Die „Deutsche Projektwirtschaft“ stellt sich vor.

Makroökonomische Vermessung der Projekttätigkeit in Deutschland. 

01_Abb.0_GPM_Studie_Makroökonomische.Vermessung.der.Projekttätigkeit.in.DeutschlandAuf dem 32. Deutschen Internationalen Projektmanagement Forum 2015 wurden am 28.10.2015 in Nürnberg die Studienergebnisse der makroökonomischen Vermessung der Projekttätigkeit in Deutschland vorgestellt.

Hierzu wurde aus dem globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) (siehe Abbildung 1) der Deutsche Anteil, welcher vom Statistischen Bundesamt in zehn Hauptwirtschaftsbereichen (siehe Abbildung 2) detailliert betrachtet wird, separat weiter untersucht.

02_Abb.1_Kaleidoskop.der.Weltwirtschaft_Raimo.Hübner

Abbildung 1: Kaleidoskop der Weltwirtschaft

03_Abb.2_10.Wirtschaftsbereiche.des.Deutschen.Bruttoinlandsproduktes_Raimo.Hübner

Abbildung 2: Zehn Wirtschaftsbereiche des Deutschen Bruttoinlandsproduktes 2013

Den detaillierten „konzeptionellen Rahmen und die methodische Vorgehensweise“ als Nachweis des wissenschaftlichen Vorgehens können in der Volltextversion der Studie ab Seite 10 detailliert nachgelesen werden.

Als Ergebnis der Studie betrug der Anteil der Projektarbeit in 2013 an der Gesamtarbeitszeit zur Erwirtschaftung des BIP 34,7% (siehe Abbildung 3). Somit wurden ca. 1/3 des gesamten deutschen Bruttoinlandsproduktes mit Projektarbeit erwirtschaftet. Demnach ist die deutsche Projektmanagement Kompetenz eine wesentliche Kompetenzdimension zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes Deutschlands.

04_Abb.3_Studienergebnis.Makroökonomische.Vermessung.der.Projekttätigkeit.in.Deutschland

Abbildung 3: Anteil der Projektarbeit beträgt in Deutschland 34,7%

Besonders interessant ist, dass 84% der Projekte innerhalb der Unternehmen/Stammorganisation beauftragt und abgewickelt werden (Abbildung 4). Lediglich 16% der Projekte werden in Vertragsverhältnissen mit externen Auftraggebern abgewickelt. Hier lässt sich auch die Bedeutung der Unternehmenskulturellen Weiterentwicklung zu einem möglichst hohen Reifegrad der Projektmanagementkompetenz des gesamten Unternehmenssystems erkennen. Dazu kann die Organisational Competence Baseline der IPMA (auch in deutscher Übersetzung verfügbar) wesentliche Orientierung und Entwicklungsimpulse für Unternehmen, die öffentliche Hand und Organisationen im „Profit“ und „not for profit“ Bereich geben.

05_Abb.4_Studienergebnis-Projektart.Makroökonomische.Vermessung.der.Projekttätigkeit.in.Deutschland

Abbildung 4: Interne Projekte sind mit 84% die dominierende Projektart

Eine sehr wertvolle Aussage der Studie ist auch die Betrachtung der Entwicklung auf der Zeitachse mit einem abgeschätzten Ausblick der möglichen Entwicklung in den nächsten fünf Jahren bis 2019 (Abbildung 5).

06_Abb.5_Ausblick.1.Makroökonomische.Vermessung.der.Projekttätigkeit.in.Deutschland

Abbildung 5: Ausblick der weiteren Entwicklung der Projekttätigkeit bis 2019

Nutzt man jetzt diese Erkenntnis und überträgt sie auf die Anzahl der Erwerbstätigen in Deutschland, so kann man abschätzen, dass durchschnittlich ca. 14,5 Mio. Erwerbstätige Wertschöpfungsanteile mit Projektarbeit am deutschen Bruttoinlandsprodukt erwirtschaften. Die Prognose der Studie kommt zur Erkenntnis, dass zu erwarten ist, dass sich bis 2019 dieser Wertschöpfungsanteil durch Projekte auf 41,3 erhöhen wird (Abbildung 5 und 6).

07_Abb.6_Ausblick.2.Makroökonomische.Vermessung.der.Projekttätigkeit.in.Deutschland

Abbildung 6: Ausblick der weiteren Entwicklung des Projektmanagementpersonals bis 2019

Setzt man dies jetzt wiederum mit der Anzahl der Beschäftigten in Deutschland ins Verhältnis, so wird sich allein in diesen fünf Jahren die Anzahl der Erwerbstätigenäquivalente, welche in Projekten Wertschöpfung erarbeiten, um weitere 2,85 Mio. erhöhen (Abbildung 6). Dies entspricht dann ca. 570.000 Erwerbstätigenäquivalente pro Jahr.

Ein Großteil der Projekte wird jedoch nicht in autonomer Projektorganisation, wo die Mitarbeiter zu 100 % nur im Projekt arbeiten, abgewickelt. Somit wird die Anzahl der tatsächlichen Menschen, die von der „Projektifizierung“ betroffen sind, noch viel größer sein.

Demzufolge ist zu erwarten, dass auch hier weitere Bedarfspotenziale für Projektmanagementqualifizierung und Zertifizierung entstehen.

Wenn sich von diesen künftigen Projektmitarbeitern dann nur 2% entscheiden, eine Qualifizierung zum Projektmanagement Fachmann mit anschließender Zertifizierung zur absolvieren, wären das ca. 11.400 Teilnehmer pro Jahr, was die Gesamtzahl der Teilnehmer an 4-L-Qualifizierungen von 3.616 Teilnehmern in 2013 (siehe Bericht in der GPM Mitgliederversammlung 2014 – Abbildung 7) bei weitem übersteigen würde.

08_Abb.7_Stand.der.IPMA.4-L-C_Personenzertifikate.für.Projektifizierung

Abbildung 7: Ausblick der weiteren Entwicklung des Projektmanagementpersonals bis 2019

Der Vergleich der jährlichen Wachstumsrate des Wertschöpfungsanteils durch Projekte ist seit 2009 mit 4,3% ist wesentlich geringer als die Wachstumsrate der erteilten Zertifikate im vergleichbaren Zeitraum mit 16,5% (siehe Abbildung 7). Das kann daran liegen, dass die meisten Projekte in „stabs- oder matrixorganisierten Projektorganisationen“ abgewickelt werden.

Vielen Dank an das Studienforschungsteam für diese sehr hilfreiche wissenschaftliche Untersuchung.

Ihnen auch weiterhin viel Erfolg in der Projektarbeit.


Literaturquellen:

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