IPMA oder IAPM - Original oder Nachahmer?

Seit einem Jahr bekomme ich immer wieder E-Mails mit der Frage: „Ich habe im Internet eine IAPM gefunden, hat das was mit der IPMA zu tun?“ Zuerst war ich auch erstaunt, da die Kürzel doch sehr ähnlich sind und sich auch die Bezeichnungen der Organisationen sehr stark ähneln. IPMA steht für International Project Management Association und IAPM für International Associations of Project Managers. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Die IPMA feiert im nächsten Jahr ihr 50. Jubiläum, die IAPM gibt an, im Jahr 1997 gegründet worden zu sein, in der Öffentlichkeit präsent ist sie aber erst seit wenigen Jahren. Mindestens vier der in den folgenden Jahren angegebenen „International Project Manager Meetings“ der IAPM fallen auf einen der IPMA-Weltkongresse. Ereignisse, denen der damalige Vorstandsvorsitzende der GPM, Roland Ottmann, heute „Chairman of the Council of Experts“ der IAPM natürlich beiwohnte. Was macht einen Verband eigentlich international? Die IPMA vereinigt PM-Verbände in 60 Ländern auf fünf Kontinenten. In Deutschland ist die GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V. exklusives Mitglied der IPMA und wird durch ein Vorstandsmitglied im Council of Delegates vertreten, dem Parlament und damit der höchsten Instanz bei der IPMA.

Die IAPM gibt hingegen an, dass sie ein „weltumspannender Verband mit Zertifizierungsstelle für Projektmanager“ sei. Weltumspannend wird dabei anscheinend vor allem dadurch konstituiert, dass ein Teilnehmer aus einem bestimmten Land am Online-Prüfverfahren teilgenommen hat oder einmal Zertifikant war. Darüber hinaus definiert die IAPM ihr „weltweites“ Netzwerk auf Basis von (Senior) Officials. Auf der Webseite sind 2 aus Afrika, 17 (!) aus Deutschland, 2 aus der Schweiz, 1 aus Österreich und je 2 aus Süd- und Nordamerika gelistet. Einer dieser Officials hat in einer Diskussion dem entgegengehalten, dass die IAPM ja kein Verein wie die GPM sei, sondern ein loser Zusammenschluss von Projektmanagern. Der Erwerb eines Zertifikats sei ausreichend, um in das Netzwerk aufgenommen zu werden. Und im Übrigen seien Vereine, die auf Mitglieder setzten ja nicht mehr zeitgemäß. Nun ja, dem kann ich angesichts des starken Wachstums der GPM nur widersprechen. Außerdem können die Vereinsmitglieder der GPM wesentlich mitbestimmen, welche Richtung der Verein nimmt, wohingegen bei der IAPM nur ein paar wenige Funktionäre aktiv zu sein scheinen. Da ich in den letzten Jahren sehr viel im Ausland unterwegs bin und jedes Jahr ca. 25 Länder bereise, habe ich mir mal den Spaß gemacht und nach der IAPM gefragt. Die Reaktion war verständnisloses Kopfschütteln und die Rückfrage, ob das was mit der IPMA zu tun hätte. Schwerpunkt der Aktivitäten der IAPM scheint die D-A-CH-Region zu sein, das zeigt auch die Verteilung der „Officials“ deutlich auf.

Kürzlich hat ein Funktionär der IAPM in mehreren Xing-Gruppen folgendes gepostet: „wer von Ihnen hat in Ihrem Betrieb Bedarf an zertifizierter Projektmanagern – und das ohne Rezertifizierungskosten. unter … findet Ihr eine einfache, weltweit anerkannte Onlinezertifizierung.“ Nun, das mit dem „weltweit anerkannt“ mag der Leser nach den obigen Ausführungen selbst bewerten. Das ist aber gar nicht der Punkt. Vielmehr geht es mir um die Art der Zertifizierung. Mit einem IAPM-Zertifikat wird lediglich das Wissen eines Projektmanagers bestätigt. Die Zertifizierungsprüfung wird online abgelegt. Die IAPM behauptet auf ihrer Webseite: „Durch Verzicht auf menschliche Prüfer ist sie neutral und objektiv.“ Die Prüfung erfolgt auf Basis eigens herausgegebener IAPM-Standards. Wer sich über international anerkannte Projektmanagement-Zertifizierungen und deren international mit viel Aufwand entwickelten und deshalb auch anerkannten Standards informieren möchte, der wird u.a. im Projektmagazin hier fündig unter, oder beim Fachmagazin OBJEKTspektrum hier.

Dabei ist besonders zu erwähnen, dass die Zertifizierungen der GPM/IPMA auf Basis des international anerkannten Standards DIN EN ISO/IEC 17024:2012 „Konformitätsbewertung – Allgemeine Anforderungen an Stellen, die Personen zertifizieren“ erfolgen. So ist die Zertifizierungsstelle der GPM als Zertifizierungsstelle für Projektmanagement-Personal von der Deutschen Akkreditierungsstelle DAkkS nach DIN EN ISO/IEC 17024 akkreditiert, durch den TÜV NORD nach ISO 9001:2008 zertifiziert und von der IPMA validiert und somit international anerkannt. Eine Anforderung der ISO 17024 lautet: „Prüfungen müssen derart gestaltet sein, dass die Kompetenz, basierend auf dem Programm und im Einklang mit diesem, durch schriftliche, mündliche, praktische, beobachtende oder andere zuverlässige und objektive Mittel begutachtet werden kann.“ Kompetenz wird dabei definiert als die „Fähigkeit, Wissen und Fertigkeiten anzuwenden, um beabsichtigte Ergebnisse zu erzielen“. Es geht bei der Zertifizierung von Projektmanagern also nicht nur darum, dass jemand weiß, dass es Risikomanagement gibt, sondern dass jemand auch weiß, wie Risikomanagement konkret in einer spezifischen Projektsituation anzuwenden ist. Deshalb werden bei GPM/IPMA nicht nur Wissen, sondern auch die Erfahrungen eines Zertifikanten und die Anwendung des Wissens (u.a. durch Interviews, einen Workshop und Fallstudien) geprüft.

Stacy Goff, IPMA Vice President für Marketing und Events bringt es in einem Artikel zu Zertifizierungen auf den Punkt:

„Why is Rigor of Assessment important? Because many people can prepare for an exam, take it within two weeks (span of short-term memory), and pass. It is evidence of true grasp when you instead present a portfolio of evidence that documents how you have delivered results in each competence under assessment. It is even more convincing when you can demonstrate your prowess to professional assessors. They can verify that you understand how your actions, in your role, contributed to project and business success. This is a major difference between a certification in project management and being certified as a project manager.” (http://ipma.ch/2013/article-comparing-certifications/).

Dass Projektmanagement-Kompetenz bei dem anhaltend hohen Veränderungstempo eine kurze Halbwertszeit hat, ist sicher nachvollziehbar. Die Aussagekraft eines Zertifikats im Projektmanagement ist bei einer Rezertifizierung nach 5 Jahren aktueller und vor allem verlässlicher für denjenigen, der sich für ein Zertifikat interessiert – das sind zumeist die Arbeit- bzw. Auftraggeber. Viele Projektleiter nutzen übrigens anstatt einer Re- eine Höherzertifizierung bei der GPM. In der Zwischenzeit haben sie nämlich so viel praktische Erfahrungen gesammelt, dass gleich der nächste Karriereschritt im 4-Ebenen-Zertifizierungssystem der IPMA absolviert wird (vgl. http://www.gpm-ipma.de/startseite.html).

Nun könnte es ja den anderen Verbänden egal sein, wenn eine weitere Institution Projektmanagement-Zertifikate anbietet. Die GPM sieht sich z.B. in den letzten Jahren tatsächlich mit immer weiter steigenden Zertifizierungszahlen konfrontiert. Allerdings sollte sich jeder, der eine Zertifizierung im Projektmanagement anstrebt genau über den Nutzen und die Anerkennung eines Zertifikats informieren, damit er später keine Nachteile erleidet. Hier gibt es wie oben aufgezeigt große Unterschiede zwischen der IPMA und der IAPM. Da rate ich doch lieber zum Original!

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Kommentare

  1. Eine sicherlich vertretbare Meinung, die aber vom „Vice President R&D/Awards der IPMA International Project Management Association“ kommt und daher sicherlich nur sehr bedingt eine objektive Auseinandersetzung mit der IAPM sein kann. Wäre ich böse, würde ich es als Werbung für den eigenen Verband abtun.

    1. Ich habe lange gewartet mit diesem Beitrag, vielleicht zu lange, bin schon mehrfach angesprochen worden, warum ich – gerade als IPMA und GPM-Vertreter – nicht Stellung beziehe. Nun ist es an der Zeit… und Werbung sieht ehrlich gesagt anders aus.

  2. Substanz ist entscheidend. Nicht jedem ist der Unterschied zwischen IPMA und IAPM klar und wer als “ zertifizierter Projektmanager“ neue Aufträge sucht oder sich bei einem neuen Arbeitgeber platzieren will kann der Versuchung erliegen hier eine vermeintliche Abkürzung zu nehmen. Nebenbei bemerkt gibt es ja schon Zertifikatsalternativen, die man ernsthaft prüfen kann (und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch geprüft hat) bevor man sich für den IPMA-Weg entscheidet. Warten wir noch auf die Zertifizierungsmöglichkeiten der „PMAI“ und der „AIPM“, dann hätten wir die Auswahl komplett.

    1. PMI ist da nicht zimperlich, die gehen schnell den Rechtsweg, wie der jüngste Fall in England gezeigt hat: http://pmworldjournal.net/british-high-court-dismisses-all-pmi-claims-against-apm-charter-application-in-london/

  3. avatar daniela mayrshofer

    lieber reinhard wagner,

    ich kenne mehrere menschen, die das niederschwelligere angebot der IAPM nutzen, weil ihnen die IPMA zertifizierung aus unterschiedlichsten gründen nicht möglich war.

    aus meiner sicht sollte in einer welt, in der co-petition immer mehr zunimmt, neben der IPMA und der PMI auch ein zertifizierer platz haben, der niederschwelliger zertifiziert und auf eine rezertifizierung verzichtet. das gibt gut informierten kunden und unternehmen die wahl und kann den markt insgesamt nur beleben!

    ich hätte mir allerdings ebenfalls einen namen gewünscht, der sich deutlicher unterscheidet.

  4. avatar Roland Spengler

    Es wird Zeit, dass die GPM und die IPMA endlich einmal Stellung beziehen. Ich begrüße diesen Blog daher sehr. Auch zur aggressiven Strategie des PMI würde ich mir ab und an auch einmal vernünftige Stellungnahmen wünschen und die Vergleiche der Zertifizierungen in die Schranken verweisen, wo sie hingehören, schließlich ist ein echtes Assessment etwas anderes als auf Treu und Glauben auf Referenzpersonen zu vertrauen, die man in der Regel noch nicht einmal befragt.

    @Frau Mayrshofer: Ich stimme Ihnen zwar prinzipiell zu, sage aber, dass es dies schon in Form der iSQI, der PRINCE2 und der V-Modell-Zertifikate gibt und man ein Weiteres weiß Gott nicht braucht.

  5. Ist Nachahmung nicht das ehrlichste Kompliment? Ich finde, man kann Euch nur zum erfolgreichen Branding beglückwünschen. Darauf trink ich eine Caco Calo.

  6. […] Im Rahmen der Ausstellung “Original vs. Fälschung” werden erstmals Exponate aus der Sammlung “Aktion Plagiarius” in Österreich gezeigt. Seit 1977 wird der “Plagiarius” jährlich auf der bedeutenden Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt an Hersteller bzw. Händler besonders dreister Nachahmungen verliehen. […]

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