Hoher und weiter wachsender Bedarf an PM in der Mongolei

Die Mongolei ist nichts weiter, als eine zwischen Russland und China eingekeilte, vegetationsarme Hochebene, die 4,5-mal so groß ist wie Deutschland, aber weniger Einwohner hat als Berlin! Wirklich nichts weiter? Die Mongolei gehört zu den zehn rohstoffreichsten Ländern der Welt, auch wenn sie weder das Know-how besitzt, noch die Technologien beherrscht, sich diese Rohstoffe zu erschließen. Sie erfüllt daher in weiten Teilen des Landes außerhalb der wenigen Großstädte leider bis heute die Kriterien eines Entwicklungslandes.

Es mangelt an sehr vielem und im Sinne einer Unterstützung des Landes vor allem beim Projektmanagement. Ähnlich wie Deutschland nennt auch die Mongolei 1989 das Jahr der Wende. Basierend auf den umfangreichen Rohstoffvorkommen entwickelt sich das Land extrem schnell zu einem demokratischen, marktwirtschaftlichen System. Koordinierende Wirtschafts- und Bildungssysteme sind aufzubauen, die Entwicklung der Infrastruktur ist in vielen Teilen des Landes zu starten oder zumindest zu beschleunigen. Und nicht zu vergessen, sind die technologiebeherrschenden Investoren aus den USA, Kanada und Australien, die bereits physisch auf den Bodenschätzen sitzen, um Abbaurechte verhandeln und Verteilungskämpfe um Investitionen und Gewinne führen. Experten vermuten und hoffen, dass die Mongolei dem enormen Entwicklungsdruck standhält und hier in den nächsten 20 Jahren ein zweites Dubai zu beobachten ist. Sicher ist das aber nicht.

Mein Erstkontakt zur Mongolei führte über die Teilnahme an einer 20-köpfigen Wirtschaftsdelegation, innerhalb derer deutsche Wirtschafts- und führende Verbandsrepräsentanten die Knotenpunkte mongolischer Politik und Wirtschaft besuchten. Zwei Ministerien, mehrere führende Hochschulen, entwickelnde und produzierende Unternehmen und vor allem die großen Rohstoffabbaugebiete in Tavan Tolgoi und Oyu Tolgoi standen auf dem Besuchsprogramm. Ein professionelles Projektmanagement wird für die Milliarden-Investitionen rund um die Rohstoffvorkommen in ähnlicher Weise benötigt, wie für die mittleren und kleinen Forschungsprojekte. So erklärt der Direktor der Power Engineering School der MUST (Mongolian University of Science and Technology) seine Untersuchungsmethoden und Ergebnisse zur autarken Energieversorgung des Einjurtenhaushalts in seinem Labor, d.h. auf dem Dach des sechsgeschossigen Universitätsgebäudes. (Bild 1, 2) Ein kleines möglichst mobiles Windrad in Kombination mit 1-2 qm Solarfläche müssen reichen, um die Hauptverbraucher in den Gers (das mongolische Wort für Jurte) zuverlässig mit Strom zu versorgen: Licht, Kühlschrank, eine Steckdose für das Aufladekabel des Mobiltelefons und mit etwas Glück noch ein Fernseher.

Bild 1 und 2: Erläuterung von Forschungsprojekten zu autarken Energieversorgung des Einjurtenhaushalts

Bild 1 und 2: Erläuterung von Forschungsprojekten zu autarken Energieversorgung des Einjurtenhaushalts

Bild 3: Kooperationsbörse mit zahlreichen Themen rund um das Projektmanagement in allen Facetten

Bild 3: Kooperationsbörse mit zahlreichen Themen rund um das Projektmanagement in allen Facetten

Das starke Interesse der Mongolen am Projektmanagement und verwandten Themen wird insbesondere in der Kooperationsbörse sichtbar, in der sich vom Studenten über den Arbeitnehmer bis zum Jungunternehmer zahlreiche Fragen ergeben. Welche Ausbildungskonzepte und -standards sollte man verwenden? Wie bringe ich mein Geschäft von der Gründungsphase in die Phase wirtschaftlichen Erfolgs und weiter bis zur Zertifizierung? Welche Strukturen, Organisationsformen und Zertifikate brauche ich, um für ausländische Investoren ein interessanter und ebenbürtiger Partner zu sein? Und ganz häufig die Frage: Wir kann ich mich kurzfristig qualifizieren, um für die neu angesiedelten ausländischen Firmen interessant sein? (Bild 3)

Bild 4: Diskussion in der Kleingruppe während des PM-Trainings in Ulaanbaatar

Bild 4: Diskussion in der Kleingruppe während des PM-Trainings in Ulaanbaatar

Als konkretes Ergebnis der Delegationsreise wurde recht schnell ein erster Termin für eine einwöchige Projektmanagement-Schulung vereinbart. Dieser Kurs war sehr schnell ausgebucht und neben den erwarteten Vertretern der Montanindustrie saßen hier erfreulicherweise auch leitende Angestellte einer mittelständischen Bäckerei, leitende Konstrukteure der Zulieferindustrie für die koreanische Automobilbranche, aber auch eine Künstlerin und ein Gallerist. Viele Aspekte des Projektmanagements wurde interessiert hinterfragt und in Kleingruppen anhand der konkreten eigenen Beispiele diskutiert (Bild 4). Zu vielen interessierten und leistungsstarken Trainingsteilnehmern bestehet bis heute Kontakt (Bild 5), wobei mögliche Folgetrainings ebenso diskutiert werden, wie der Aufbau einer Projektmanagement-Landesgesellschaft, die mit einem ähnlichen Leistungsangebot wie die GPM die Nachhaltigkeit auch in der Mongolei vor Ort absichert.

Bild 5: Überreichung der Abschlusszertifikate durch die mongolische Hochschule nach erfolgreichem PM-Training

Bild 5: Überreichung der Abschlusszertifikate durch die mongolische Hochschule nach erfolgreichem PM-Training

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