Das Jahr 2014 – Wandel, Weiterentwicklung, Widersprüche

Traditionell schauen wir am Jahresende zurück und lassen die Themen, die uns bei der GPM und hier im Blog bewegt haben, Revue passieren. Und es ist wieder mal sehr viel passiert, Positives wie auch Negatives. Für die GPM waren vor allem zwei Ereignisse bemerkenswert, der Umzug in die neuen Räumlichkeiten am Tullnaupark. Dies ist für uns ein Zeichen der stetigen Veränderung und Weiterentwicklung. Die Geschäftsstelle bietet jetzt genügend Platz für die neuen MitarbeiterInnen, die das kontinuierliche Wachstum der GPM erst möglich machen. Darüber hinaus wurde Ende November auf der Mitgliederversammlung eine Neufassung der Satzung beschlossen, ein wichtiger Meilenstein auf dem Kurs 2020 der GPM. Welche Bedeutung Projekte und Projektmanagement für unsere Gesellschaft inzwischen haben und welche Herausforderungen zu bewältigen sind, das zeigen die Studien der GPM immer wieder deutlich auf. Einerseits wird der Einzelne durch die Projektarbeit deutlich mehr belastet, das zeigen Studien zur Arbeitszeitsouveränität und zum Burnout, andererseits werden bislang ungenutzte Potentiale im Projektmanagement noch immer nicht genügend genutzt. Auch für Unternehmen bringt die zunehmende Projektifizierung der Arbeitswelt Veränderungen mit sich, so nutzt inzwischen die überwiegende Mehrheit der Unternehmen in Deutschland das Konzept eines Project Management Office (PMO) für das Management der Projektelandschaft.

Leider war 2014 aber auch dadurch geprägt, dass in der Öffentlichkeit mehr über gescheiterte Großprojekte wie den Berliner Flughafen oder die Elbphilharmonie diskutiert wird, als über exzellente Projekte. So langsam beginnt auch ein Umdenken in der Politik. Zu lange hat man gemeint, alles im Griff zu haben und auf Expertenrat verzichten zu können. Mit dem Hoffest der GPM in Berlin und der Beteiligung am Zukunftskongress „Staat und Verwaltung“ konnten in 2014 erste Impulse gesetzt werden, im Januar richtet die GPM einen zweitägigen Kongress zur Project Governance unter dem Motto „Mit Projekten Deutschlands Zukunft gestalten“ aus. Eingebunden sind etliche Ministerien und Vertreter aus Bund, Ländern und Kommunen. Ansatzpunkte gibt es sicher zuhauf, so z.B. die Energiewende, die nötige Sanierung der Infrastruktur in Deutschland, die Bewältigung des Flüchtlingsstroms und eben die besagten Großprojekte, die auch international viele Fragezeichen an der Leistungsfähigkeit Deutschlands aufkommen lassen.

Alte Zen-Weisheit aus Japan, Foto: R. Wagner

Das Jahr war aber auch durch große Widersprüche geprägt. So ist Deutschland in den letzten Jahren durch seine weltoffene Anschauung positiv aufgefallen, das Sommermärchen der Fußball-weltmeisterschaft in 2006 hat ein positives Bild unserer Gesellschaft gezeichnet, das nun durch das Drama der Flüchtlingspolitik und der stark anwachsenden Demonstrationen im Namen von PEGIDA eine andere Schlagseite bekommt. Deutschland riskiert damit das Vertrauen in der Welt zu verlieren, das mühsam in den letzten Jahren zurückgewonnen werden konnte. Vertrauen, das nicht nur für die politische Handlungsfähigkeit wichtig ist, sondern auch für die Exportwirtschaft und den Ruf deutscher Produkte und nicht zuletzt Dienstleistungen. Auch das Aufflammen des „Kalten Krieges“ zwischen dem Westen und Russland ist kein gutes Zeichen für die Weltwirtschaft. So sind heute wieder Protektionismus und Macht- bzw. Militärpolitik auf dem Vormarsch. Die (Welt-)Gesellschaft hat viel zu verlieren. Wir sollten uns auf allen Ebenen dafür einsetzen, dass wir ins friedliche Fahrwasser der Koexistenz und der Kooperation zurückkommen, schließlich ist das eine wichtige Voraussetzung für internationale Zusammenarbeit und Projekte. Das genügend Herausforderungen in der Welt auf uns warten, die es gemeinsam zu bewältigen gibt, hat nicht zuletzt der erneute Ausbruch von Ebola in Afrika gezeigt. Nicht nur die Welt, sondern auch Deutschland waren anfangs vollkommen unvorbereitet. Erst nach massiven Anstrengungen konnten die ersten Schritte zur Eindämmung getan werden, hier wünschen wir uns eine bessere Koordination durch institutionelles Projektmanagement, z.B. PMOs auf Behördenseite, oder eine Major Projects Authority wie es sie in England gibt.

Die Evolution des Projektmanagements schreitet ebenfalls gut voran. Auch wenn immer wieder vom „Ende des Projektmanagements“ geschrieben wird, so erfreut sich die Qualifizierung und Zertifizierung für Projektmanager einer zunehmenden Beliebtheit in Deutschland und auch der Erfahrungsaustausch in den Fachgruppen und Regionen der GPM boomt. Die Arbeit in den Normengremien von DIN und ISO entwickelt das Projektmanagement, insbesondere auf dem Gebiet des Multiprojektmanagements kontinuierlich weiter und die IPMA hat einen völlig neuen Standard veröffentlicht, die IPMA Organisational Competence Baseline (IPMA OCB®), die über die GPM Website frei heruntergeladen werden kann. Es ist auch an der Zeit, den ewigen Schattenkampf zwischen „agil“ und „traditionell“ endlich zu  überwinden. Die Vorträge auf dem diesjährigen PM-Forum haben wieder eindrücklich gezeigt, dass die Konzepte in der Praxis gut miteinander kombiniert werden können und es letztlich der Situation geschuldet ist, wie die Vorgehensweise zu gestalten ist.

Meine ausgedehnten Reisen ins Ausland zeigt mir, dass die Diskussion von „Traditionell“ und „Agil“ an dem Bedarf vieler Länder völlig vorbei geht. Viele Länder in Lateinamerika, Afrika und Asien benötigen erst mal eine grundlegende Qualifizierung im Projektmanagement, um in Projekten mitarbeiten oder erste Verantwortung für das Projektmanagement übernehmen zu können. Die Erwartungshaltung deutscher Unternehmen ist oft groß, die Enttäuschung leider allzu oft auch, wenn sich herausstellt, das grundlegende Fähigkeiten nicht vorhanden sind. Hier sollten wir uns einsetzen, das Projektmanagement-Know-how in der Welt weiterzuentwickeln, aufbauend auf der Expertise in Training und Beratung, die wir unzweifelhaft in Deutschland haben. Was ich aus dem Ausland mitbringe: Reflexion des eignen Know-hows und Verhaltens, die Demut vor den Herausforderungen der Projektarbeit und die Lust an mehr. Es bleibt spannend, da immer weitere Länder zur Community hinzukommen 1, 2, 3. Wir entwickeln uns also mit den Projekten im Projektmanagement weiter, das wird auch 2015 so bleiben.

Ich möchte mich bei allen Redakteuren des GPM Blogs für interessante Beiträge bedanken, bei den Lesern für ihr anhaltendes Interesse am GPM Blog und wünsche Ihnen nun allen ein friedliches Weihnachtsfest, Entspannung über die Feiertage und einen guten Start in ein erfolgreiches Jahr 2015.

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