Hamburg 2024 – Olympiabewerbung nicht als Projekt, sondern als Programm angehen!

elbe_brueckeDie Stadt Hamburg hat sich im Vorentscheid für die Olympiabewerbung 2024 gegen Berlin durchgesetzt und startet jetzt in das Verfahren. Der DOSB-Präsident Alfons Hörmann begründete die Entscheidung wie folgt: „Hamburg bietet ein faszinierendes und kompaktes Olympiakonzept. Damit kann die Entwicklung einer norddeutschen Metropolregion ermöglicht werden… Somit könne das Projekt eine herausragende Referenz für beispielhafte und langfristige Stadtentwicklung werden„. Allerdings handelt es sich hierbei gar nicht um ein Projekt, sondern um ein Programm. Es wäre sogar fatal, wenn die Stadt Hamburg Olympia 2024 als Projekt angehen würde, denn Projektmanagement greift zu kurz, konzentriert sich auf die Realisierung des Projektes und nicht auf eine langfristige und strategische Entwicklung.

Ein Vergleich mit Olympia 2012 in London zeigt, wie komplex die Vorbereitung und Durchführung der Spiele sind. So handelt es sich um eine Vielzahl von Projekten und Teilprogrammen, wie z.B. die Stadien, die Verkehrsanbindung und Infrastruktur, die IT- und Telekommunikationseinrichtungen, das Sicherheitskonzept und vieles mehr. Hier gibt es natürlich auch vielfältige Abhängigkeiten und Wechselwirkungen, so mussten z.B. die Verkehrswege in London im laufenden Betrieb umgebaut werden, was sehr aufwändig war und zu einer Menge an Problemen führte.

Die Besonderheiten von Olympia ist, dass die Veranstaltung selbst nur 4 Wochen dauert, die Vorbereitung aber aufwändig ist und die Stadien etc. später einer nachhaltigen Nutzung zugeführt werden sollen. Hierzu muss man anders herangehen, als bei Projekten. Das Projektmanagement fokussiert auf das Projekt bis zum Erreichen des Ergebnisses, hier also das Ende der Spiele im Jahr 2024. Mit dem Programmmanagement plant man aber weit über das Ende der vielen Projekte hinaus und überlegt sich – schon vor Beginn der Projekte – wie die Ergebnisse in einer Konzept nachhaltiger Nutzung einfließen können. Dies sollte nicht dem Zufall überlassen werden, dazu ist nämlich auch viel zu viel Geld im Spiel. Für die spätere Nutzung muss man sich schon jetzt Gedanken über die Stakeholder und deren Erwartungen machen. Also wie können die Gebäude und die Infrastruktur für die Stadt und ihre Bewohner auch noch in 2050 nützlich sein. Die genaue Analyse des Umfeldes und aller Stakeholder spielt deshalb eine entscheidende Rolle, im Vorfeld der Bewerbung, bei der Realisierung der Spiele und auch danach. Dies wurde in anderen Fällen – z.B. die Bewerbung von München für die Winterspiele in 2022 – vernachlässigt, was zu einer Ablehnung der Bewerbung durch die Bürger führen kann.

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Kommentare

  1. avatar Walter Eschwei

    Vielleicht ist ja der Hinweis „Allerdings handelt es sich hierbei gar nicht um ein Projekt, sondern um ein Programm. Es wäre sogar fatal, wenn die Stadt Hamburg Olympia 2024 als Projekt angehen würde…“ auch für den Flughafen der Wettbewerber-Stadt von Bedeutung.
    Ich finde es jedenfalls beeindruckend, dass sich ausgerechnet die beiden Städte um die Olympischen Spiele beworben haben, die eine ganz besondere Expertise im Projektmanagement (resp. Programmmanagement) ausgewiesen haben: die eine mit der Elbphilharmonie, die andere mit dem Flughafen. Ich hoffe, die Bewerbung ist nicht als Schulungsmaßnahme oder gar Übungsfeld gedacht.

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