Erste D-A-CH Forschungswerkstatt

Vom 17. bis 18.11.2014 fand in Berlin die 1. D-A-CH Forschungswerkstatt der drei Schwesterverbände GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V., pma Project Management Austria und spm swiss project management association statt.

Damit führen wir die 2008 begonnene Tradition der jährlichen Forschungswerkstatt nicht nur fort, sondern haben sie weiterentwickelt um die D-A-CH Komponente: durch unsere gemeinsame Sprache sind wir drei Länderverbände kulturell eng miteinander verbunden. Zum einen ist es aus Synergiegründen sinnvoll, wenn wir in Zukunft gemeinsam auf dem Gebiet des Projektmanagements forschen. Zum anderen können wir dadurch neue länderübergreifende Forschungsnetzwerke bilden und international gemeinsam an Bedeutung gewinnen.

Doch das war nicht die einzige Neuerung der diesjährigen Forschungswerkstatt: Ziel war es eine innovative Plattform zu bieten, in der die Herausforderungen an das Projektmanagement im 21. Jahrhundert nicht nur diskutiert, sondern neue Vorgehensweisen auch direkt erfahren werden konnten.

Was wir sowohl in der Öffentlichkeit als auch in den Unternehmen wahrnehmen ist, dass die Komplexität unserer Umwelt immer größer wird und daraus resultierend die Ungewissheit, was kommen wird, was das richtige Ziel, die richtige Strategie, die richtigen Entscheidungen,  das richtige Vorgehen, die richtigen Methoden und Kennzahlen sind. Dies alles wird immer schwieriger und unvorhersehbarer.

Dabei scheinen sich alle Fachrichtungen, ob in den Ingenieurwissenschaften, im Management oder in den Naturwissenschaften, darauf zu fokussieren, die Komplexität zu reduzieren und dadurch beherrschbar, also plan- und steuerbar zu machen und so zu managen. Das ist aber ein Oxymoron, denn genau das ist ja das Wesen von Komplexität, dass sie eben nicht vorhersehbar und planbar ist!

Weltweit wird an Forschungseinrichtungen gemeinsam mit Universitäten und der Industrie versucht, so viele Daten wie möglich miteinander zu verknüpfen (Stichwort „Big Data“) und dadurch zu verstehen, wie die Realität verläuft und dadurch Simulationen für die Zukunft zu erstellen. Man arbeitet an Modellen die versuchen aus der unübersichtlichen Vielfalt an Informationen die wesentlichen Daten herauszufiltern und diese in Beziehung zueinander zu setzen, um daraus Rückschlüsse für zukünftiges Verhalten zu ziehen. Man versucht, die unübersichtliche Vielzahl an Informationen auf die wenigen Kritischen zu reduzieren, die relevant erscheinen. Die Strategie, auch von Vorhaben wie Industrie 4.0, ist: die Komplexität zu reduzieren, um sie dadurch beherrschbar zu machen.

Aber: ist das der richtige Ansatz? Teile der Realität bewusst herauszufiltern und auszublenden? Damit wird doch die Ungewissheit, ob die richtige Entscheidung, die unter der jeweiligen Prämisse getroffen wurde, eher größer und nicht kleiner. Wir müssen uns der Tatsache stellen: Ungewissheit ist ein Bestandteil von Komplexität!

„Ohne Ungewissheit keine Kreativität, und damit keine Veränderung und Weiterentwicklung einer Gesellschaft oder eines Systems“. Denn dann wird ein System behäbig und faul, wenn es keine Anstöße mehr aufgrund von Unsicherheit  gibt.

Angesichts des digitalen Wandels unserer Gesellschaft, der unsere Wirtschaft, unseren Arbeitsalltag und unsere Art zu kommunizieren in noch nie dagewesenem Tempo verändert, brauchen wir einen neuen Umgang mit Komplexität und Ungewissheit.

Um die Komplexität zu beherrschen bräuchten wir Modelle, die mindestens eine 1:1 Abbildung der Realität darstellten, ja eigentlich sogar eine höhere Komplexität aufweisen müssten als die Realität, und nicht eine geringere. Und wir müssen erkennen, dass nicht modellierte IT-Systeme, sondern gerade wir Menschen, im Gegensatz zu den IT-Systemen, die Fähigkeit haben, mit Komplexität und Unsicherheit umzugehen!

Das war das Ziel der Forschungswerkstatt: sich dem Wagnis zu stellen, Komplexität und Ungewissheit nicht wie sonst zu verdrängen, sondern auszuhalten und zuzulassen und zu beobachten, was dann passiert.

Dazu haben wir mit Prof. Klaus Mainzer, Prof. Ulrich Rudolph und Dr. Louis Klein drei hervorragende Keynote-Speaker gefunden, die uns wertvolle Denkanstöße und neue Perspektiven auf das Thema Komplexität gegeben haben. Zudem haben wir mit Prof. Martina Huemann, Prof. Fritz Böhle, Pao Siermann und Astrid Kuhlmey vier Workshop-Leiter eingeladen, die sich in ihrer Arbeit auf den Weg begeben haben, neue Herangehensweisen zu erforschen, wie wir mit Komplexität und Ungewissheit anders umgehen können. Das Ziel war gemeinsam zu experimentieren, neue Vorgehensweisen in einem geschützten Raum auszuprobieren, die eigene Denk- und Arbeitsweise zu reflektieren und durch das Diskutieren neuer Theorien andere Sichtweisen zu eröffnen. Und dadurch neue Handlungsmöglichkeiten zu erlangen, was uns, wie das durchwegs positive Feedback der Teilnehmer zeigte, offenbar sehr gut gelang.

Die nächste D-A-CH Forschungswerkstatt wird im Juni 2015 – ihrem neuen Turnus folgend – dann in Wien stattfinden und an der Thematik anknüpfen.

Schlagwörter: , , , , , ,

No Comments.

Leave a Reply

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>