Mit Projektmanagement die Herausforderungen der Flüchtlingsintegration meistern - Das GPM-Flüchtlingsprojekt auf dem 2. Zukunftskongress Migration & Integration

Mit Unterstützung der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e. V. fand am 20. und 21. September 2016 der 2. Zukunftskongress Migration & Integration im Bundespresseamt in Berlin statt. Ca. 500 Teilnehmer aus Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft diskutierten Fragen der Politik und des Managements von Migration und Integration vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen. Die GPM war als Kongresspartner mit einem eigenen, gut besuchten Best-Practice-Dialog vertreten zum Thema: „Mit Projektmanagement die Herausforderungen der Flüchtlingsintegration meistern“. Die Projektgruppe „Flüchtlingshilfe und -integration“ der GPM stellte erste Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppen „Masterplan“, „Projekthandbuch für die Flüchtlingshilfe“  sowie „Pilotierung von Integrationsprojekten durch Qualifizierung von Flüchtlingen als Projektmanager“ vor.

Bundesminister Dr. Thomas de Maizière rief zu Beginn des Kongresses dazu auf, nicht nur über Instrumente der Integration reden, sondern über Ziele: Wann ist denn jemand wirklich integriert? Wie wollen wir zusammen leben und für wen und was sollten wir eigentlich Verantwortung empfinden? Was ist das Ziel einer gelingenden Integration? Gleich zu Beginn des GPM Best-Practice-Dialogs wurde bei der Vorstellung der Zwischenergebnisse zum Masterplan deutlich, dass die Ziele einer gelingenden Integration nicht nur debattiert, sondern auch strukturiert und operationalisiert werden müssen. Bei dem nationalen Flüchtlingsprojekt mit seinen zahlreichen Akteuren und Stakeholdern handelt es sich um ein Programm von hoher Komplexität. Mit Projektmanagement als Führungskonzept lässt sich diese Komplexität auf den unterschiedlichen Ebenen (Hilfsorganisation, Kommune, Land, Bund) strukturieren und leichter beherrschen.

Eröffnung des GPM Best-Practice-Dialogs, www.paulhahn.de

Eröffnung des GPM Best-Practice-Dialogs, www.paulhahn.de

Das PM-Handbuch des GPM Flüchtlingsprojektes stellt Best Practices für kommunale Flüchtlingsprojekte zur Verfügung und wurde in der Gemeinde Klein-Winternheim pilotiert. „Das Projektmanagement-Handbuch der GPM hat uns sehr geholfen, weil wir damit unsere Aufgaben strukturieren, sehr viel Zeit sparen und eine ganz wesentliche Herausforderung meistern konnten: wir konnten die ehrenamtliche Hilfe, ohne die wir die Situation nicht hätten bewältigen können, anhand des tatsächlichen Bedarfs zusammenstellen und organisieren“, so Ute Granold, Ortsbürgermeisterin Klein-Winternheim. Frank Schmitt, Mitglied des GPM Flüchtlingsprojektes, erläuterte, wie die Projektgruppe durch die Pilotierung ihres Konzeptes in der Gemeinde wertvolle Erkenntnisse erzielt hat. Beide Seiten haben voneinander gelernt und das Ziel der Projektgruppe „Hilfe für die Helfer“ konnte so erreicht werden.

Ute Granold, Frank Schmitt, www.paulhahn.de

Ute Granold, Frank Schmitt, www.paulhahn.de

Alexander Rosenthal, Mitglied des Vorstandes von Start With A Friend (SWaF), erläuterte den Integrationsansatz seiner Initiative: „Flüchtlinge brauchen Integrationshelfer und Freunde, Begleiter im deutschen Alltag – dies ist unverzichtbar für den Integrationserfolg.“ Die Initiative „Start with a Friend“ leistet durch Tandems zwischen Bürgern und Flüchtlingen einen Betrag zur Integration der Geflüchteten. „Der Projektmanagement-Kurs war für die Flüchtlinge wichtig, weil sie so aktiv werden und sich einbringen konnten; Projektmanagement ist eine Kompetenz, die aktivierend ist und dazu führt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen – eigenverantwortlich gestaltend, aber gemeinsam mit anderen. Damit ist sie zur Integration besonders geeignet.“

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Claudia Jahnke, Alexander Rosenthal, www.paulhahn.de

Claudia Jahnke, Leiterin des GPM Pilotprojektes „Integration durch Projektmanagement-Qualifizierung“ erläuterte: „Projektmanagement ist eine Schlüsselqualifikation für den Arbeitsmarkt. Die Ausbildung vermittelt insbesondere die Sprache, die man braucht, sich aktiv einzubringen, Verantwortung für Projektergebnisse zu übernehmen und Netzwerke in die Wirtschaft zu knüpfen. Durch die praktische Anwendung der Methoden bei der Organisation eines Sommerfestes konnten die Geflüchteten einen Beitrag zum Gelingen leisten.“

Landrat Tjark Bartels zeigte am Beispiel des Landkreises Hameln-Pyrmont, wie die Herausforderungen der Unterbringung und Integration von Flüchtlingen mit professionellem Projektmanagement gemeistert werden können: durch eine Analyse des Umfeldes, der Interessengruppen, sowie der Chancen und Risiken, durch klare Strukturierung der Aufgaben und Hilfsangebote sowie durch eine organisationsübergreifende Zusammenstellung von Projektteams. Erleichtert wurde die erfolgreiche Anwendung von Projektmanagementmethoden dadurch, dass bereits zuvor organisationale Projektmanagementkompetenz in der Verwaltung des Landkreises aufgebaut worden war: Ausbildung von Projektmanagern, Aufbau eines Projektbüros und Entwicklung eines Projektmanagement-Handbuches mit klaren Regelungen der Verantwortlichkeiten und Verfahren. So konnten viele Themen vom Landkreis proaktiv angegangen werden. Die  Chancenanalyse zeigte Möglichkeiten für den Landkreis auf, den demografischen Wandel durch Ansiedlung von Familien abzumildern.

Tjark Bartels, Ute Granold, www.paulhahn.de

Tjark Bartels, Ute Granold, www.paulhahn.de

Beim abschließenden Publikumsgespräch mit Landrat Bartels und Ortsbürgermeisterin Ute Granold stand die Frage im Mittelpunkt: Wie kann das Management des Flüchtlings-Integrationsprojektes im Zusammenspielt von Kommunen, Land und Bund verbessert werden? Wichtig seien vor allem mehr Transparenz und Informationsfluss von oben nach unten, außerdem Hilfestellungen für die Kommunen etwa in Bezug auf einfache Sprache oder Übersetzungen in arabisch für immer wieder kehrende Sachverhalte, forderte Ortsbürgermeisterin Ute Granold. Tjark Bartels berichtete von einem Brief an einen Migranten, den er als Landrat und Jurist nicht auf Anhieb verstanden habe und welche Konsequenzen er daraus zog: Der Landrat hat ein Change-Projekt in seiner Verwaltung gestartet mit dem Ziel Amtsdokumente für alle Bürger in leichter Sprache zur Verfügung zu stellen. Das sind „Lernkurven, die die Gesellschaft als Ganzes weiterbringen“. Es gehe darum, nicht nur reaktiv zu handeln, sondern die sich jetzt zeigenden Probleme als Anstoß zu nehmen, generell in der Verwaltung vieles besser zu machen.

Diskussionen mit dem Publikum, www.paulhahn.de

Diskussionen mit dem Publikum, www.paulhahn.de

Es wurden zahlreiche Kontakte geknüpft zu Personen und Institutionen, die sich eine Ausbildung im PM oder eine Mitarbeit in Fachgruppen der GPM wünschen. Das Interesse der Teilnehmer am PM-Handbuch war groß (https://www.gpm-ipma.de/know_how/gpm_fluechtlingsprojekt.html)

Es wurden zahlreiche Kontakte geknüpft zu Personen und Institutionen, die sich eine Ausbildung im PM oder eine Mitarbeit in Fachgruppen der GPM wünschen. Das Interesse der Teilnehmer am PM-Handbuch war groß.

Aus dem Publikum kamen positive Rückmeldungen: Beide Gemeinden zeigten vorbildhaft, wie Probleme gelöst werden können, wenn Verwaltungsspitzen Verantwortung übernehmen. Dann kann Projektmanagement als Führungskonzept sehr wirkungsvoll sein. Die sehr rege Diskussion der ca. 80 Teilnehmer machte deutlich, wie groß weiterhin der Bedarf an klaren Zielformulierungen für die Integrationsarbeit, an klarer Führung und der Nutzung von Projektmanagement in den regionalen und lokalen Flüchtlingsprojekten ist. Im Ergebnis wurde klar: Projektmanagement ist ein wesentliches Instrument zur Bewältigung der Herausforderungen der Flüchtlingskrise.

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Ina Gamp beim Verteilen des Projekthandbuch für die Flüchtlingshilfe.

Von den Teilnehmer des Flüchtlingsprojekts und den Kommunalvertretern wurde dieser Best-Practice-Dialog sehr positiv gewertet. Sie freuen sich auf die weitere Zusammenarbeit.

 

 

 

v. l. n. r.: Tjark Bartels, Ute Granold, Alexander Rosenthal, Claudia Jahnke, Frank Schmitt, Norman Heydenreich, Ina Gamp, www.paulhahn.de

v. l. n. r.: Tjark Bartels, Ute Granold, Alexander Rosenthal, Claudia Jahnke, Frank Schmitt, Norman Heydenreich, Ina Gamp, www.paulhahn.de

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Kommentare

  1. avatar Klaus Pannenbäcker

    Hallo Frau Gamp, leider hat mich die PM-ZERT für eine Zert-Runde in Anspruch genommen. So konnte ich nicht nach Berlin kommen. — Was ich eben las ist eine erstaunliche Geschichte. Große Gratulation. — Ich bitte Sie um ein Exemplar Ihres Handbuches, nicht schicken, jedoch zum Forum mitbringen. — In unserem Dorf wandelt sich jetzt die Flüchtlingsbetreuung. Neue Herausforderungen der Betreuer drängen zu anderen Konzepten. — Liebe Grüße K. Pannenbäcker

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