Kostenfalle Großprojekt

Gleich mehrere Großprojekte in Deutschland haben in den letzten Monaten negativ auf sich aufmerksam gemacht: der Berliner Großflughafen, die Elbphilharmonie in Hamburg oder der JadeWeserPort in Wilhelmshaven.
Bei all diesen Projekten – und einigen anderen mehr – kommt es zu erheblichen Verzögerungen und teils massiven Kostenüberschreitungen. Die Suche nach den Schuldigen ist im vollen Gange, nur am Rande geht es bei den Diskussionen darum, wie die Probleme zukünftig vermieden werden könnten.

Ein Großteil der Schuld wird der Politik als Auftraggeber solcher Projekte zugeschoben (siehe http://www.focus.de/politik/deutschland/tid-26329/kosten-steigen-um-milliar
den-die-luegenbilanz-der-deutschen-grossbauprojekte_aid_773780.html)
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Hauptargumente: Politiker hätten keine Ahnung vom Projektmanagement, wollen sich mit neuen Prachtbauwerken verewigen – und das bei möglichst geringen Kosten und innerhalb kurzer Zeit. Um die nötige Zustimmung zu bekommen, würden die Kosten schnell mal klein gerechnet und mögliche Risiken verschwiegen. Darüber hinaus sitzen in vielen Aufsichtsgremien (wie das Beispiel des Großflughafens Berlin zeigt) ausschließlich Politiker und ihnen genehme Personen, die dann wenig Kontrolle ausüben, unangenehme Wahrheiten aufgrund fehlender Fachkompetenz ignorieren und Projekte damit leichtfertig gegen die Wand laufen lassen.

„Private Unternehmen müssten möglichst früh an den Planungen beteiligt werden und gleichzeitig einen Teil des Risikos tragen – etwa durch Bußgelder, wenn die angestrebten Kosten überschritten werden“

So die Forderung von Prof. Werner Rothengatter vom Institut für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung in Karlsruhe im o. g. Focus-Artikel. Doch das ist meiner Ansicht nach auch nicht die Lösung. Gerade das Beispiel Elbphilharmonie zeigt doch, dass auch private Firmen möglichst günstig anbieten, die Risiken bewusst ignorieren, um so die Konkurrenz auszustechen und an einen prestigeträchtigen Auftrag zu kommen… oft mit der Absicht, im Projektverlauf durch viele Änderungen und Nachforderungen das Geld wieder herauszuholen. Dann schnappt auf beiden Seiten die Kostenfalle zu. Wie in den o.a. Fällen ist der Imageschaden für beide Seiten groß, langwierige juristische Verfahren sind die unweigerliche Folge.

Neben der Bürgerbeteiligung sollten deshalb beide Seiten pro-aktiver mit den Risiken umgehen und sich nichts in die Tasche lügen. Projektleiter auf beiden Seiten sollten unternehmerische Verantwortung übernehmen und unangenehme Wahrheiten hartnäckig vertreten. Aufsichtsgremien müssen mit kompetenten Experten besetzt werden, regelmäßig Einblick in das Projekt nehmen und bei Schieflage schnell eingreifen. Ggf. helfen auch regelmäßige Projektreviews von externer, neutraler Seite, um den wahren Status eines Projekts zu ermitteln.

Schließlich müssen wir auch weg von der „Geiz ist geil“-Mentalität. Hohe Qualität bei Projektentwicklung bzw. Bauausführung hat einfach seinen Preis, wer da versucht die Kosten zu drücken, landet automatisch in der Kostenfalle.


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Kommentare

  1. […] Und nochmal Reinhard Wagner über die Kostenfalle Großprojekt. […]

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