Das bewegte im Jahr 2011 die (Projektmanagement-) Welt

2011 – ein spannendes Jahr neigt sich dem Ende zu. Warum spannend? Fast scheint es so, als lebten die Deutschen auf einer Insel der Glückseligen in einem Meer voller Konjunkturprobleme. Die deutsche Wirtschaft wurde in 2011 getragen von einem starken Export und einer positiven Grundstimmung im Lande, die den Konsum kräftig ankurbelte. Viele Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus sowie der Automobilindustrie stöhnten in 2011 eher über zunehmende Kapazitätsengpässe und Fachkräftemangel anstatt über Absatzsorgen. Die Aussichten für 2012 sind vielleicht nicht mehr so rosig, aber für Pessimismus ist kein Anlass.

Vor dem Hintergrund dieser konjunkturellen Entwicklungen vollzieht sich fast unbemerkt ein radikaler Wandel der Arbeits- und Organisationsstrukturen. Die deutschen Unternehmen haben ihre Arbeits- und Organisationsstrukturen bereits in hohem Maße flexibilisiert, Prozesse werden reorganisiert oder ausgelagert, Abteilungen oder Unternehmensbereiche neu aufgestellt. Projektarbeit spielt heute eine entscheidende Rolle in den Betrieben, wenn es um die Auftragsbearbeitung geht, durchschnittlich 40 Prozent der Arbeitszeit wird in Projekten verbracht, traditionelle Arbeits- und Organisationsstrukturen geraten also in Bewegung.

Eine hohe Aufmerksamkeit liegt derzeit auf dem Project Management Office (PMO), als strukturelles Element der neuen Organisationstrukturen. Der PMO Tag 2011 der GPM hat statt den geplanten 100 Teilnehmern mehr als 200 Experten nach Nürnberg gelockt. In vielen Bereichen schon genutzt, stellt sich immer häufiger die Frage, wie ein PMO nachhaltig zum Erfolg von Unternehmen beitragen kann. Dazu gehören – neben vielen anderen Aspekten auch – die Ansätze des Multiprojektmanagements, die aus dem Schatten der Wissenschaft getreten sind und so langsam ihren Weg über die Normung in die Praxis finden.

Das PM Forum 2011 und der Weltkongress der IPMA International Project Management Association machen machten immer wieder deutlich, welche Herausforderungen Projekte im internationalen Kontext an die Projektmanager stellen (siehe „Sicherstellen der Kostenziele bei internationalen Bau-Projekten – Teil 1„; „EU und Projektmanagement – Brücken schlagen zwischen den Welten“ ; „Desaster Management Schwerpunkt auf dem IPMA World Congress 2011„; „Mega-Projekte liegen international im Trend„). Hier geht es neben der Überbrückung von räumlichen, zeitlichen und sprachlichen Barrieren auch immer um die Arbeit in und mit unterschiedlichen Kulturen (siehe Ergebnisse der Studie „Internationales und Interkulturelles IT-Projektmanagement in virtuellen Teams„).

Kein Projekt hat in 2011 die Nation so bewegt wie das Projekt „Stuttgart 21„. Nachdem sich nun der Pulverdampf verzogen hat, gilt es über die Konsequenzen für andere Großprojekte mit hohem öffentlichen Interesse nachzudenken (siehe auch „Lehren aus dem Projekt „Stuttgart 21“„).
Dabei muss es um eine frühzeitige und ernsthafte Einbeziehung der Stakeholder gehen. Fern- und Nebenwirkungen sind bei der Planung genauso zu berücksichtigen wie die Interessen der diversen Partner. Ein neuer Trend zeichnet sich ab, nämlich vom Projekt- zum Netzwerkmanagement. Die Vernetzung führt zu neuen Herausforderungen wie der Klärung der Frage der Leadership in kooperativen Projekten, dem Umgang mit der gestiegenen Komplexität (Innovation und Effizienz statt mehr Bürokratie) oder Fragen der Kommunikationskultur (siehe auch das Programm der interPM 2011).
Auch spezifische Formen des kooperativen Verhaltens sind interessant, ein Stichwort aus der PM-Forschung: „Project Citizenship Behavior“ (siehe Studienergebnisse „Kooperatives Verhalten im zwischenbetrieblichen Projekt„).

Wie hat sich das Jahr 2011 auf die Karriere und das Gehalt der Projektmanagerinnen und Projektmanager ausgewirkt? Hier kommt die diesjährige Karriere- und Gehaltsstudie der GPM doch eher zu ernüchternden Ergebnissen (siehe Download unter www.gpm-gehaltsstudie.de und „Immer noch zu wenig Wertschätzung gegenüber Projektmanagern„). Hier müssen viele Unternehmen noch ihre Hausaufgaben machen. In der Projektwirtschaft kommt es nämlich vor allem auf die Verfügbarkeit kompetenter Mitarbeiter an, die Projekte in einem komplexen Umfeld managen können.

Diesen und anderen Diskussionen stellen wir uns – nicht nur hier auf dem GPM BLOG – gerne wieder im nächsten Jahr.

An dieser Stelle wünsche ich allen Lesern im Namen aller am GPM BLOG Beteiligten ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start in ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2012.

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