GPM Forschungswerkstatt "Theorie(n) der Projektarbeit"

Die zweitätige Forschungswerkstatt der GPM vom 29.-30. November 2011 in Berlin stand unter dem Motto „Theorie(n) der Projektarbeit“.

Konzentriertes Arbeiten in der Gruppe "Gelb"

Konzentriertes Arbeiten in der Gruppe „Gelb“

Als Organisatoren der Forschungswerkstatt waren wir uns in der Fachgruppe „Neue Perspektiven in der Projektarbeit“ einig, dass dies das komplexeste Thema ist, das wir bisher im Rahmen einer Forschungswerkstatt bearbeitet haben und wir deshalb vor einer großen Herausforderung stehen. Die vielen positiven Feedbacks am Schluß der Veranstaltung und die Etablierung eines Forschungsprogramms zur Weiterbearbeitung dieses spannenden Themas über die Fachgruppe hinaus haben unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Ich möchte in diesem Beitrag auf die aus meiner Sicht wichtigsten inhaltlichen Ergebnisse eingehen und einen kurzen Ausblick zum Forschungsprogramm geben.

Die knapp 50 Teilnehmer aus Industrie, öffentlicher Verwaltung, Verbänden, Wissenschaft und Lehre sowie Beratungs- und Trainingsunternehmen waren sich einig, dass es keine „grand unified theory“ des Projektmanagements bzw. der Projektarbeit geben kann und auch nicht braucht. Obwohl wir erst eine Ahnung haben, was wir uns darunter genau vorstellen sollen, war man sich ebenfalls einig, dass die steigende Komplexität ein solideres Fundament benötigt und dass dieses theoretisch fundiert sein soll. Wir verwenden übrigens bewusst den Begriff „Theorie(n) der Projektarbeit“ statt „Theorie des Projektmanagements“, da ersterer nicht nur den Management- sondern auch den Produktentstehungsaspekt beinhaltet und zudem auch den Beitrag der Menschen in Projekten und rund um Projekte besser zur Geltung bringt.

Ein erster Schwerpunkt betrifft die Klärung der Relevanz von Theorien für die Projektarbeit. Denn die Frage ob wir nicht schon genug Konzepte, Methoden, Modelle, Techniken und Best Practices rund ums Projektmanagement haben, kann sicherlich mit „Ja“ beantwortet werden. Doch diese bekannten Konzepte, Methoden und Techniken stehen zwischen dem praktischen Erfahrungswissen – der Praxis mit impliziten Theorien – auf der einen Seite und den verschiedenen Disziplinen mit ihren expliziten Theoriegebäuden auf der anderen Seite. Zudem fehlt in weiten Teilen noch immer ein gemeinsames Vokabular, eine gemeinsame Sprache. Hier könnte eine „Meta-Theorie“ gute Dienste leisten. Aber sie könnte auch eine Hilfe zur Analyse von praktischen Problemen geben und zur Entscheidungsfindung beitragen, indem sie eine Brücke baut zwischen Theorie und Praxis. Damit sind wir beim zweiten Schwerpunkt, bei den nötigen Kompetenzen, die es z.B. erlauben, in einer konkreten Projektsituation mit einer spezifischen Problemstellung in Optionen zu denken, Modelle zu kennen und Muster zu erkennen. Und dies nicht „nur“ im Rahmen des bei den beteiligten Individuen und in der betreffenden Organisation vorhandenen praktischen Erfahrungswissens, sondern über dieses hinaus auch in andere Disziplinen hinein.

Um dies zu ermöglichen, muss die Kompetenzentwicklung durch einen interdisziplinären Gestaltungsrahmen, d.h. eine Art Landkarte, als drittem Schwerpunkt unterstützt werden. Hier geht es um ein „Kartographieren“ möglicher praktischer Fragestellungen mit spezifischer Ausprägung und eine Hilfe zum Aufzeigen der Disziplinen, Perspektiven oder Theorien, die dabei hilfreich sein könnten, die konkrete Situation besser zu verstehen. Da die Sicht die wir uns von Projektarbeit machen, unser Handeln bestimmt, kann eine andere Perspektive, z.B. die arbeitspsychologische, im Kontext von neuen Herausforderungen, z.B. virtuelle Teams in internationalen Projekten mit Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Kulturkreisen, durchaus zu neuen Erkenntnissen und bisher nicht berücksichtigten Handlungsoptionen führen.

Im Rahmen der zweitägigen Forschungswerkstatt konnten zu den erwähnten Schwerpunkten und weiteren Themen erste wichtige Erkenntnisse erarbeitet werden, es sind aber viele Fragen offen geblieben bzw. auch neue Fragen aufgetaucht. Energiepegel, Motivation und Interesse am Schluß der Forschungswerkstatt waren dermaßen hoch, dass sich aus dem Teilnehmerkreis rund 30 Personen für die aktive Mitarbeit in einem Forschungsprogramm gemeldet haben. Dieses wurde Anfang Januar 2012 durch die Fachgruppe „Neue Perspektiven in der Projektarbeit“ mit einem Kick-off Meeting gestartet. Wir werden die Forschungswerkstatt 2012 als Plattform zur Vor-Ort-Abstimmung der verschiedenen Arbeitsgruppen nutzen und dann über die nächsten Schritte in 2013 entscheiden. Geplant ist auf jeden Fall eine wegweisende Publikation mit den Ergebnissen aus dem Forschungsprogramm.

Siehe auch meinen vor der Forschungswerkstatt veröffentlichen Blog Beitrag „Spannungsfeld Theorie-Praxis„.

Einen weiteren Bericht zur Forschungswerkstatt finden Sie im Blog von Dr. Alfred Oswald.

Die Teilnehmer der Forschungswerkstatt 2011

Die Teilnehmer der Forschungswerkstatt 2011

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