Die Projektführungsmethode HERMES - Ein Interview

Während der GPM Forschungswerkstatt im vergangenen November in Berlin vereinbarte ich mit Hélène Mourgue d’Algue, Verantwortliche HERMES – Projektführungsmethode, beim Informatiksteuerungsorgan des Bundes ISB in Bern in der Schweiz ein Interview zum Thema HERMES. Wer bereits Projekte in der Schweiz oder mit Schweizer Unternehmen durchgeführt hat, dem dürfte HERMES bereits ein Begriff sein.

Ich freue mich, dass Hélène Zeit gefunden hat, hier im GPM BLOG mehr über diesen schweizerischen Projektmanagement-Standard zu berichten.


Wofür steht HERMES?

HERMES ist ein offener Standard der schweizerischen Bundesverwaltung zur Führung und Abwicklung von Projekten. Seit der ersten Ausgabe von 1975 ist der Standard dreimal überarbeitet worden, um die Weiterentwicklung im Projektmanagement abzubilden. Aktuell ist die Version HERMES 5 in Arbeit, welche 2013 veröffentlicht wird.

Abbildung: das HERMES Kernteam vom Informatiksteuerungsorgan des Bundes ISB

Abbildung: das HERMES Kernteam vom Informatiksteuerungsorgan des Bundes ISB

Für welche Projekte eignet sich HERMES?
HERMES ist primär auf Anwender ausgerichtet, welche ein Projekt im Bereich der Informatik und Telekommunikation entwickeln.
Die Anwender haben HERMES in der Vergangenheit auch für andere Projektarten eingesetzt. In der Tat eignet sich die Methode auch sehr gut für organisatorische Vorhaben. HERMES 5 wird diese Tendenz zum universellen Einsatz gezielt unterstützen.


Was sind die Besonderheiten von HERMES?

HERMES beschreibt mit seinem einfachen Phasenmodell eine konkrete Vorgehensweise. Für jede Phase sind die zu erarbeitenden Ergebnisse beschrieben, die Rollen klar definiert und die Aktivitäten erläutert. Dies erhöht die Transparenz, erleichtert die Planung und die Projektdurchführung.

Abbildung: das Phasenmodell mit den Entscheidungspunkten

Abbildung: das Phasenmodell mit den Entscheidungspunkten

Wie kann HERMES in einer Organisation genutzt werden?
HERMES ist ein effizientes Hilfsmittel, um den Projektmanagement-Prozess zu konkretisieren. Es ist nicht als Projektmanagement Lehrbuch zu nutzen, sondern als gemeinsame Referenz für die Zusammenarbeit.


Welche Vorteile hat eine Organisation, die HERMES nutzt?

Alle Mitarbeitenden einer Organisation haben Vorteile, wenn HERMES als gemeinsames Hilfsmittel eingeführt ist:

  • Die Entscheider der Organisation verfügen über ein transparentes Instrument, das die Steuerung des Projektportfolios unterstützt. Die Projekte sind dank dem identischen Vorgehensmodell vergleichbar. Die Anforderungen an das Reporting gelten für alle Beteiligten und erleichtern die Governance-Aufgaben.
  • Die Auftraggeber haben die Möglichkeit, das Projekt bewusst zu steuern. Die klaren Rollendefinitionen und die Zuteilung der Verantwortlichkeiten erlauben es den Auftraggebern, ihre Entscheide korrekt und zeitgerecht zu fällen.
  • Die Projektleiter stützen sich auf ein erprobtes Werkzeug, das sie an ihre Bedürfnisse anpassen können. Die Ergebnisvorlagen in Form von Word-Dokumenten sind ein zentrales Element in HERMES-Projekten. Somit kann sich der Projektleiter auf die Inhalte des Projektes konzentrieren und muss nicht ständig seine Vorgehensweise begründen und erklären.
  • Die weiteren Projektbeteiligten wie Fachspezialisten oder Anwender kennen die allgemeinen „Spielregeln“ eines Projektes. Sie wissen, wann sie zum Einsatz kommen und verstehen ihre Position und Verantwortung in der Projektorganisation.


Was ist bei der Implementierung zu beachten?

Idealerweise soll für die Einführung der Methode in der Organisation ein Projekt gestartet werden. Ein von HERMES-Anwendern erstelltes Hilfsmittel beschreibt die praktische Umsetzung: http://www.hermes.admin.ch/dienstleistungen/hilfsmittel/studbro/einfuhrung-von-hermes-2013-praktischer-leitfaden-ech

Drei Punkte sind besonders wichtig:

  1. Die Geschäftsleitung muss als Auftraggeber die Einführung unterstützen
  2. Die Positionierung der Methode muss klar sein
  3. Das Tailoring-Konzept muss festlegen, wie HERMES firmenspezifisch umgesetzt wird


Ist HERMES mit anderen PM-Standards verträglich?

JA selbstverständlich. Die Struktur der Methode basiert auf einem anerkannten Meta-Modell (SPEM 1.2), das auch bei anderen bekannten Standards wie RUP verwendet wird.
Die methodische Struktur von HERMES ist konsistent und erlaubt strukturierte Interaktionen. Verschiedene Studien zur Kompatibilität mit anderen Standards sind publiziert worden: HERMES und Agilität, HERMES und ITIL, HERMES und RUP (Seite 326).

Abbildung: HERMES für die Projektführung – Scrum für die Entwicklung

Abbildung: HERMES für die Projektführung – Scrum für die Entwicklung

Inwieweit ist HERMES auch für deutsche Unternehmen interessant?
Für deutsche Unternehmen, die sich auf dem Schweizer Markt positionieren möchten, ist HERMES wichtig, besonders bei öffentlichen Ausschreibungen. Oft wird verlangt, dass die Projektleiter HERMES-zertifiziert sind.
Ganz allgemein ist HERMES als deutschsprachige und freie Methode eine optimale Lösung für die Strukturierung des Projektmanagements in jedem Unternehmen.


Wo findet man weiterführende Informationen?

Besuchen Sie unsere Website, um die Schwerpunkte der neuen Version der Methode „HERMES 5“ und weitere Informationen zu entdecken.
www.hermes.admin.ch

Vielen Dank für das Interview!

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