Ob die Energiewende gelingt, entscheidet maßgeblich auch unsere Professionalität im Projektmanagement

Wie werden Deutsche im Ausland wahrgenommen? Als biertrinkende Lederhosenträger? Ja, auch. Neben der Zuverlässigkeit deutscher Technologien und dem Gütesiegel „Made in Germany“ sind es auch die typischen deutschen Tugenden wie Disziplin und Pünktlichkeit … und seit neuestem auch unsere Bemühungen in der Energiewende. Die Experten sind sich weltweit einig: Wenn ein modernes Industrieland trotz hohem Energieverbrauch und stabil funktionierender Energieversorgung eine 180-Grad-Wende vollzieht, ist das eher eine Schnapsidee. In einer Mischung aus Unsicherheit und Respekt wird aber auch resümiert: Wenn die Deutschen es probieren, könnte es vielleicht doch klappen.

Die Erfolgsfaktoren der Energiewende werden von Experten, Erfahrungsträgern, Politikern, Lobbyisten und letztlich direkt Betroffenen höchst unterschiedlich formuliert. Einigkeit besteht über den maßgeblichen Einfluss professionellen Projektmanagements. Denken wir an

  • Entwicklungsprojekte zur Technologie- und Produktentwicklung neuer Anlagen
  • Logistikprojekte, wenn Schwerlast- und Großraumtransporte Windenergieanlagen vom Hersteller zum Einsatzort bringen
  • Errichtungen von Windenergieanlagen onshore oder auch offshore, was durch zunehmende Größe des Objektes und die systemimmanente Witterungsabhängigkeit auf lange Sicht einer Herausforderung bleiben wird
  • marketinglastige Projekte in der Öffentlichkeitsarbeit, um Technologie- und politische Gegner zu überzeugen
  • u.s.w.

bis hin zum Gesamtprojekt Energiewende der Bundesrepublik Deutschland, in dem auch permanent die Möglichkeiten und deren Varianten mit Terminen belegt, mit den Risiken und dem finanziellen Ressourcenbedarf gegenübergestellt werden.

Projektmanagement Windenergie Energiewende

Quelle: http://pixabay.com/de/kap-ortegal-galicien-windm%C3%BChlen-117601/

Und wer managt diese Vielzahl kleiner und großer Projekte, die Entwicklungs-, Logistik- und Change-Projekte? Der Bahnhof einer Landeshauptstadt, ein Flughafen unserer Bundeshauptstadt, die Hamburger Elbphilharmonie und andere Projekte haben in jüngster Vergangenheit einen Vorgeschmack darauf gegeben, was alles passieren kann, wenn man wesentliche Dinge vergisst oder missachtet. Aber im Windenergiesektor kann uns so etwas nicht passieren … Doch, selbstverständlich!

Die Branche ist noch jung, höchst dynamisch, schnell wachsend und hochgradig inhomogen. Hier gilt es, eine wachsende Anzahl Akteure, die der feste Wille und das hohe Engagement eint, auch in ihrer Denk- und Handlungsweise zu synchronisieren.

  • Wie kann man Produkt- und Technologieentwicklung miteinander verschmelzen?
  • Wie kann man das etablierte Projektmanagement-Vokabular so transparent machen, dass Projektleiter und Kapitalgeber einander verstehen, wenn Sie von Projektrisiken sprechen?
  • Wie kann man sich methodisch der Berücksichtigung von Umweltauflagen nähern, wenn diese von Land zu Land und vor jeder Küste anders ausgeprägt sind?
  • Wie kann man geeignete Wissensmanagementplattformen aufbauen, wenn das darin zu bevorratende Wissen parallel auch erst entsteht und dessen Strukturen noch gar nicht vollständig ausgeprägt sind?
  • Wie kann man das Projektmanagement im Produktionsbereich in andere Formen der Arbeitsorganisation überführen, die aufgrund der deutlich gestiegenen Stückzahlen längt gebraucht werden?

Auf all diese Fragen gibt es schon erste Antworten, aber leider reichen diese qualitativ wie auch quantitativ noch nicht aus. Die GPM möchte sich dem Thema widmen und mit einigen Veranstaltungen, perspektivisch auch mit der Gründung einer Fachgruppe das Thema unterstützen. Der regelmäßige Erfahrungsaustausch soll die gemeinsame Know-how-Entwicklung der Akteure in der Branche beschleunigen. Viele Erfahrungen und Erfolgsrezepte können aus anderen Branchen übertragen werden. Logistik und Bauprojekte außerhalb der Windenergie machen vor, wie Großraum- und Schwerlasttransporte abzuwickeln und sensible Errichtungen vorzunehmen sind. Der Maschinen- und Anlagebau und die Automobilindustrie leben die interdisziplinäre Produktentwicklung sowie die Produktion steigender Stückzahlen erfolgreich vor. Mehrstufige Tests, Genehmigungs- und Zulassungsverfahren sind aus dem schienengebundenen Verkehr, aber auch aus dem Lebensmittel- und dem pharmazeutischen Bereich bekannt. All diese bereits existierenden Best Practices aus den Projektmanagement-Ansätzen anderer Branchen müssen jetzt „nur noch“ übertragen werden. „Nur noch …“ bedeutet leider, dass es noch viele Jahre bis zur Professionalisierung und Stabilisierung dauern wird, die windenergiespezifisch neu zu definierenden Vorgehensweisen noch gar nicht mitgerechnet.

Aber nur wenn wir parallel zur Problemlösung auch die Problemlösungskompetenz entwickeln, werden wir mit der erfolgreichen Energiewende in Deutschland auch einen Exportschlager schaffen. Besuchen Sie uns daher am 22. November 2013 in der „Informations- und Diskussionsrunde zum Projektmanagement in der Windenergie“ und melden sich dazu unter pm-windenergie@gpm-ipma.de an. Vielen Dank!


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