Frauen im Projektmanagement – ein neuer Trend

Das Ende eines Jahres bietet eine gute Gelegenheit um inne zu halten und über das Vergangene und Zukünftige zu reflektieren.

Mein Kollege Prof. Gemünden von der TU Berlin und ich haben in diesem Jahr ein neues Forschungsprojekt gestartet. Wir wollten wissen: „Was sind die Zukunftstrends im Projektmanagement bis zum Jahr 2025?

Unter den 14 Zukunftstrends möchte ich heute einen aufgreifen, der mich besonders beschäftigt: immer mehr Frauen entdecken das Berufsfeld der Projektmanagerin für sich. Dazu ein Zitat eines von uns befragten internationalen Experten: “the increasing amount of women in managing and leading projects, programs and portfolios will change the way how projects are managed in the future, but also the evaluation criteria for project managers.”

Das Projektmanagement, einmal als “macho profession” (Cartwright and Gale, 1995) bezeichnet, entwickelt sich seit Jahrzehnten kontinuierlich weiter und hat gegenwärtig die Aufgabe, die sich kontinuierlich verändernden Bedürfnisse der unterschiedlichen Stakeholdergruppen zu erfüllen, Beziehungen und Vertrauen aufzubauen und zu pflegen. Hartes, auf kurzfristigen Profit abzielendes Managergebahren wird von unserer Gesellschaft, den Kunden und Aktionären, zunehmend in Frage gestellt.

In dem Maße wie sich das Berufsbild des Projektmanagers verändert, beobachten wir Forscher den Wandel der vormals auf Planungs- und Steuerungstechniken basierten Ingenieur-Disziplin hin zu einer auf Interaktion mit allen Stakeholdern basierten, kompetenz-basierten Wissensarbeit, die durch kontinuierliches lebenslanges Lernen geprägt ist. Dieser Trend der Zunahme der ‘‘weichen’’ Seite des Projektmanagements korreliert gut mit der zunehmenden Akzeptanz der weiblichen Stärken, wie sie von den Organisationstheoretikern beschrieben wird.

Die statistischen Daten zeigen: das Projektmanagement wird immer weiblicher. Der Anteil der Frauen unter 30 Jahren, die als Projektmanagerinnen arbeiten, steigt stetig. Diese Zielgruppe stellt mit 26 Prozent bereits die zweitgrößte Altersgruppe aller weiblichen Mitglieder bei der GPM. Die gleiche Entwicklung ist in Großbritannien zu sehen: hier ist der Anteil der Frauen im Projektmanagement von 25 Prozent im Jahr 2008 auf 30 Prozent im Jahr 2014 gestiegen, was einer Steigerung von 20 Prozent entspricht. Der Anteil der weiblichen Master-Studentinnen im Projektmanagement beträgt aktuell 53 Prozent (Arras People, 2014). Dies lässt die Schlussfolgerung zu, dass der Anteil der Frauen im Projektmanagement in den kommenden 10 Jahren weiter steigen wird auf 35 bis 45 Prozent, abhängig von der Stärke der Barrieren und der Attraktivität anderer Bereich im Management.

Mit dem zunehmenden Anteil an Frauen wird sich beispielsweise der Kommunikationsstil in Projekten verändern. Im Gegensatz zum eher direkten Kommunikationsstil versuchen Frauen Informationen eher informell zu bekommen und können so Probleme oft früher erkennen bevor sie für das Projekt zu einer Gefahr werden. Viele Frauen motivieren als Führungskraft ihre Teammitglieder durch ihre eher persönliche Art, wohingegen Männer versuchen das Beste aus ihren Teammitgliedern herauszuholen indem sie Druck aufbauen. Daher gehen wir Forscher davon aus, dass sich der mit der Zunahme an Frauen im Projektmanagement der Führungsstil, die Art zu kommunizieren, Motivation und Teamentwicklung, die Besprechungskultur, aber auch der Umgang miteinander, so wie der Umgang mit Ungewissheit und Komplexität, mit Herausforderungen und Risiken, aber auch das Projektreporting, die Entscheidungswege und –kulturen in den Organisationen verändern werden.

Aus verschiedenen Genderstudien wissen wird, dass Frauen eher den Mut haben, den aktuellen Status Quo konstruktiv in Frage zu stellen und gut mit großen Herausforderungen und hohen Risiken umgehen können, wichtige Fähigkeiten für Projektmanager insbesondere von komplexen Projekten.

Gegen den Trend steht die sogenannte „gläserne Decke“, die das Phänomen beschreibt der unsichtbaren Barriere, die qualifizierte Frauen daran hindert obere Hierarchiestufen in den Organisationen zu erreichen, unabhängig von ihrer Qualifikation und ihren erzielten Erfolgen. Andere Barrieren sind das Fehlen von Karriereentwicklungsmöglichkeiten für Projektmanagerinnen (z.B. die Chance zu bekommen ein Projekt zu leiten) und die fehlende Unterstützung der Organisationen, damit Frauen Beruf und Familie vereinbaren können (z.B. durch adäquate Teilzeitjobs, in-house Kitas und Kindergärten und flexiblen Arbeitszeitmodellen). Aber auch das oft mangelhafte Selbstbewusstsein von Frauen, das in Gehaltsverhandlungen offen zu Tage tritt: mit 16% ist der Einkommensunterschied zwischen Projektmanagerinnen und Projektmanagern noch immer signifikant groß in Deutschland.

Die aktuelle GPM-Studie „Frauen im Projektmanagement“ zeigt, dass die Situation der Projektmanagerinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen hinsichtlich Ausbildung, Karrierepfade, Zufriedenheit, Motivation und Gehalt in der heutigen globalisierten Projektwirtschaft noch immer die traditionellen geschlechtsspezifischen Strukturen aufweist.

Zudem zeigt die Studie einen weiterer Trend auf: Frauen mit geistes-, sozial- oder wirtschaftswissenschaftlichem Hintergrund entdecken das Projektmanagement als Brückenqualifikation und erschließen sich dadurch neue Karriereoptionen in den MINT-Unternehmen in der IT-Branche, in der Automobilindustrie, in Unternehmen der Elektrotechnik und im Maschinenbau.

Interessant ist auch, dass Projektmanagerinnen zufriedener mit ihrem Beruf sind als Männer. Auch die Erwartungen und beruflichen Optionen werden von ihnen positiver beurteilt. Zudem sind die Frauen ihrem Arbeitgeber gegenüber loyaler und weniger wechselbereit als Männer.

Alle Ergebnisse der Studie sind nachzulesen unter: http://www.gpm-ipma.de/know_how/studienergebnisse/frauen_im_projektmanagement.html

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Kommentare

  1. Sehr geehrte Frau Dr. Prof. Schoper,

    Da ich gerade in der Neuorientierung bin, suche ich nach Möglichkeiten mich in dieses Gebiet einzuarbeiten bzw. suche ich nach Informationen. Bisher habe ich als Archäologin gearbeitet und viele Projekte geleitet. Zukünftig möchte ich immer noch an Projekten arbeiten, jedoch mit einer anderen Ausrichtuhng. Gibt es aktuell Förderungen oder Projekte für das Thema: Frauen ins Projektmanagement.
    Vielen Dank für Ihre Bemühungen
    Mit freundlichen Grüßen
    Jana Heinze

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