Nachlese zur 10. Tagung der Fachgruppe „Systemisches Projektmanagement und Change Management“ am 29.6. in Krailling

Was beschäftigt eigentlich ein dynamisches, mittelständisches Unternehmen mit einer ganz jungen Technologie in einer absoluten Wachstumsbranche im Projektmanagement? Und welche Erkenntnisse ergeben sich daraus für die Arbeit einer Fachgruppe?

Dieser Frage gingen Vertreter der GPM Fachgruppe „Systemisches Projektmanagement und Change Management“ Ende Juni bei der EOS GmbH im südbayerischen Krailling nach. Die EOS ist weltweiter Technologie- und Qualitätsführer für High-End-Lösungen im Bereich der Additiven Fertigung, auch 3D-Druck genannt.

Unter dem Motto „Agil, digital, systemisch – was hilft uns in der Transformation der Arbeitswelt weiter?“ diskutierten Vertreter der Fachgruppe mit Experten aus dem agilen Projektmanagement von EOS über Agilität und Selbstorganisation in Projekten. Dabei ging es um die Herausforderungen, die die Änderungen von Arbeitsformen in Richtung Agilität, aber auch die daraus folgende selbstständige Steuerung von Arbeit mit sich bringen. Um die nötigen Projektaktivitäten, weitere Vernetzung und gemeinsames Lernen weiter auszubauen und so mit der Geschwindigkeit der Marktanforderungen mitzuhalten, entwickelt und testet das PMO unterschiedlichste Lösungen, z.B. einen regelmäßigen „Learning Friday“.

Wie schließlich ein ganzes Projektportfoliomanagement mit agilen Ansätzen abgewickelt werden kann, lernten die Teilnehmerinnen in einem kurzen Impulsreferat von Eva Aue. Sie stellte existierende Frameworks für Scrum vor, die sich für Programme eignen wie das Nexus Framework, SAFe Scaled Agile Framework Enterprise und Large Scale Scrum LeSS. Aus der Diskussion der verschiedenen Frameworks ergab sich die Frage nach der Einbettung agiler Ansätze in unterschiedliche Organisations- und Managementmodelle und nach dem Sinn solcher Frameworks, die die SCRUM Methode letztendlich nur in irgendeiner Form skalieren. Wird hieraus vielleicht mal eine Arbeitsgruppe, die sich aus Sicht der Fachgruppe mit der aktuell im Markt stattfindenden Transformation von PM und ihren Nebenwirkungen auseinandersetzt?

Dem ausgiebig nachzugehen, blieb vorerst keine Zeit, denn die Fachgruppenmitglieder erhielten bei einer Führung durch den EOS Showroom spannende Einblicke in die Technologie der additiven Fertigung. Ein EOS Spezialist erklärte auf unterhaltsame Weise die vielfältigen Anwendungsfelder des 3D-Drucks, die damit verbundenen komplexen Herausforderungen, Lösungswege und Perspektiven. Die Gruppe konnte die industriellen Maschinen im Livebetrieb beobachten und die entstandenen Produkte aus Metall und Polymer ausgiebig in Augenschein nehmen. Eine Kugel lose in einer Kugel gefertigt? Ganz grazile Konstruktionen, die ein Element enorm stabil aber gleichzeitig federleicht machen? Ein Teil mit Gelenk aus „einem Guss“? Mit 3-D-Druck können Produkte geschaffen werden, die mit bisherigen Fertigungstechniken schlicht nicht möglich sind. Die Teilnehmerinnen waren begeistert und stellten Fragen über Fragen.

So viel erlebte Dynamik verlangt nach Möglichkeiten, um inne zu halten und sich als Organisation immer wieder neu zu justieren. Daher stand schließlich auch das Thema „Umgang mit Veränderungsenergie“ auf der Tagesordnung. Aus dem Bereich Change Management stellte Sonja Rechthaler vor, wie CM als „Ökosystem“ verstanden werden kann, das die ständige Balance zwischen Chaos und Stabilität gewährleistet.

Mit einer eher ungewöhnlichen Methode, nämlich einer mehrstufigen Organisationsaufstellung führte Sonja die Tagungsteilnehmer zu neuen Erkenntnissen, wie es um Veränderungsenergie bestellt sein kann. Anfangs teilweise etwas skeptisch fanden die Spieler schnell in ihr „Ökosystem“ hinein und hatten sichtlich Spaß dabei. Zunächst wurde eine aktuelle Veränderungssituation aufgestellt und danach konnten sich die „Elemente“ so umstellen, dass sie sich in Balance zueinander und zum Element „Veränderungsenergie“ fühlten. Daraus entstanden Aha-Effekte für etliche Teilnehmerinnen, die sich aus einem rationalen Diskurs niemals ergeben hätten.

Zum Schluss widmeten sich die Mitglieder der Fachgruppe neuen Fragestellungen und Themen für neue Arbeitsgruppen, damit die Entwicklungsarbeit nach der Veröffentlichung des Fachbuchs „Systemische Werkzeuge für erfolgreiches Projektmanagement“ (Springer, 2018) qualifiziert weiter geht. Neue Initiativen wurden gestartet.

Die Fachgruppe bedankt sich ganz herzlich bei ihrem Gastgeber EOS. Die nächste Fachgruppentagung wird im November in Frankfurt stattfinden.

Davor bieten die beiden Fachgruppenleiterinnen Simone Gehr und Sonja Rechthaler vom 28.-29. September ein GPM Seminar zum Thema Systemisches Konfliktmanagement an. Es sind noch Plätze frei.

Die Fachgruppe freut sich über neue Interessenten und Mitmacher. Für weitere Informationen stehen Simone Gehr und Sonja Rechthaler unter systpm@gpm-ipma.de gerne zur Verfügung.

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