Deutschland 2025: Goldene Zeiten für die Projektwirtschaft? - McKinsey-Studie zu den Wachstumsaussichten Deutschlands

Die Zeitschrift manager magazin hat bei der Unternehmensberatung McKinsey eine Studie zu den Wachstumsaussichten Deutschlands in Auftrag gegeben („McKinsey sagt Deutschland Daueraufschwung voraus„). Die Studie spricht von einem zweiten Wirtschaftswunder für Deutschland und zeigt bis 2025 ein enormes Wachstum, nie gekannten Wohlstand und viele neue Jobs auf. Der Erfolg Deutschlands basiert dabei auf der Industrie. Obwohl oft genug als „old economy“ gescholten, entfaltet die Industrie in den nächsten Jahren erst ihre Wachstumskräfte und hilft, den Export von heute 1,3 Billionen Euro auf 2,3 Billionen Euro in 2025 zu steigern. Insbesondere das verarbeitende Gewerbe, allen voran die Automobilindustrie, kann in den Auslandsmärkten reüssieren. Aber auch Branchen wie IT, Elektronik, Medizintechnik, Pharma und Chemie sind ganz vorne mit dabei.

Dass sich Deutschland heute schon nicht mehr über den Heimatmarkt definiert, wird mit einem Blick auf die Gewinne der Dax-Unternehmen in 2012 deutlich. Unter den fünf ertragreichsten Dax-Unternehmen sind gleich drei Automobilhersteller, allen voran der VW-Konzern, der im letzten Jahr allein knapp 22 Milliarden Euro Nettoergebnis einfahren konnte. Inzwischen ist China für den Konzern schon zum wichtigsten Absatzmarkt geworden, andere Schwellenländer folgen mit großen Schritten. Europa und Deutschland spielen da nur noch eine Nebenrolle. (Handelsblatt: „Das sind die Renditekönige im Dax„).

Das bleibt natürlich auch für die Projektwirtschaft nicht folgenlos. Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Unternehmen (z. B. in der automobilen Supply-Chain) wird immer öfter in Projekten organisiert. Projektarbeit wird immer internationaler. So arbeiten z. B. Mitarbeiter aus unterschiedlichen Forschungsabteilungen von Bosch an Technologien oder Produkten von morgen. Projektarbeit wird 24/7 möglich, d. h. rund um die Uhr und über die gesamte Woche verteilt an mehreren Forschungsstandorten. Projekte finden aber auch vermehrt an den Standorten in den Absatzmärkten statt. So errichtet Audi zum Beispiel gerade eine neue Produktionsstätte in Mexiko. Da sind zwar auch Mitarbeiter der Audi AG in Deutschland aktiv, für viele heißt das aber auch einen längeren Auslandsaufenthalt. Neben der Überwindung zeitlicher, räumlicher, sprachlicher und kultureller Barrieren heißt das vor allem mit einem unterschiedlichen Verständnis von Projektmanagement umzugehen. Verstehen wir hierzulande darunter vor allem Planung und Kontrolle, so stellen sich Mitarbeiter anderer Länder schnell quer. Sie brauchen mehr Handlungsspielraum und fühlen sich durch allzu viel Kontrolle schnell bevormundet.

Neue Kompetenzen braucht das Land! Als Exportnation müssen Projektmanager aus Deutschland viel mobiler werden. Im Kopf und auch zu Land. Offenheit und Toleranz gegenüber anderen Kulturen sind wichtige Kompetenzen, die bald mehr Bedeutung haben als Prozesse, Methoden und Tools. Auch müssen wir lernen, uns mit dem Projektmanagement-Verständnis anderer Länder auseinanderzusetzen. Es werden diejenigen Projekte erfolgreich sein, die von einem Team mit unterschiedlichsten Kompetenzen gemanaged werden. Ein Problem zeichnet sich schon jetzt für Deutschland ab: Der Nachwuchs im Projektmanagement könnte knapp werden. Hier gilt der Auftrag an die Hochschulen wie auch an die Wirtschaft, rechtzeitig in Aus- und Weiterbildung der hiesigen Fachkräfte zu investieren. Dann können die goldenen Zeiten für die Projektwirtschaft ruhig kommen.


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Kommentare

  1. […] Herausforderungen jenseits der Terminplanung weist  Reinhard Wagner in seinem Beitrag Deutschland 2025: Goldene Zeiten für die Projektwirtschaft? im GPM-Blog hin. Besonders interessant finde ich folgende […]

  2. […] wird immer öfter in Projekten organisiert. Projektarbeit wird immer internationaler”, sagt Reinhard Wagner, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement (GPM). “So arbeiten zum […]

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