GPM Zukunftswerkstatt auf dem Zukunftskongress Migration & Integration

Mit Unterstützung der GPM fand am 16. März 2016 der 1. Zukunftskongress Migration & Integration im Bundespresseamt in Berlin statt. Ca. 650 Teilnehmer aus Politik, Verwaltung, und Zivilgesellschaft diskutierten Fragen der Politik und des Managements von Migration und Integration vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen. Staatsekretär Hans-Georg Engelke (Bundesministerium des Innern) betonte die Chancen der „Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ mit einer Vielzahl von politischen Handlungsfeldern, die ein „Motor für die Erneuerung der gesamten Gesellschaft“ sein kann. Staatssekretär Werner Gatzer (Bundesfinanzministerium) überbrachte die Botschaft: „Am Geld wird’s nicht scheitern!“ Entscheidend sei, dass die bestehenden Regelwerke nicht die Aktivitäten verhindern, die finanziert werden sollen. Ein „Lasst uns mal machen“ reiche aber auch nicht, vielmehr sei eine zielgerichtete Abstimmung  der Prozesse nötig. Dies konnte als dringende Aufforderung an die staatlichen Akteure verstanden werden, die Governance des nationalen Flüchtlingsprojekts zu verbessern. Der Moderator, Dr. Johannes Ludewig, Vorsitzender des Nationalen Normenkontrollrates im Bundeskanzleramt, betonte, dass die ganze Gesellschaft nachdenken muss, wie wir die Aufgabe schaffen und gemeinsam neue Wege gehen.

Von rechts nach links: Werner Gatzer, Hans-Georg Engelke, Dr. Johannes Ludewig, www.paulhahn.de

Die GPM war als Kongresspartner mit einer eigenen gut besuchten Zukunftswerkstatt vertreten zum Thema: „Wir schaffen das – mit guten Projektmanagement“.  Im Rahmen einer Projektgruppe „Flüchtlingshilfe und -integration“ der GPM arbeiten seit Ende Januar 2016 mehrere Arbeitsgruppen an dem Konzept eines Masterplans für das nationale Flüchtlingsprojekt, an der Entwicklung eines Projekthandbuchs als Wissensmanagementportal für die Flüchtlingshilfe sowie an der Pilotierung von Integrationsprojekten (z.B. Qualifizierung von Flüchtlingen als Projektmanager).

Eröffnung der GPM-Zukunftswerkstatt, www.paulhahn.de

Erste Ergebnisse der Projektgruppe wurden von der Projektleiterin Ina Gamp in die GPM Zukunftswerkstatt des Migrationskongresses eingebracht: Bei dem nationalen Flüchtlingsprojekt mit seinen zahlreiche Akteuren und Stakeholdern handelt es sich um ein Projekt-Netzwerk von hoher Komplexität mit einem großen Maß an Unsicherheit, auf das die hierarchischen Behörden-Strukturen nicht angemessen reagieren können. Mit Projektmanagement als Methode und Führungskonzept lässt sich die Komplexität der Flüchtlingsprojekte auf den unterschiedlichen Ebenen (Hilfsorganisation, Kommune, Land, Bund) strukturieren und leichter beherrschen. Es unterstützt sowohl das operative als auch das strategische Handeln und vermittelt den Akteuren einen gemeinsamen Bezugsrahmen.  Zusammenhänge und Schnittstellen werden transparent und das Bewusstsein für die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns steigt. Projektmanagement ermöglicht den vorausschauenden Umgang mit Komplexität, Unsicherheit, Chancen und Risiken. Aus „Wir schaffen das“ wird „So schaffen wir das“.

Erste Entwürfe eines Masterplans zur Strukturierung des Gesamtflüchtlingsprojektes mit den Aspekten: Stakerholderanalyse, Zielstruktur, Projektstruktur, Risiken- und Chancenanalyse wurden in der Zukunftswerkstatt vorgestellt und diskutiert.

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Die Strukturierung der Aufgaben liefert zugleich die Grundlage für ein Projekthandbuch / Portal, das ein umfassendes Wissensmanagement und Know-how-Transfer durch konzeptionelle Aufbereitung und Bereitstellung von Best Practices für jeden  Aufgabenbereich ermöglicht.

Ina Gamp, Projektleiterin des GPM-Flüchtlingsprojekts, Wolfgang Sauer, Projektleiter der Flüchtlingskoordination im Landkreis Hameln-Pyrmont, www.paulhahn.de

Der Projektleiter der Flüchtlingskoordination im Landkreis Hameln-Pyrmont, Wolfgang Sauer, stellte die Flüchtlingshilfe seines Landkreises vor und machte dabei plastisch, warum PM-Kompetenzen so wichtig sind und dass sein Landkreis damit sehr erfolgreich und schlagkräftig aufgestellt ist. Er ging dabei vor allem auf die Nutzung vorhandener organisatorischer Strukturen (z.B. des Krisenstabs) und ihre schrittweise Ergänzung durch neu aufzubauende ämterübergreifende Projektstrukturen ein. Dieser Prozess wurde im Landkreis dadurch erleichtert, dass bereits vor Beginn der Krise begonnen worden war, Mitarbeiter des Landkreises als Projektmanager auszubilden und ein PMO zur Steuerung der zahlreichen Projekte des Landkreises aufzubauen.

Diskussion in der Zukunftswerkstatt, www.paulhahn.de

In der Diskussion mit den Teilnehmern standen folgende Fragen im Mittelpunkt: Wie haben sich die Kommunen aufgestellt, um das Thema nachhaltig bewältigen zu können? Wie ist der Bedarf an Erfahrungsaustausch über Ressorts, Kommunen und staatlichen Ebenen hinweg? Welche Strukturen und Kompetenzen werden gebraucht, um die zukünftigen Herausforderungen zu bewältigen? Die sehr rege Diskussion der ca. 100 Teilnehmer machte deutlich, wie groß der Bedarf an guter Koordination und Abstimmung, an klaren Zielformulierungen für die Integrationsarbeit, und insgesamt an Projektmanagement in den regionalen und lokalen Flüchtlingsprojekten ist. Es wurden zahlreiche Kontakte geknüpft zu Personen und Institutionen, die sich eine Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingsprojekt der GPM wünschen.
In der anschließenden Diskussion im Plenum des Kongresses mit dem Leiter des Bundesamts für Migration (BAMF) und Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, unter dem Motto „Kreuzverhör“  wurden vor allem die Ursachen für die schleppende Umsetzung der Integrationsmaßnahmen und die eingeleiteten konkreten Optimierungsmaßnahmen des BAMF diskutiert.

Frank-Jürgen Weise im Gespräch mit Dr. Johannes Ludewig, www.paulhahn.de

Seitens der GPM wurde in den Raum gestellt, dass es das Ziel sein sollte, dass jeder Flüchtling vom ersten Tag an arbeiten oder an Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen kann – egal ob er hierbleibt oder in sein Heimatland zurückkehrt sowie die Frage formuliert, inwieweit gemeinnützige Organisationen wie die GPM einen Beitrag dazu leisten können, etwa durch ehrenamtliche Qualifizierungskurse im Projektmanagement. Die Idee eines Pilotprojekts der GPM mit der Bundesagentur für Arbeit zur Qualifizierung und Zertifizierung von geeigneten Migranten im Projektmanagement konnte im nachfolgenden Gespräch zwischen der GPM und Herrn Weise vertieft werden.

GPM-Hauptstadtrepräsentant Norman Heydenreich im Gespräch mit Frank-Jürgen Weise, www.paulhahn.de / Simone Neumann

0-Migrationskongress- weise--1393Im abschließenden Plenum erläuterte der Kanzleramtsminister und Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung Peter Altmaier die Strategie der Bundeskanzlerin zur Bewältigung der Flüchtlingskrise und Integrationsaufgabe und warb engagiert für die weitere Unterstützung gesellschaftlicher Organisationen bei deren Umsetzung. Die öffentliche Verwaltung müsse dabei flexibler werden – vor allem in Bezug auf den Personalbedarf.

Dr. Klaus von Dohnanyi fasste seitens der Veranstalter die Diskussionen des Tages als spannende und Mut machende Debatte zusammen, die ein ungebrochenes Engagement und eine starke Willkommenskultur offenbare. Die Herausforderung könne bewältigt werden, wenn eine Reihe von „Wirklichkeiten anstatt Illusionen“ wahrgenommen würden. Dabei sei es ein zentrales Problem, dass die Kommunen oft an Regelsysteme gebunden sind, die der aktuellen Situation nicht angemessen sind. Er richtete einen Aufruf an die Politik, mehr Regelfreiheit zu schaffen und stimmte darüber hinaus Herrn Weise in seiner Einschätzung zu, dass wir für die Zukunft sicherstellen müssen, auf vorhersehbare Entwicklungen vorbereitet zu sein. Insgesamt habe dieser Kongress sein Vertrauen in die Möglichkeit, die Herausforderung der Flüchtlingskrise zu bewältigen, gestärkt!

Kanzleramtsminister und Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung Peter Altmaier, www.paulhahn.de

Mein eigenes Fazit: Die Beiträge zahlreicher Teilnehmer auf diesem Kongress zeigten die Erkenntnis, dass ein vorausschauendes Projektmanagement ein wesentliches Instrument zur Bewältigung der Herausforderungen der Flüchtlingskrise ist.

 

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