Die Dusche und das Ideengeflüster - Wie entstehen Kreativität und Innovationen in Projektteams?

Der Erfinder des Dübels, Artur Fischer, berichtet, dass ihm die meisten Ideen unter der Dusche einfallen. Er muss oft unter der Dusche gestanden haben, da er über 1.100 Erfindungen als Patent angemeldet hat. Die Reihe der Erfinder ist lang, z. B.:

  • Frank Epperson gilt als Erfinder des Eis am Stiel. Der elfjährige Kalifornier hatte 1905 Limonade zum Kühlen ins Freie gestellt. Die Flüssigkeit, in der ein Löffel gesteckt hatte, gefror.
  • John Jakob Astoria IV, einer der Gründer des Waldorf-Astoria-Hotels, erfand eine Fahrradbremse. 1912 starb er beim Untergang der Titanic.
  • Weil seine Kundin Elfriede Maltzahn an Rheuma litt und trotzdem bei Wind am Strand sitzen wollte, entwickelte Ludolph Wilhelm Eduard Bartelmann aus Rostock 1882 den Strandkorb.
  • Melitta Benz wollte keinen Kaffeesatz mehr in der Tasse haben. Sie stieß Löcher in einen Messingtopf und legte ein Löschpapier darüber. Der erste Kaffeefilter war im Jahr 1908 geboren.
  • Dem Ungarn Lazlo Biro soll die Idee für den Kugelschreiber gekommen sein, als er Kindern beim Murmelspielen zusah. Eine der Kugeln war durch eine Pfütze gerollt und hinterließ anschließend eine Linie auf dem Boden.
  • Die Amerikanerin Josephine Cochrane gab viele Dinnerpartys. Dass ihre Hausangestellten beim Abwasch so viel Geschirr zerbrachen, ärgerte sie sehr. 1886 wurde ihr das Patent für die erste Geschirrspülmaschine erteilt.

(Quelle: SZ, Nr. 283, 2008)


Was haben diese Erfindungen gemeinsam?

Es gab ein Problem, das der Auslöser war, über neue Konzepte/Erfindungen nachzudenken, um das Problem abzustellen. Gemeinsam haben sie, dass sich bei den Erfindern der entsprechende Geistesblitz eingestellt hat. Oder es sind wie bei Edison sehr viele Versuche erforderlich gewesen, um zur Lösung zu kommen. Ob diese Erfinderinnen und Erfinder immer unter der Dusche standen, geht aus der Veröffentlichung nicht hervor …

Mit Fantasie und Kreativität ist Innovation entstanden. Fantasie ist die Kraft, sich Reales und Irreales im Geiste, im Bewusstsein, sogar im Unterbewussten, vorzustellen. Wir erzeugen Bilder oder Geschichten im Kopf, die uns zur Lösung führen oder wir sehen die Lösung selbst.

Kreativität ist die Fähigkeit, aus bekannten Elementen und neuen Elementen ein neues Muster entstehen zu lassen. Kreativität ist die schöpferische, Ideen entwickelnde Kraft im Menschen. Diese Kraft ist grundsätzlich in jedem Menschen angelegt.
Ziel jeder Ideenfindung ist es daher, bei sich festgefahrene und unproduktive Verhaltensmuster zu erkennen, um somit das eigene kreative Potential besser entfalten zu können.

Kreativität wird fassbar, wenn wir den kreativen Prozess mit einem Problemlösungsprozess vergleichen. Denn jeder Problemlösungsprozess und jede Kreativität verlangt die Entwicklung und Anwendung einer neuen Strategie. Problemerkennung, Problemlösung und die Realisierung der Problemlösung sind daher Bestandteile einer zielgerichteten Kreativität.

Edward De Bono hat den Begriff „Laterales Denken“ eingeführt. Laterale Denker neigen dazu, das bestehende Problem zunächst von allen Gesichtspunkten her zu überschauen und zu durchforschen, anstatt einen erfolgsversprechenden Weg zu suchen und systematisch zu verfolgen. Vertikales Denken nähert sich dem Problem mit sehr verständlicher Ansicht, nämlich dass ein Problem mit Hilfe von Logik, systematischer Analyse und folgerichtiger Denkschritte zu lösen ist.

Innovation ist der umfassende Begriff. Er beschreibt die Vorgehensweise und auch das neu entstandene Konstrukt. Jemand ist innovativ, das heißt, er hat einen neuen Weg eingeschlagen. Das ist innovativ, beschreibt dann eher den neuen Zustand eines Konzepts, Produkts oder einer Anlage.

Bild 1: Ideen entstehen außerhalb des Arbeitsplatzes (Quelle: Die Welt der Wirtschaft)

Bild 1: Ideen entstehen außerhalb des Arbeitsplatzes (Quelle: Die Welt der Wirtschaft)

Fantasie, Kreativität und Innovation entstehen dort, wo Denkrillen gesprengt werden und wo verschiedene Sichten das Problem beleuchten. Damit jemand kreativ ist, kommen noch andere Faktoren dazu. Das folgende Bild zeigt, dass Ideen weniger am Arbeitsplatz entstehen (unter 20%), sondern in der Natur, Freizeit, bei Reisen und beim Fernsehen aufkommen (über 70%).

Ideen entstehen, wenn wir in einer Art Schwebezustand, in Tagträumen oder in einem Flow sind. Im Gehirn entstehen die sogenannten Alpha-Wellen. Es braucht also die richtige Umgebung z. B. Natur und der Ideenproduzent sich muss in ruhigeren Bahnen befinden. Und dies kann auch die Dusche sein. Tonio Grawe hat sich in seinem Vortrag „Innovation ist kein Zufall“ bei der GPM Region München eine Innovationsmaschine gewünscht, die die entsprechenden Ideen produziert.

Bild 2: Die Innovationsmaschine (Quelle: Tonio Grawe)

Bild 2: Die Innovationsmaschine (Quelle: Tonio Grawe)

Wir haben gesehen, die Innovationsmaschine springt beim einzelnen an, wenn er in einem flow-artigen Zustand ist, über den Tellerrand schaut und verschiedene Brillen aufsetzt, um das Problem mit vielen Perspektivenwechsel zu beleuchten.


Wie muss dann eine Firmenaufbauorganisation gebaut sein, damit noch mehr Ideen am Arbeitsplatz entstehen?

Bild 3: Stärken/Schwächen des klassischen/agilen Ansatzes (Quelle: Tonio Grawe)

Bild 3: Stärken/Schwächen des klassischen/agilen Ansatzes (Quelle: Tonio Grawe)

Es hat sich gezeigt, dass eine Hierarchie, in der der Manager für alle denkt, gerade für Kopfarbeiter nicht geeignet ist. Deshalb hat gerade in der Software-Entwicklung der agile Ansatz immer mehr Anhänger gefunden. Das bedeutet, den Kunden als Wegbegleiter der Entwicklung zu sehen, möglichst bald vorzeigbare Ergebnisse zu präsentieren, die Planung im Detail auf vier bis acht Wochen zu beschränken, dem Team zu vertrauen, dass dieses sich selbst verpflichtet, den selbst gewählten Termin einzuhalten und durch regelmäßige Feedbackschleifen (täglich oder wöchentlich) die Steuerung des Prozesses zu übernehmen.

Innovation entsteht also bei sogenannten Hochleistungsteams, die sich durch verschiedene Faktoren auszeichnen:

  • Gegenseitiger Respekt
  • Konstruktive Kritik
  • Alle Meinungen und Anregungen werden ernst genommen
  • Das Ziel immer im Blick
  • Prozessorientiertes Denken überwiegt
  • Abwechslung in der Moderation
  • Starke Visualisierung der Kommunikation
  • Produktive Streitkultur
  • Besetzung durch verschiedene Persönlichkeiten

Betrachten wir die letzten Jahre, so ist zu sehen, dass vieles komplexer geworden ist. Diese Entwicklung ist bei vielen Produkten, bei Fertigungsprozessen, Logistikketten und am eigenen Arbeitsplatz zu beobachten.

Bild 4: Systemische Führung (Quelle: Tonio Grawe)

Bild 4: Systemische Führung (Quelle: Tonio Grawe)

Komplexität kann als ein System mit vielen Untersystemen und deren Schnittstellen definiert werden. Komplexität kann aber auch als eine Vielzahl von Veränderungen betrachtet werden. Um Komplexität zu beherrschen, reicht es nicht mehr aus, ein Team zu führen, sondern die Selbststeuerung des Teams zu zulassen.

Die systemische Führung ist gefordert. Das Team bekommt einen klaren Auftrag, aber wie gearbeitet wird, wann, was, wer usw. regelt das Team selbst.

Der Bogen spannt sich heute von „Geordnet“ über „Komplex“ bis „Chaos“.

Bild 5: Betrachtung von Ordnung, Komplexität und Chaos (Quelle: Tonio Grawe)

Bild 5: Betrachtung von Ordnung, Komplexität und Chaos (Quelle: Tonio Grawe)

Deshalb muss der Umgang mit Komplexität so gestaltet werden, dass gerade deshalb Freiraum ist für Ideen und Weiterentwicklungen. So gibt es aus dem Bereich Management 3.0 Empfehlungen, sich so zu organisieren, dass Komplexität nicht als Belastung sondern als Chance gesehen wird.

Bild 6: Acht Empfehlungen zum Complexity Thinking (Quelle: Tonio Grawe)

Bild 6: Acht Empfehlungen zum Complexity Thinking (Quelle: Tonio Grawe)

  • Wie entstehen bei Ihnen Fantasie, Kreativität und Innovation?
  • Was tun Sie in Projekten, dass Ideen gerade zu sprudeln?
  • Helfen Ideenfindungstechniken, Kreativität und Innovation zu fördern?


Quellen und Literatur:


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