ISO 21500 "Guidance on project management" auf der Zielgeraden

Die Veröffentlichung der ersten internationalen Norm für das Projektmanagement steht bevor. Nachdem letzte Woche die Experten des ISO/PC 236 in Paris fast 600 Kommentare bearbeitet haben, wird die Norm im März als Final Draft International Standard FDIS an alle Länder für eine letzte Abstimmung geschickt. Mit einer breiten Zustimmung wird gerechnet, sodass der Veröffentlichung im Herbst nichts mehr im Wege stehen dürfte.

Damit geht eine ungewöhnlich lange Entwicklungszeit zu Ende. Im November 2007 haben sich erstmals Experten aus über 30 Ländern – darunter auch aus Deutschland – getroffen, um eine Norm für das Projektmanagement zu erarbeiten. Als Basisdokumente dienten damals Teile des amerikanischen Project Management Body of Knowledge PMBOK, die britische Norm BS 6079-1 „Part 1: Guide to project management“ und die DIN 69901-2 „Projektmanagement – Projektmanagementsysteme – Teil 2: Prozesse, Prozessmodell“ (Siehe auch „Neue deutsche PM-Normen setzen auch international Maßstäbe“ in projektMANAGEMENT aktuell 2/2009 und das Buch “DIN-Normen im Projektmanagement” auf der GPM Bücherliste). Aus diesen drei Normen wurde schließlich die ISO 21500 geboren, die auf ca. 40 Seiten die Terminologie, wichtige Konzepte für das Projektmanagement sowie ein umfassendes Prozessmodell für das Management einzelner Projekte umfasst. Die in der DIN 69901-2 erstmals dargestellten Ablaufdiagramme („swim lanes“), die einen möglichen Durchlauf vom Anfang bis zum Ende eines Projektes zeigen, finden sich in der ISO 21500 in einem informativen Anhang wieder.

ISO 21500 ist nicht dazu gedacht, die bestehenden nationalen Standards zu ersetzen. Darüber hinaus ist sie nicht für eine Zertifizierung oder als vertragliche Anforderung geeignet. Sie wird allerdings auf die Entwicklung nationaler wie internationaler Standards Einfluss haben. Hier zahlt sich auch die intensive Zusammenarbeit der Experten des ISO/PC 236 über solch einen langen Zeitraum aus. Der Dialog hat nämlich zu einer besseren Verständigung geführt und dabei geholfen, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Projektmanagement-Verständnisses in den verschiedenen Ländern herauszuarbeiten. Wenn die Norm im Herbst erscheint, werden wir hier im GPM BLOG ausführlich darüber berichten.

Das ISO/PC-236 nach getaner Arbeit in Paris.

Das ISO/PC-236 nach getaner Arbeit in Paris.

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Kommentare

  1. avatar Martin Rother

    Die Norm ist ebenso wie das PMBoK nahezu ausschließlich delivery-orientiert. Die entscheidende Rolle des Lenkungsausschusses für den Projekterfolg, seine Zusammensetzung und die entsprechenden Besetzungskriterien werden nicht beschrieben. Alles ist immer nur „work“. Probleme der Delegation (Verantwortung und Autorität) werden nicht behandelt. Es ist schade, dass modernere Erkenntnisse (z. B. die Fayolschen Prinzipien von 1916 oder PRINCE2 seit 1996) dort nicht eingeflossen sind. Die Norm beschreibt eher lieferanten-internes Application Management statt Projektmanagement. Eigentlich sind nur die Bezeichnungen falsch: Statt „Projekt“ müsste es „großes Arbeitspaket“ und statt „Projektmanager“ müsste es „Teammanager“ heißen.
    In der Definition des Projektmanagers heißt es, „indiviual responsible and accountable for achieving the requirements of the project“ – das sagt doch eigentlich schon alles. Auf die notwendigen Bedingungen, unter denen diese Definition überhaupt gültig sein kann, wird nicht eingegangen (z. B. totale Autorität des Projektmanagers – im Alltag, wenn überhaupt, dann manchmal nur lieferanten-intern realisierbar). Hier hält man nach wie vor offenbar den Teil (Delivery) für das Ganze (Projekt) – das löst leider nicht die Probleme im Projektalltag – nett beschrieben z. B. in der Studie von Prof. Göger (2004): Projektmanagement: Abenteuer Wertvernichtung. Na ja, mehr Glück beim nächsten Mal – ein Anfang ist damit immerhin gemacht.

    Herzliche Grüße,
    Martin Rother

    1. Hallo Herr Rother,
      eine Norm wie die ISO 21500 kann Projektmanagement nicht umfassend abdecken. Sie sprechen viele Aspekte an, die an anderen Stellen aufzugreifen sind, die ISO 21500 ist nur der Anfang für eine Reihe von Normen zum Projekt-, Programm- und Portfoliomanagement. Übrigens ist die Erstellung einer Norm auch ein Projekt, in dem wir den Scope abgrenzen. Darauf wurde von den Experten aus mehr als 30 Ländern zu Beginn viel Zeit verwendet. Es war auch eine große Delegation aus UK dabei. Schade finde ich, dass niemand von der PRINCE2- Seite im ISO Komittee vertreten war, dort hätten sie nämlich dann auch ihre Sichtweisen einbringen können!

  2. avatar Martin Rother

    Hallo Herr Weber,
    ich gebe Ihnen ja gerne recht. Wenn man bedenkt, wie solche Normen entwickelt werden und wer das ISO-Komittee anführt, ist der Schwerpunkt auf dem PMBoK und ANSI nicht weiter verwunderlich. Ich glaube auch, dass es seitens des Cabinet Offices, also der PRINCE2-Seite, einigen Input gegeben haben wird. Dort sieht man das Thema allerdings wohl eher unter dem Schwerpunkt der Kompatibilität zu den eigenen Ansätzen.
    Nichts für ungut,
    Martin Rother

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