Die Energiewende und die Kunst professionellen Projektmanagements in der Politik

Die Notwendigkeit professionellen Projektmanagements wird immer dann hervorgehoben, wenn dessen Fehlen schmerzlich bewusst wird. So ist es bei der Einführung der Autobahnmaut (siehe „Toll Collect: Verhandlung geplatzt„), der Gesundheitskarte (siehe „Milliardengrab Gesundheitskarte: Wir fangen wieder von vorn an!“) oder der Pleite am neuen Berliner Großflughafen (siehe „Mangelndes Projektmanagement am Flughafen Berlin lässt die Eröffnung platzen„) gewesen.

Dass konsequentes Projektmanagement vor einigen Wochen von den Spitzenverbänden der Deutschen Wirtschaft und nun auch von dem einflussreichen Präsidenten des CDU-Wirtschaftsrates für die Energiewende eingefordert wird, stellt eine neue Dimension dar. Denn hier wird PM-Kompetenz für die Gestaltung gesellschaftlicher, politisch gewollter Veränderungsprozesse angemahnt. Und tatsächlich ist die Energiewende hierfür prädestiniert: Sie kann nur gelingen, wenn das Zusammenspiel zahlreicher autonomer Akteure koordiniert, die Auswirkungen auf Wirtschaft, Verbraucher und zahlreiche Interessengruppen berücksichtigt und scheinbar unkalkulierbare Kostenfolgen kalkulierbar gemacht werden. All dies ist mit den Instrumenten eines klassischen, hierarchisch strukturierten Politik- und Verwaltungsbetriebes nicht zu schaffen. Die Energiewende kann die Bewährungsprobe für die Leistungsfähigkeit des Projektmanagements sein. Für die GPM ist dies die Stunde, das Potential von Projektmanagement aufzuzeigen und unsere Disziplin in den Fokus von Politik und Verwaltung zu rücken. Die Bundeskanzlerin hat die Energiewende mittlerweile zur Chefsache erklärt. In der Tat: PM ist Chefsache.


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Kommentare

  1. „Für die GPM ist dies die Stunde, das Potential von Projektmanagement aufzuzeigen und unsere Disziplin in den Fokus von Politik und Verwaltung zu rücken.“

    Ja, dafür scheint es höchste Eisenbahn. Dazu sollte aber auch dringend mehr Einfluss auf Hochschulen ausgeübt werden. Ein paar Stunden MS Project für Politologen und Volkswirte reichen einfach nicht. Gerade für Bachelor-Absolventen könnte sollten mehr drei bis sechsmonatige Weiterbildungen angeboten werden.

  2. avatar Wolfram von Schneyder

    Es gibt sehr viele Projekte in der Republik, die mit unglaublichem Engagement vorangetrieben werden, aber ohne professione PM-Methodik schlicht nicht beherrschbar sind. Es gehört aber nicht nur Methodik dazu sondern auch der Mut zur offenen Kommunikation – denn wer in den Lenkungsgremien will schon von einer notwendigen Verschiebung hören?

  3. avatar René Müller

    „… nach bestem Wissen und Gewissen“?
    Ich mache tagtäglich die Erfahrung (welche ich mit mehr als gemischten Gefühlen wahrnehme), dass Projekte auch ohne „professionelles- PM“ durchgeführt und auch realisiert werden können.
    Allzu oft hat man folgende Situation: Der Chef zwischen „Tür und Angel“ und „… machen Sie mal schnell und bitte bis nächste Woche…“.

    Klar lässt sich nun natürlich in allter Tiefe und Breite darüber diskutieren, was „professionelles- PM“ ist.

    Ich denke es hängt immer von der Art und Komplexität des Projektes (Kosten, Einlfussfaktoren, etc.) ab.
    Je höher die Komplexität, Kosten etc., desto aktibischer und methodischer muss auch das dahinter geführte und verwendete PM sein, um selbiges steuern und „managen“ zu können.

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