Coaching von Projektmanagern und -teams

In den letzten Jahren bekommt das Coaching von Projektmanagern und -teams zunehmend Bedeutung. Der Begriff ist allerdings „unscharf“ und wird deshalb in der Praxis sehr unterschiedlich verwendet. Prinzipiell ist es die Begleitung von Personen oder Teams in einer beruflichen Situation, um deren Kompetenzen konkret weiterzuentwickeln. Im Unterschied zur Beratung oder dem Training geht es nicht um die direkte Wissensvermittlung oder Beratung, sondern um „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Eine Studie der britischen APM Association for Project Management formuliert dies wie folgt: „Coaching is a series of structured conversations designed to enable a client (project manager/project team) to achieve their own goals. The client decides what they want to work on. The coach helps the client get there by questioning, challenging and supporting them. The coaching session is confidential. Coaching is about change; the client has to be willing to change.“ [https://www.apm.org.uk/news/coaching-trend-guide-published]

Bild: Ursula Borchert

Bild: Ursula Borchert

Konkrete Hilfestellungen für Projektleiter sind u.a. denkbar beim Einsatz von Projektmanagement-Methoden, bei der Kommunikation mit Projektteam, -auftraggeber und anderen Stakeholdern, bei Konflikten wie auch beim Umgang mit belastenden Situationen im Projekt. Ein Coach kann auch Hilfestellungen für ein Projektteam anbieten, u.a. bei der Teamentwicklung, bei der Bewältigung kritischer Situationen oder Konflikten wie auch bei Start-up, Kick-off oder Abschlussveranstaltungen. Bei Siemens gibt es z.B. schon seit vielen Jahren ein Coaching-Format das PACT heißt, was für „Project Accelaration by Coaching and Teamwork“ steht. Ein Coach unterstützt Projektmanager und -team beim Aufsetzen des Projektes. In einem 2-3 Tage dauernden Workshop werden sowohl die wichtigsten Phasen der Teamentwicklung wie auch die ersten Schritte der Projektplanung und Risikoanalyse durchlaufen. Das Projekt profitiert von der intensiven Teamarbeit, was sich in einer Beschleunigung und auch nachweisbar besseren Ergebnissen niederschlägt.

Bei der Frage, wer als Coach fungiert, scheiden sich oft die Geister. In den letzten Jahren waren eher externe Coaches gefragt, die eine gewisse Distanz zum Unternehmenskontext und eine professionelle Coaching-Ausbildung mitbringen. So hat eine Studie der GPM zur „Beratung im Projektmanagement“ in 2010 eine steigende Nachfrage für das Coaching vorausgesagt. Auch die in 2014 durchgeführte GPM Studie zum PMO Project Management Office zeigt das Coaching von Projektleitern auf Platz 3 der Betätigungsfelder eines PMOs. Damit verlagert sich das Coaching zunehmend auf interne Mitarbeiter. Nächste Woche leite ich selbst einen Workshop für Senior Projektmanager und Projektdirektoren, der das Coaching von Projektmanagern und -teams zum Inhalt hat. Die immer komplexeren Projekte erfordern bei vielen Unternehmen ein Umdenken sowie eine intensivere Betreuung der Projektmanager und -teams bei der Bewältigung ihrer anspruchsvollen Aufgaben. Das Coaching erfordert eine intensive Kompetenzentwicklung für diese, auf Projektmanagement-Aufgaben spezialisierten Führungskräfte. Deshalb startet die IPMA im April auch ein Projekt unter der Bezeichnung ICB4CCT, das auf Basis der ICB 4.0 Kompetenzen für Consultants, Coaches und Trainer definiert und so eine spezifische Qualifizierung und Zertifizierung von Fach- und Führungskräften ermöglicht. Hierbei wird es sicherlich auch darauf ankommen, eine klare Abgrenzung des Coaching-Begriffes für das Anwendungsfeld Projektmanagement zu erreichen.

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