll zermalmt und bis zur Unkenntlichkeit verbogen werden. Sie versprachen eine Ära der leicht zugänglichen, überall verfügbaren und wirklich hilfreichen Unterstützung von für Projekte.

Doch dann kam PRISM und in der Folge werden jetzt die IT-Richtlinien von Unternehmen aktualisiert und wieder verschärft. Auch im Top-Management ist „Cloud“ ist ganz nach oben geschossen auf der Liste der Reizwörter in Entscheidungsvorlagen. Wir können gespannt sein, welches Synonym für die Wolke von Softwareanbietern und Beratern als Alternative etabliert wird, um wieder hoftauglich zu sein.

Ob PRISM & Co. der Branche der Projektmanagement-Softwarehersteller langfristig schaden, wird sich noch zeigen. Ich bin jedenfalls schon gespannt, was die Experten von der IT- und Tool-Fraktion auf dem PM Forum über die Erlebnisse der letzten Monate zu berichten haben. Vielleicht gibt es sogar Grund, etwas optimistisch zu sein und zu hoffen, dass die PRISM-Technologie das Projektmanagement in Zukunft sogar weiter bringen kann?

In der Vergangenheit war das Militär nämlich häufig Treiber für Entwicklungen und Fortschritte im Projektmanagement. So haben Stabs-/Linienorganisationen ihren Ursprung in Zeit der Napoleonischen Kriege und ohne starre Vorgehensmodelle des Department of Defense (DoD) hätte sich wohl weder die Netzplantechnik weit verbreitet, noch hätte es genügend Frustration gegeben, um die agilen Ansätze als Gegenmodelle zu entwickeln.


Überlegen Sie nur das Potential von Software wie PRISM für das Projektmanagement:

  • PRISM als Projektmanagement-Software?Die wüste Menge an unterschiedlichen Dokumenten auf Projektlaufwerken und in E-Mail-Postfächern kann auf einen Knopfdruck durchsucht und aufbereitet werden.
  • Niemand müsste mehr Protokolle schreiben, wenn sowieso alle Meetings aufgezeichnet und digital indiziert werden.
  • Nie wieder An- und Abwesenheiten manuell erfassen.
  • Nie wieder Reisekostenabrechnungen erstellen.
  • Drohende Claims und Change Requests würden automatisch erkannt anhand des E-Mail-Verkehrs und Telefonverhaltens von Kunden bzw. Aufraggebern.
  • Stakeholderanalysen können automatisch generiert werden und über die jeweilige Haltung einer Person zum Projekt müsste auch nie wieder spekuliert werden.
  • Das Projektmanagement-Tool alarmiert, dass ein Arbeitspaket verspätet ist. Schon bevor es dem Verantwortlichen selber auffällt.
  • Statusreports werden überflüssig.

Letztendlich scheint die NSA die aktuell weltweit beste Projektmanagement-Software entwickelt zu haben, denn sie weiß immer die Antwort auf ganz zentrale Fragen des operativen Projektmanagements: Wer wo ist und was er gerade macht.


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Kommentare

  1. Der Text ist eine beängstigende Verharmlosung einer zentralen, unkontrollierten Überwachung, die aufgrund der wagen Möglichkeit, das alle überwacht werden, zu einem Angleichen des Verhaltens aller Nutzer führt. Das ist die eigentliche Wirkung und damit Gefahr von Überwachung im Prism-Maßstab.

    Und die Chance ist hoch, dass aus dem gleichen Grund in einem Projekt niemand mehr innovative oder alternative Gedanken oder mögliche Kritik äußern wird, weil immer alles irgendwo gespeichert wird. Statt „nehmen wir das ins Protokoll auf oder lieber nicht“ werden alle nur noch nicken und ja und Amen sagen. Daher wäre Prism für das Projektmanagement eine Katastrophe.

  2. Ich glaube der Hochschätzung von PRISM für das Projektmanagement liegt ein Denkfehler zugrunde. Denn bei PRISM und Konsorten gibt es keinen Business Case. nach dem Ende des Kalten Krieges ging den Geheimdiensten der Arsch auf Grundeis. Ihre eigentliche Aufgabe, den Angriff fremder Staaten aufzuklären und so die Existenz des eigene Staates zu sichern, wurde zunehmend bedeutungsloser. Also erfand man neue Geschäftsfelder. Schon in den 1990er spionierte die NSA deutsche Firmen, z.B. Enercon in Ostfriesland. Mit den Spionageergebnisse wurde dann der US-Markt abgeschottet für Enercon mit einem kleinen, nuttigen Provinzrichter in den US-Südstaaten, der sich von einer der kriminellen Enron-Töchter, die keinen Markt für Windenergie haben wollte, beeindrucken ließ.

    Lokale Ereignisse wie Flugzeugattentate wurden zu Krieg umgesponnen. Der angebliche Krieg gegen den Terror wurde erfunden. Aber haben die Geheimdienste geliefert,was sie versprochen haben? Nein: 9/11, Oslo, Madrid, London, Boston sind passiert, obwohl bei den Behörden z.T. längst Daten und Warnungen vor den Tätern vorlagen. Wenn die Mutter eines Attentäters in Boston zur Polizei ging und vorher vor dem Attentäter gewarnt hat, hatte das keinerlei Einfluss auf die Arbeit der Behörden. Der Krieg gegen den Terror findet nicht statt. Die Geheimdienste sammeln Daten ohne Ende und ohne Sinn. Statt dessen spielen die Geheimdienste im Johnny-Walker-Vollsuff Mohrhuhnschießen: man lässt sich vom BND Handynummern geben, um damit dann irgendwleche beliebigen Abschussziele für Drohnen in Pakistan zu haben. Und dann wird geballert. Frauen, Kinder, Zivilisten.- Im Suff und man kichert sich ins Fäustchen, dass diese Massaker von den bescheuerten Steuerzahklern auch noch als „War-on-Terror“ bezeichnet werden. Wenn in Bagdad die Johnny-Walker-Massaker-Fürsten Zivilisten aus dem Hubschrauber ermorden, erden nicht die Mörder, sonder der, der das aufdeckt ins Gefängnis geschickt. Manche sogar in Obamas Foltergefängnis auf Kuba, wenn nicht gleich im Irak gefoltert wird.

    Der War on Terror ist eine Fata Morgana. Es gibt ihn nicht. Terroristen sind Kriminelle und keine Staaten. Und Kriminelle bekämpft man erfolgreich durch Polizei, wie wir in D mit der RAF gesehen haben. Mit Recht und Gesetz. Nicht mit entarteten Spionen und Bomben. 13 Jahre „vernichtet“ (Bundeswehrausdruck) die NATO nun schon die afghanische Bevölkerung. Über 100.000 tote Zivilisten. Man bewiest militärische Unfähigkeit, dem Gegner den Willen auf zu zwingen. Man zweifelt an der Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr. Es wird zeit, das gelernte zu evaluierung und solche Fehler zukünftig zu vermeiden. Wie jeder ordentliche Projektmanager das macht. Aber die Geheimdienste sind keine ordentlichen Projektmanager. Sie sind kranke Paranoiker, die aus Angst vor der eigene Nutzlosigkeit das Blaue vom Himmel lügen und Politiker sowie Unternehmen mit ihrer Geheimniskrämerei erpressen. Die Kriege der Geheimdienste für das eigene Entertainment der Spione werden ein Ende haben.

    Vorige Tage berichtete die UN-Menschenrechtskommission, dass in Syrien beide Seiten Massaker an Zivilisten verübt werden. Die „Rebellen“ werden von der CIA unterstützt. Obama unterstützt in Syrien also Massaker an Zivilisten. Der „lupenreine Demokrat“ Putin hatte gestern mal die Eier, das auszusprechen, was die Welt denkt. Obama reitet mit seiner Gewalt gegen die Welt die USA in die Scheisse.
    Und von diesem Zugrunderichten der USA, der einst prächtigen Demokratie, ist PRISM ein winziger Baustein. Aber er ist so nützlich, als wenn man eine riesige Datenbank hätte, auf der jeder einzelne Ziegelstein des Berliner Flughafens mit Nummer, Herkunft, Brenndatum usw. erfasst ist, aber man aus den Daten immer noch nicht den Eröffnungstermin errechnen kann. Man könnte auch herumlaufen und 24 Stunden am Tag Tonaufnahmen machen und behaupten, das Wichtige ist auch dabei. Nutzloser Datenmüll. Wir werden den Amerikanern helfen müssen, sich von dieser Gewaltorgie zu befreien und zur Demokratie auf Augenhöhe in die Völkergemeinschaft zurückzukehren.

    PRISM etc. wäre für Projektmanager nutzlos, ohne Business Case, Geldverschwendung des Auftraggebers. Kein Output, kein Outcome, nur Kosten. Sinnloses Beschäftigungsprogramm. Und zum Teil lebensgefährlich wie bei dem Drohnen-Mohrhuhnschießen der besoffenen GIs in Pakistan.
    PRISM und die Globalspionage gegen unschuldige Bürger ohne Verdacht haben keine Überlebenschance. Es wird sterben. Wir die Bedrohung durch Atombomben. Weggeschmissenes Geld des Steuerzahlers.

  3. Man kann einen unterhaltsamen und harmlosen Blogartikel auch zu ernst nehmen …

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