Großprojekte wie der Flughafen in Berlin verlangen Unternehmertum statt Koordination

Wieder ist ein Großprojekt in Deutschland in Schieflage geraten: Der Start des Berliner Großflughafens BER verzögert sich um weitere neun Monate. In den letzten Tagen sind deshalb die Emotionen hochgekocht. Kein Wunder, nachdem das mit 2,5 Milliarden Euro teuerste Bauprojekt im Osten der Republik im letzten Jahr schon einmal um sieben Monate verschoben wurde. Damals war es die Insolvenz einer Planungsfirma für den Innenausbau sowie neue Sicherheitsvorschriften der EU (VDI Nachrichten vom 11. Mai ). Heute sind es vor allem die Brandschutzanlagen, die nicht fertig sind und keine Genehmigung erhalten haben. Die Folgen des Verzugs sind gewaltig: Der Umzug musste abgesagt werden und die Airlines prüfen Schadensersatzforderungen. Viel schlimmer ist wohl der Imageschaden für die Ingenieursnation Deutschland. Flughafenchef Schwarz und Bürgermeister Wowereit hatten schnell den Schuldigen ausgemacht – die Projektsteuerung. Der oberste Planer des Berliner Flughafens schrieb wohl mitten in der heißen Phase des Projekts seine Doktorarbeit zum Thema „Prozessoptimierung bei komplexen Bauvorhaben“, im realen Projekt soll er des Öfteren geschwiegen haben, als immer mehr Probleme auftauchten und der politisch geforderte Termin nicht mehr zu halten war. Deshalb muss er nun auch als erster seinen Hut nehmen.

Die Bruchlandung in Berlin ist interessanterweise die Fortsetzung einer Reihe von Fehlschlägen bei Flughafenprojekten. Erst vor vier Jahren war die Queen in London Heathrow geladen, um das neue Terminal 5 einzuweihen. Der feierliche Akt geriet zum Desaster, weil die Gepäcksortieranlage dem Ansturm nicht gewachsen war und der Flughafen wochenlang im Chaos versank. Zuvor gab es ähnliche Schwierigkeiten bei der Eröffnung der Flughäfen in Athen, Bangkok, Denver, Hongkong und Kuala Lumpur. Dass es auch klappen kann, hat vor genau 20 Jahren der Umzug des Flughafens in München von Riem ins Erdinger Moos gezeigt.

Was verursacht also die Probleme bei einem Großprojekt wie BER? Die Wirtschaftswoche vom 14. Mai 2012 führt unter dem Titel „Der Teufel schläft nicht“ die sieben Todsünden beim Bau eines Flughafens auf, nämlich Hochmut, Ignoranz, Ausschweifung, Geiz, Zorn sowie Eifersucht und Maßlosigkeit (siehe auch „Willkommen bei Europas Pannenflughäfen„). Sie fordert Bescheidenheit aller Beteiligten und Demut für die Details. Da hilft es also nicht, wenn die Projektsteuerer fachlich hoch qualifiziert, methodisch aufgerüstet professionell koordinieren. Vielmehr geht es um unternehmerisches Denken und Handeln auf Augenhöhe mit den Stakeholdern. Allen voran den Politikern, die mit überzogenen Forderungen Projekte erst in eine solche Schieflage bringen und sich dann aus der Verantwortung stehlen. Die wichtigste Fähigkeit ist öfters auch mal NEIN zu sagen, um Schaden vom Projekt abzuwenden.

Vielleicht hat es ja auch sein Gutes, wenn BER nun erst im März 2013 in Betrieb geht: Alle Beteiligten haben Zeit gewonnen, darüber nachzudenken, wie sie das Projekt jetzt vernünftig ins Ziel bringen.


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Kommentare

  1. […] Beim Flughafenbau ist unter dem Regierenden SPD-Feuerwehrmann Klaus Wowereit  so gut wie alles dumm und schief gelaufen, technisch wie der VDI-Beitrag zeigt und managementmäßig wie GPM Chefredakteur Wagner meint. […]

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