Der Projektmanager, idealer Burnout-Kandidat?

00_Projektmanager.der.optimale.Burnout-KandidatAuf dem letzten PM Forum  hatte ich die Möglichkeit, die aktuellsten Ergebnisse der Studie „Burnout-Gefährdung bei Projektmanagerinnen und Projektmanagern“ der GPM mit dem Centrums für Disease Management der Technischen Universität München in einem für mich sehr wertvollen und erkenntnisbringenden Vortrag zu erleben.

Da ja ca. 84 Prozent der Projekte in der deutschen Projektwirtschaft „interne Projekte“ sind, gibt es häufig kein genaues Vertragswerk, welches die Ziele des Projektes erschöpfend beschreibt und gegenüber der Projektumwelt abgrenzt.

Es ist der „Neuartigkeitscharakter“ und die „Einmaligkeit“ des Projektgegenstandes, welche es nur bedingt ermöglichen, langjährige Produktvorerfahrungen oder „endoptimierte“ Geschäftsprozesse im Projekt zur Anwendung zu bringen.

Weiterhin kommt erschwerend hinzu, dass sich ein Projektteam in der „Geburts- und Lebensphase“ des Projektes immer wieder einem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt sieht, ob denn alle personellen und finanziellen Ressourcen überhaupt nötig sind. So müssen sich andere, nicht „ablebende“ Linienorganisationen, wie das finanzielle Controlling oder das Qualitätsmanagement nicht rechtfertigen, dass sie personelle und finanzielle Ressourcen benötigen. Nur das Projektteam, welches entsteht und nach Herbeiführung des Projektgegenstandes wieder aufgelöst wird, hat sich gerade in der entscheidenden Initialisierungs- und Planungsphase immer wieder zu rechtfertigen.

Als weiteren Stressor kommt das sich ständig verändernde Projektumfeld als System aus Systemen hinzu, welches dem Projektteam enorme Energieanstrengungen abverlangt, um in dieser Gemengelage von äußeren und inneren Einflußfaktoren in Richtung Herbeiführung des Projektgegenstandes mit extrem begrenzten Ressourcen zu navigieren.

Diese ständige Unsicherheit im aktuellen Ziel und den genauen Eigenschaften des Projektgegenstandes, das sich ständig verändernde Projektumfeld und der Ressourcenrechtfertigungsdruck schaffen eine Dynamik im Projekt, welche den Projektmanager tendenziell zum idealen Burnout-Kandidaten machen.

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Abbildung 1: Studienergebnisse Burnout

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Abbildung 2: Burnout Risiko bei Mitarbeitern im Projektmanagement

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Abbildung 3: Innere und äußere Burnout-Risikofaktoren

Eines der intensivsten Emotionen im Leben der Menschen sind Ängste. Oft werden Ängste gezielt in Führungssituationen eingesetzt, um mit psychischer Gewaltanwendung massiv Druck auf die Mitarbeiter und Kollegen auszuüben, um damit die eigenen Ziele besser und schneller erreichen zu können.

Sogar aktuelle Literatur für Führungskräfte versucht teilweise gezielt diese stark trennende Emotion in Führungssituationen zu empfehlen.

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Abbildung 4: Angst in den Führungs- und Managementstrategien

Schwierig wird es jedoch, wenn man es in seinem Arbeitsumfeld fast nur noch mit Wissensarbeitern zu tun hat. Da wirkt die Angst größtenteils kreativitätslähmend.

Durch angstbasierte psychischer Gewaltanwendung entstehen zudem fast immer Verletzungen, welche im Nachhinein die Zusammenarbeit zwischenmenschlich und im Team blockieren.

Mich hat irritiert, dass es Unternehmen gibt, die sogar gezielt Personal mit Angststörungsneigung sucht und einstellt und dann später gezielt mit Ängsten an die physische und psychische Belastungsgrenze bringt.

Außerdem gibt es heute in fast keinem Unternehmen Prozesse und unternehmenskulturelle Anker, welche eine Heilung derartiger Verletzungen ermöglichen. Deshalb ist es oft so schwierig, das optimale Team zu formen, Verletzungen zu heilen und dann wirklich Höchstleitung im Projekt zu erzielen.

Besonders schwierig ist dies, weil sich in der heutigen Zeit ein derartiges Arbeitgeberverhalten durch die neuen Medien sehr schnell herumspricht oder sogar in Arbeitgeberrankings niederschlägt. Dann wird es für das Unternehmen immer schwieriger die geeigneten Wissensarbeiter als Fachkräfte gewinnen zu können.

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Abbildung 5: Äußere Burnout-Risikofaktoren (Teil 1/2)

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Abbildung 5: Äußere Burnout-Risikofaktoren (Teil 2/2)

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Abbildung 7: Innere Burnout-Risikofaktoren

Bei der Betrachtung der äußeren und inneren Burnout-Risikofaktoren kann man erkennen, dass ein hohes Maß an Selbstannahme und Selbstsicherheit seines eigenen „Mensch-Seins“ besondere Bedeutung zufällt. Wenn es einem selbst gelingt, seine eigene Persönlichkeit mit allen gewählten Qualitäten für dieses Leben anzunehmen, wird es für innere und äußere Kräfte schwieriger Selbstverurteilung zu aktivieren. Man kann dann viel leichter die eigene begrenzte Leistungsfähigkeit und nicht erreichbare „Perfektion“ anerkennen, was zu mehr Selbstzufriedenheit führen wird.

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Abbildung 8: Zusammenarbeitsmodelle: „äußeres Management“

Deshalb könnte man es in etwa so zusammenfassen:

Die äußere Management- und Unternehmenskultur als auch die Selbstmanagementkompetenz und Bewusstseinsebene des Projektmanagers sind von entscheidender Bedeutung für die Wahrscheinlichkeit, ob er innerlich vollkommen zufrieden und erfüllt vom Glück ist oder tendenziell ein Burnout-Kandidat wird.


Literaturquellen:

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Kommentare

  1. Ich habe gehört besonders Lehrer und Beamte sind betroffen. Das Thema hatten wir im Studium auch behandelt. Wichtig ist es nicht weg zu sehen! Es sind tatsächlich mehr Menschen Burnout gefährdet, als man sich tatsächlich vorstellen kann. Die meisten versuchen es zu verdrängen und meiden ein Gespräch mit dem zuständigen Vorgesetzten, da sie oft meinen auf Unverständnis zu stoßen oder befürchten dass alles über ihnen zusammenbricht wenn sie nicht am Ball bleiben. Bei solch schwerwiegenden Fällen ist ein Zwangsurlaub häufig die letzte Möglichkeit. Es gibt viele Wege gegen Burnoutsyndrome vorzugehen. Manchmal hilft sogar schon eine bessere Software, die die stressigen Arbeitsprozesse vereinfacht, beispielsweise eine ausgeklügelte Rechnungssoftware , um Stress und Zeit einzusparen ..weiterhin können natürlich auch bestimmte Seminare sehr hilfreich sein, wie ganz unten im Artikel erwähnt.

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