Ein Jahrhundertprojekt - Neue Schutzhülle für Tschernobyl

Bild1: Der Reaktor kurz nach der Havarie 1986 (Quelle: Chernobyl Nuclear Power Plant ChNPP)

Bild1: Der Reaktor kurz nach der Havarie 1986 (Quelle: Chernobyl Nuclear Power Plant ChNPP)

Für 1,6 Milliarden Euro wird eine neue Schutzhülle über den havarierten Kernreaktor von Tschernobyl gebaut, um eine weitere Kontamination zu verhindern (Quelle: VDI Nachrichten). 26 Jahre nach der Katastrophe wird dies nötig, weil der in aller Eile errichtete Sarkophag porös wird, in sich zusammen stürzen und radioaktiven Staub freisetzen könnte. Überdies könnte Regenwasser eindringen und Radioaktivität ins Grundwasser und damit in die zahlreichen Flüsse im Grenzgebiet von Weißrussland und der Ukraine führen.

Ende 2009 konnte ich mich vor Ort von den beeindruckenden Dimensionen des Projektes überzeugen. Seit 2002 laufen nämlich schon eine Vielzahl von Projekten zur Vorbereitung. Dabei musste zuerst das Gelände von herumliegenden Gegenständen und Gebäuden befreit, eingezäunt und für die Bauarbeiten vorbereitet werden. Die Umzäunung war u.a. nötig, weil in den vergangenen Jahren immer wieder “Abenteurer” versucht hatten, ohne Schutzausrüstung auf das Gelände zu gelangen und Bilder zu machen (!). Der Sarkophag musste verstärkt und ausgebessert werden. Dies unter voller Schutzmontur für die Arbeiter, die immer nur für eine kurze Zeit arbeiten und sich dann wieder ausruhen müssen. Die insgesamt 30.000 Tonnen schwere Metallkonstruktion, also die neue Schutzhülle, wird auf Schienen über den Reaktor geschoben. Die Schutzhülle ist ca. 160 Meter lang, 260 Meter breit, 110 Meter hoch und wird aus 300 Tonnen schweren Einzelsegmenten zusammen gesetzt.

Bild 2: Modell der neuen Schutzhülle (Quelle: Chernobyl Nuclear Power Plant ChNPP)

Bild 2: Modell der neuen Schutzhülle (Quelle: Chernobyl Nuclear Power Plant ChNPP)

Ursprünglich sollte das Projekt im April 2013 fertiggestellt werden und “nur” 758 Millionen US-Dollar kosten, bei diesen Mega-Projekten ist allerdings immer mit Verzögerungen und Mehrkosten zu rechnen. Nach Fertigstellung soll die Schutzhülle für 100 Jahre halten. Was dann passiert weiß heute keiner. Es gibt Pläne für die Bergung des unter dem Reaktor befindlichen hochradioaktiven Abfalls, allerdings ist das technisch außerordentlich schwierig, weil sich beim Reaktorunglück die glühende Masse der Brennstäbe mit dem Erdreich zu einer Art Lava verschmolzen hat. Darüber hinaus hat die Ukraine bis heute noch kein Endlager für die Brennstäbe der benachbarten Reaktorblöcke sowie der Reste des havarierten Reaktors gefunden. Damit werden nach Fukushima sicher auch noch einmal die Spätfolgen der Kernkraft deutlich…


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Kommentare

  1. Für mich das unsinnigste Projekt des Jahrtausends. Die Strahlenbelastung vor dem alten Sarkopharg liegt laut Dr. Pflugbeil und Prof. Tschetscherow bei 150 µSv.

    Siehe Doku “Der Millionensarg”

    http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=2&ved=0CC4QtwIwAQ&url=http%3A%2F%2Fwww.youtube.com%2Fwatch%3Fv%3DDauydArajAo&ei=HhGgT_mMNtPQ4QSc2dWFAw&usg=AFQjCNEWjGiiI_NoardSG5vFT3pp0yMO7w&sig2=UZBcNNA5yDGED8GWBuU3OA

    1. Naja, wir leben natürlich weit weg, wenn Sie da vor Ort sind, geht Ihnen schon ein Schauer über den Rücken. Schauen Sie sich mal die geographische Lage des Reaktors an. Den hat man aufgrund des Wasserbedards zur Kühlung da hin gebaut, wo es Wasser gibt. Eine Sorge der Bevölkerung und der Regierung ist, dass durch Regen das Gelände rund um den Reaktor unkontrolliert ausgewaschen wird und das strahlende Material somit ins Wasser bzw. Grundwasser gelangt. Kiew nutzt dieses Wasser genauso wie die umliegenden Städte in Weißrussland und der Ukraine. Da halte ich die Ausgaben für gerechtfertigt, auf jeden Fall mehr als alle Maßnahmen zur Verlängerung von Kernreaktoren bzw. einen Neubau…

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