Muster brechen in der Projektarbeit

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Muster in Projekten, Fotos: Wagner

Als wenn es so einfach wäre, Muster zu brechen. Eingetretene Pfade helfen uns, mit allzu großer Komplexität umzugehen, uns im Dickicht der Veränderung zu orientieren und irgendwie zu Ergebnissen zu kommen. Leider erfahren wir allzu oft, dass gewohnte Muster heutzutage nicht mehr funktionieren. Also neue Muster lernen? Wie lange diese wohl den Herausforderungen standhalten? Hier ein paar Gedanken dazu:

Projekte sind etwas Einmaliges, zumindest bestimmte Aspekte haben wir so noch nicht erlebt. Deshalb rechnen wir mit Risiken und bereiten uns mit allerlei Maßnahmen auf das Unerwartete vor. Eine Vielzahl von Methoden und Tools finden Anwendung. So als könnten wir voraussehen was alles passiert, als ob wir für jeden Fall eine Lösung im Köcher parat haben. Oft kommt es dann aber anders als gedacht

Hier gilt es zuerst anzusetzen, mit dem Muster brechen. Wir müssen uns davon verabschieden, für alle Eventualitäten im Projekt eine Lösung parat zu haben. Wir sollten uns wieder einlassen auf das Besondere von Projekten: das Abenteuer, das Erfahren und Erleben, die Reaktion auf Entwicklungen im Projekt, ohne alles geplant, vorgekaut zu haben. Sicher, ein großer Plan, ein Vorgehensmodell gibt Struktur, aber bitte nicht mit allen Details und einer Vollkaskoversicherung gegen alle Eventualitäten. Jedes Projekt ist anders, erfordert die Bereitschaft der Projektbeteiligten, sich „mit Haut und Haaren“ darauf einzulassen, spontan zu reagieren, eigene Entscheidungen zu treffen, situationsbezogen und bedarfsgerecht, immer mit dem Blick auf das Projektziel, das große Ganze. Ein Sicherheitsnetz gibt es nicht für Projekte, das ist eine Illusion, mit immer perfekteren Plänen, Methoden und Tools versucht man zwar, dieses Netz aufzuspannen, jedoch hält es nicht was es (scheinbar) verspricht.

DSC02396Mehr Freiraum für das Projektteam, eine Forderung die sicher nicht gerne gehört wird von den Projektauftraggebern, die verlässliche Rahmenbedingungen und Pläne wollen, um sich abzusichern und ggf. auch um zum Schluss einen Verantwortlichen zu haben, wenn etwas schief läuft, wie einige Großprojekte in Deutschland deutlich aufgezeigt haben. Im Endeffekt erreichen wir so aber genau das Gegenteil, nämlich die systematische Verantwortungslosigkeit

Was ist also zu tun? Weniger Plan und Kontrolle, mehr los- bzw. freilassen, mehr Toleranz und Gestaltungsspielraum für die Akteure im Projekt. Diese sollten ein Repertoire an Handlungsmöglichkeiten aufbauen, um auf dynamische Entwicklungen reagieren zu können, ohne dass der „Plan“ sagt, das geht nicht. Die Herausforderungen der heutigen Projekte erfordern Virtuosen, die intuitiv spüren, wenn sich das Projekt in eine andere Richtung entwickelt als erwartet. Die flexibel und pragmatisch reagieren, auf Basis ihres eigenen Erfahrungsschatzes, nicht auf Basis starrer Methoden, die für eine Vielzahl von Anwendungen vorgedacht sind. Die mutig vorangehen, mit dem Wissen auch mal in eine Sackgasse zu geraten, sich davon aber nicht abhalten lassen und unbeirrt einen Weg zum Ziel suchen.

DSC04601Nun aber bitte nicht falsch verstehen, das ist meiner Meinung nach nicht gleichzusetzen mit „agilen Methoden“, genauso wenig wie Jazz mit Improvisationsmusik zu tun hat. Wir haben in der Tat verlernt, zu improvisieren. Oft wird Improvisation auch als etwas Schlechtes im Projektmanagement angesehen, etwas Irrationales, das es zu vermeiden gilt. Genau hier liegt aber die Stärke des Menschen, die es zu heben gilt. Diese Muster gilt es zu brechen. Jeder der Musik macht, weiß wie schwer es ist zu improvisieren. Allerdings kann der Mensch in seiner Ganzheitlichkeit und mit seinen vielfältigen Sinnen und Fähigkeiten am besten erspüren, was im Projekt gebraucht wird. Er kann das Projekt erfahren und so besser ins Ziel steuern. Eigene Potenziale entfalten, experimentieren, ausprobieren, improvisieren, etwas wagen, Risiken eingehen, um letztlich die Chancen im Projekt zu realisieren. Das ist notwendig, um Projekte erfolgreich ins Ziel zu führen. Dabei ist weniger Projektmanagement oft mehr. Auf die richtige Mischung kommt es letztlich an. Es braucht Gestalter, Entrepreneure, Führungskräfte, die genau wissen, welcher Ansatz am besten zu den Anforderungen des Projektes passt und wieviel Projektmanagement nötig ist, um die Projektziele zu erreichen. Dann sind die Muster aufgebrochen, und Projekte machen wieder richtig Spaß!

DSC05360Dieser Blogbeitrag steht im Zusammenhang mit der Blogparade anlässlich des 5. PM Camps in Dornbirn vom 20. bis 21. November 2015. Weitere Beiträge können hier eingesehen werden: http://dornbirn.pm-camp.org/blogparade-2015/. Mehr Informationen zum PM Camp Dornbirn  bzw. zur Anmeldung geht es hier: http://dornbirn.pm-camp.org/pm-camp-dornbirn/anmelden/.

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