PM-Standards und der „Geist von Weimar“ – Tagung der ISO TC258 Study Group „Competencies“

Vom 26. Februar bis 2. März tagte die Study Group „PM Competencies“ des TC 258 der International Standard Organisation (ISO) in der Management Akademie Weimar. 15 Experten aus sieben Ländern (USA, Japan, Australien, Großbritannien, Österreich, Holland und Deutschland) arbeiteten gemeinsam an einem Vorschlag, wie die Entwicklung von Projektmanagement-Kompetenzen durch einen internationalen Standard unterstützt werden könnte. Als Experten des Deutschen Instituts für Normung (DIN) brachten die GPM Mitglieder Norman Heydenreich und Manfred Nolle ihre Erfahrungen ein. Untersucht wurden vorhandene Marktstandards (wie u.a. die Individual Competence Baseline ICB 4 der IPMA), aktuelle Anforderungen des Marktes sowie mögliche Zukunftsbedarfe durch neue Entwicklungen.

Die ISO Study Group „Competencies“ bei der Arbeit; Foto: Ben Bolland

Die ISO Study Group „Competencies“ bei der Arbeit; Foto: Ben Bolland

Die Veranstaltung wurde durch die Management Akademie Weimar und durch die GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. gesponsert. In seinem Grußwort auf dem Get-together-Event in der Villa Ingrid machte GPM-Präsident Prof. Dr. Helmut Klausing die Bedeutung von Projektmanagement Standards deutlich: „Die zunehmende internationale Zusammenarbeit in immer komplexeren Projekten braucht internationale Projektmanagement-Standards von hoher Qualität und Akzeptanz. Das Thema Projektmanagement-Kompetenzen  ist von besonderer Bedeutung. Denn der Erfolg von Projekten hängt vor allem von den Kompetenzen der Projektbeteiligten ab.“ Und dies gelte nicht nur für den Projektmanager, sondern für das gesamte Projektteam bis hin zum Projektsponsor. Es gehe um unterschiedliche Aspekte, Kontexte, Kulturen und Traditionen.

Grußwort von GPM-Präsident Prof. Klausing; Foto: Manfred Nolle

Grußwort von GPM Präsident Prof. Klausing; Foto: Manfred Nolle

„Die IPMA mit über70 Länderorganisationen lebt diese Diversität und versteht, dass die Weiterentwicklung internationaler Standards auf diesem Gebiet besonders viel Zeit, Geduld und die Bereitschaft zum Dialog erfordert. Es war daher eine gute Entscheidung des TC258, eine Study Group einzuberufen, um zunächst ein gemeinsames Verständnis für dieses komplexe Thema, seine Randbedingungen in den unterschiedlichen Märkten und für die Sichten und Bedürfnisse unterschiedlicher Stakeholder zu schaffen. Dies liefert eine gute Grundlage für informierte Entscheidungen über mögliche folgende Standard-Entwicklungs-Projekte“, so Klausing weiter.

Nach einer multimedialen Einführung in die Weimarer Kulturgeschichte wurden beim informellen Austausch zwischen den Delegationen  Ideen ausgetauscht und neue Kontakte geknüpft.

Wesentliche Ergebnisse der Tagung: Einigkeit bestand darin, dass der Markt keinen Bedarf an einem zusätzlichen ISO-Kompetenzstandard auf gleicher Detailierungsebene wie die bereits vorhandenen Kompetenzstandards hat. Diskutiert wurden Möglichkeit und Nutzen eines übergreifenden ISO-Dokuments, das zu einem besseren gemeinsamen Kompetenz-Verständnis unterschiedlicher Regionen und Kulturen in internationalen Projekten beiträgt. Europäische Teilnehmer brachten den Referenzrahmen für Schlüsselkompetenzen der OECD (Welche Kompetenzen benötigen wir für ein erfolgreiches Leben und eine gut funktionierende Gesellschaft?) sowie das neue Framework Open PM² der EU-Kommission in die Diskussion ein. Sie schlugen eine Berücksichtigung dieser in Europa gesellschaftspolitisch relevanten Stakeholder und Perspektiven vor. Diese Vorschläge stießen auf Widerstand einflussreicher angelsächsischer Vertreter, während den gesetzlichen Vorgaben der USA zum Kompetenzbegriff hohe Priorität eingeräumt wurden. Hier zeigt sich erneut die Notwendigkeit eines stärkeren und koordinierten Einflusses europäischer Länder auf die Entwicklung der ISO-Projektmanagement-Standards des TC258, um der Gefahr einer Standardisierung durch Dominanz entgegenzutreten.

In ihrem Aktionsprogramm „Mit Projekten Deutschlands Zukunft gestalten“ hat die GPM eine stärkere Beteiligung der deutschen Projektwirtschaft und öffentlichen Verwaltung an der Weiterentwicklung internationaler Projektmanagement-Normen empfohlen und dazu ihre Unterstützung angeboten. Die Information der öffentlichen Stakeholder über neue Entwicklungen bei internationalen Standards und Möglichkeiten der Einflussnahme bleibt eine wichtige Aufgabe des Aktionsprogramms und des Public Affairs Teams der GPM.

Stadtführung: Das von Henry van der Velde entworfenen Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar; Foto: Ben Bolland

Stadtführung: Das von Henry van der Velde entworfenen Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar; Foto: Ben Bolland

Eine Führung der internationalen Gäste durch die Kulturstadt Weimar mit den Höhenpunkten Anna Amalia Bibliothek, Goethe Nationalmuseum und Bauhaus, vermittelte den Teilnehmern Anregungen zu einem tieferen Verständnis von Kompetenzentwicklung aus dem Geist der Weimarer Klassik sowie des Bauhauses. Intensiv diskutiert wurde in der Folge die Frage eines ganzheitlichen Kompetenzverständnisses, das den Anforderungen zunehmender Komplexität gerecht wird und sowohl individuelle als auch organisationale Kompetenzen beinhaltet.

Zu den offenen Fragen der individuellen Lebens- und der gesellschaftliche Perspektive auf das Thema Projektmanagement-Kompetenz („Welche Projektmanagement-Kompetenzen benötigen wir für ein erfolgreiches Leben und eine gut funktionierende Gesellschaft?“) können GPM-Fachgruppen wie „Projektmanagement macht Schule“ und „Projektmanagement  an Hochschulen“ wertvolle Beiträge leisten, die u.a. auf dem nächsten gesellschaftspolitischen GPM Kongress „Mit Projekten Deutschlands Zukunft gestalten“ im Januar 2019 diskutiert werden.

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