Die Entwicklung neuer ISO-Normen für das Projektmanagement kommt gut voran

Letzte Woche hat sich das ISO/TC 258 Project, Programme and Portfolio Management zu seinem vierten Jahrestreffen in Tällberg/Schweden versammelt. Knapp 90 Experten aus 30 Ländern sowie den beiden weltweit tätigen Verbänden IPMA und PMI hatten ein intensives Arbeitsprogramm zu absolvieren. So ging es um die Bearbeitung von circa 760 Kommentaren zum Committee Draft (CD) der ISO 21502 „Guidance on Project Management“, die vermutlich Ende 2015 erscheinen wird. Des Weiteren wurden Arbeiten für einen internationalen Standard zum Programmmanagement aufgenommen. Diese Gruppe wurde durch das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN) gemeinsam mit Japan initiiert.

Teilnehmer des ersten Treffens der ISO/TC 258 SG 04 Programme Management (photo courtesy Jouko Vaskimo)

Teilnehmer des ersten Treffens der ISO/TC 258 SG 04 Programme Management (photo courtesy Jouko Vaskimo)

Die 18 Teilnehmer des ersten Treffens hatten sich zum Ziel gesetzt, den Begriff „Programm“ zu definieren und diesen von Projekten, Projektportfolios sowie operativen Arbeiten abzugrenzen. Darüber hinaus einigte sich die Arbeitsgruppe auf Zielgruppe, Scope, Aufbau und Inhalte des zukünftigen Standards. Dieser wird vermutlich im Jahr 2016 verfügbar sein. Auch „Governance“ war in Schweden ein Thema. Eine Gruppe beschäftigt sich schon seit letztem Jahr mit der Frage, wie die „Governance“ im Bereich Projekt-, Programm- und Portfolio-Management aussehen könnte. Hierzu wird im nächsten Jahr eine internationale Norm entwickelt, die auch im Jahr 2016 veröffentlicht werden soll. Schließlich begann eine etwas kleinere Gruppe mit Arbeiten zur Terminologie. Hier ist nicht primär die Veröffentlichung eines Standards das Ziel, sondern die Konsolidierung der bei ISO/TC 258 verwendeten Begriffe und die Harmonisierung mit weltweit verfügbaren Lexika.

Welche Bedeutung die Arbeit des ISO/TC 258 hat, macht eine Information deutlich, die zu Beginn des Treffens durch das Sekretariat der ISO bekannt wurde. So steht die erst vor einem Jahr veröffentlichte Norm ISO 21500 „Guidance on Project Management“ schon auf Platz 5 der Bestseller bei der ISO, kurz nach Normen wie ISO 9001, ISO 14001 usw. Viele Länder haben die ISO 21500 in ihre Sprache übersetzt und werben aktiv für deren Nutzung. So hatte der Delegierte aus Südkorea ein interessantes Video dabei, das die Nutzung von Projektmanagement vor dem Hintergrund eines historischen Projektes beleuchtet und dabei erstaunliche Parallelen zu Tage förderte.

In den Niederlanden wurde ein Pocket-Guide zur ISO 21500 aufgelegt, der die Norm sehr verständlich beschreibt und die Unterschiede zu anderen, international verfügbaren Standards erklärt. Das DIN wird die ISO 21500 demnächst auch in deutscher Sprache herausbringen. Allerdings steht hierzulande immer noch die DIN 69901-2 „Projektmanagement – Teil 2: Prozesse/Prozessmodell“ im Vordergrund und wird wohl auch auf absehbare Zeit eine tragende Rolle für Ausbildung und Anwendung im Projektmanagement spielen.

Für Deutschland waren neben mir, in der Rolle des Delegationsleiters, auch noch Professor Steffen Rietz (FH Westküste), Knut Kämpfert (ZF), Rüdiger Süß (DLR) und Andrea Demaria (Siemens) in Schweden dabei. Das Wetter in dem idyllischen Örtchen Tällberg mit Sonne und relativ warmen Temperaturen spielte über die gesamte Woche mit, sodass die Arbeitsatmosphäre außerordentlich gelöst war. Die Arbeitsgruppen des ISO/TC 258 treffen sich im nächsten Frühjahr an unterschiedlichen Orten, um ihre Arbeiten voranzutreiben. Das fünfte Jahrestreffen des ISO/TC 258 findet dann Anfang September 2014 in Kyoto, Japan statt.


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Kommentare

  1. […] Anfang September kam das ISO/TC 258 Project, Programme and Portfolio Management zu seinem jüngsten Treffen zusammen, um neue ISO-Normen weiterzuentwickeln.  […]

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