Desaster Management Schwerpunkt auf dem IPMA World Congress 2011

Der diesjährige IPMA World Congress fand in Brisbane statt, einer Stadt im Nordosten Australiens (siehe Wikipedia). Im Dezember letzten Jahres wurden die Stadt und der Bundesstaat Queensland von starken Regenfällen heimgesucht, die bis in den Januar andauerten und starke Überschwemmungen verursachten. Nicht genug, im März fegte dann auch noch der tropische Zyklon Yasi über das geschundene Land. Der Tsunami in Japan im März 2011 und mehrere Erdbeben in Neuseeland zeigen deutlich die zunehmende Gefahr durch Naturkatastrophen auf.

Graeme Newton, CEO der Queensland Reconstruction Authority

Campbell Newman, Bürgermeister von Brisbane.             (Foto: Reinhard Wagner)

Wie sieht ein geeignetes Vorgehen bei solchen Katastrophen aus und welche Rolle spielt dabei das Projektmanagement? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt des IPMA World Congress 2011. Wie Graeme Newton, CEO der Queensland Reconstruction Authority, in seinem Vortrag berichtete, stehen zuerst Maßnahmen zur Evakuierung der gefährdeten Bevölkerung und der Beseitigung grober Schäden an. Anschließend müssen Infrastruktur und Energieversorgung wieder hergestellt werden, erst dann ist an einen langfristigen Wiederaufbau zu denken. Im Fall von Queensland werden insgesamt knapp sieben Milliarden Dollar für all diese Maßnahmen ausgegeben. Der weitaus größte Teil davon entfällt auf die Wiederherstellung von Verkehrswegen (weiterführende Informationen unter Qldreconstruction).

Das Projektmanagement steht hierbei vor großen Herausforderungen. So müssen die Projekte für den Wiederaufbau in kurzer Zeit mit begrenzten Mitteln realisiert werden. Eine enge Zusammenarbeit von Behörden, Militär und den beteiligten Unternehmen ist Voraussetzung für das gelingen. Übliche Planungs- und Genehmigungsverfahren wurden in Queensland drastisch reduziert. Bei allen Projekten des Wiederaufbaus steht natürlich auch der Schutz vor zukünftigen Katastrophen im Vordergrund. Dies hat in einigen Landstrichen von Queensland sogar dazu geführt, dass Wohnviertel komplett verlegt werden, und die Bewohner bis Ende des Jahres in ihre neuen Häuser einziehen können. Alle Projekte sind über ein Webportal öffentlich einsehbar und stehen damit auch ständig unter Beobachtung. Projektmanagement kann sich so in den Dienst der Gesellschaft stellen und einen spürbaren Mehrwert schaffen!

Auf die Frage, was gute Führung in solch extremen Situationen auszeichnet, wartete der Bürgermeister von Brisbane mit einer verblüffenden Antwort auf: „Man muss die Eigeninitiative der Menschen und das Vertrauen in eine sichere Zukunft wecken!“ So halfen sich die Menschen in der Stadt und ihrer Umgebung bei den Aufräumarbeiten, die Stadt und die Armee unterstützten nur bei Transport und mit schwerem Räumgerät.

„Die Menschen brauchen Orientierung, die wichtigste Aufgabe der Führung in diesen schwierigen Zeiten ist, die Richtung vorzugeben …“ In kurzer Zeit konnten so die meisten Schäden beseitigt werden, allein durch staatliche Maßnahmen wäre das wohl so nicht möglich gewesen.

Die Skyline von Brisbane bei Nacht

Die Skyline von Brisbane bei Nacht. (Foto: Reinhard Wagner)

Schlagwörter: , ,

Kommentare

  1. […] How – Mit der Auftragspyramide den Auftrag klären von Max WolfBereich Best Practices – Desaster Management-Schwerpunkt auf dem IPMA World Congress 2011 von Reinhard WagnerBereich Meinung – Spannungsfeld Theorie-Praxis von Stephen RietikerBereich […]

  2. avatar Reinhard Wagner

    Ja, wir freuen uns auch, dass unser „Baby“ nun online ist und sind natürlich auf alle Reaktionen, Fragen und Kommentare gespannt. Auf dem PM Forum nächste Woche in Nürnberg stellen wir allen Interessierten den Blog, die Macher und die Themen vor…

    1. Thema ;Katastrophenmanagement.und Projektmanagement
      Wir haben das Thema bereits vor vielen Jahren in die Loseblattsammlung aufgenommen und versucht mit dem Autor, einem Hochschullehrer, den Kontakt zu intensivieren. U.a. war an ein Interview mit ihm gedacht. Leider ist das nicht gelungen. Es gibt aber einen Masterstudiengang Katastrophenvorsorge-Katastrophenmanagement an der Universität Bonn, mit dem ich Kontakt habe. Ich habe gerade eine Masterarbeit dort betreut. Ich könnte ohne Weiteres Verbindungen herstellen.
      Der zweite Gutachter kam übrigens vom Bundesamtfür Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Die erwähnte Masterarbeit zeigt u.a. , dass die verschiedenen Institutionen, die mit Katastrophenmanagement zu tun haben, wenig Erfahrungsaustausch pflegen und zumindest zum Teil wenig mit PM zu tun haben.

      1. Interessant, allerdings bin ich mir nicht sicher, inwieweit eine Hochschule hier Impulse setzen kann. Das interessante an den Berichten aus Queensland war ja gerade die praktische Erfahrung mit der Katastrophe und die schnelle Reaktion von Behörden, Militär und Unternehmen. Alle zusammen, gesteuert durch ein geschicktes / flexibles Projektmanagement sind in der Lage, das Schlimmste zu verhindern oder zu beseitigen. Wäre interessant zu erfahren, wie das z.B. bei der Oder-Flut gemanaged worden ist…

        1. Ich bin mir da auch nicht sicher und glaube auch, dass es zur Zeit niemand gibt, der die verschiedenen Ansätze zusammenführt. Vielleicht könnte da die GPM eine Koordinationsfunktion wahrnehmen. Tatsache ist, dass viele Katastropheneinsätze nicht optimal laufen.

          1. Ok, vielleicht recherchieren Sie mal, wer da ansprechbar ist bei den verschiedenen „Diensten“ und wir machen mal einen Termin zusammen…

      1. Wir haben gestern in der Sitzung des Redaktiionsbeirats beschlossen, möglichst 2012 ein Schwerpunktheft Katastrophenmanagement und Projektmanagement zu machen. Ich bin sicher, dass uns Benedict Grosse, der in der GPM sehr aktiv ist und sich auf dem Gebiet auskennt, unterstützt.

    2. avatar Karl-Wilhelm von Rotehan

      Im Jahr 2005/2006 haben wir zusammen mit einem in Schweden beheimateten Unternehmen den Versuch gestartet, das Thema „Schadenmanagement“ aus der Perspektive Projektmanagement zu betrachten. Es wurde ein integrales Kurssystem definiert und das Unternehmen entwickelt im Moment das Thema in Richtung prozessuale Abwicklung von ‚kleineren‘ Wasser und Brandschäden weiter.
      Spannend war und sind besonders der Aspekte Zeit und Kompetenz.
      Einerseits handelt es sich um eingespielte „empfohlene“ Prozesse mittels der das Schadensmaß reduziert resp. systematisch begrenzt werden muss, andererseits aber auch um ein deutliches Unterschreiten der Sozial-Hygiene-Grenzen (bei den geschädigten) unter erheblichem Termindruck welche ganz besondere Herausforderungen für den Projektleitenden Schadenmanager darstellen.
      Viele dieser komplexen – in allen Kriterien der Definition Projekt gerecht werdenden Vorhaben haben zudem die Besonderheit: Sie entwickeln sich so schnell , dass man ihn mit den klassischen Methoden der Planung und Steuerung einfach nicht effizient folgen kann.
      Anfang und Ende des Projektes liegen im selben Monat, manchmal sogar in der selben Woche.
      Eine besondere Art von Agilität ist erforderlich, welche sich aber mit den Mechanismen die in der Literatur zu diesem Thema zu finden sind kaum beschreiben lässt! Das Berufsbild „Schadenmanager“ entstand in Folge.

      1. Interessant, vor allem weil aus meiner Sicht hier die Grenzen zwischen Projektmanagement (z.B. Reparatur von Brücken, Instandsetzung von Straßen…) und dem eigentlichen „Schadenmanagement“ verschwimmen. Hier wäre es aus meiner Sicht wichtig, Klarheit zu schaffen, wo Projektmanagement beginnt und wo es an seine Grenzen stösst (z.B. hatte in den ersten Tagen der Katastrophe in Brisbane das Militär das sagen und hat eher ad-hoc reagiert, als geplant oder nach irgendwelchen Regeln des Projektmanagements).

  3. avatar Manfred Reinhold

    Ein interessanter Beitrag.

    betrifft:
    „Projekte sind über ein Webportal öffentlich einsehbar … Projektmanagement kann sich so in den Dienst der Gesellschaft stellen und einen spürbaren Mehrwert schaffen!“

    Durch diese Vorgehensweise wird auch der breiten Öffentlichkeit der positive Mehrwert des Projektmanagements bewusst gemacht. Ich erlebe leider immer noch zu häufig Aussagen wie „Projektmanagement – und arbeitet Ihr auch was …“

  4. avatar Reinhard Wagner

    Ja, das begegnet mir leider auch allzu häufig, vielleicht müssen wir aber nur mehr Werbung für das Projektmanagement machen, im Sinne von mehrWERTprojektmanagement für Gesellschaft, Stakeholder, MitarbeiterInnen etc. Wenn es um die Existenz geht (wie in Australien), dann wird der mehrWERT natürlich schnell und unmittelbar spürbar, z.B. wenn das eigene Haus schneller fertig wird als sonst, oder die Brücke schnell wieder aufgebaut wurde…

Leave a Reply

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>