Chancen und Risiken für Projektmanager in der Arbeitswelt von morgen

Vor kurzem habe ich ein Positionspapier der Expertenkommission Arbeits- und Lebensperspektiven in Deutschland in die Finger bekommen. Das enthält Sprengstoff für Projektmanager, auch wenn diese nicht explizit erwähnt werden. Das Papier basiert im Wesentlichen auf Vorarbeiten der Z-punkt, einem Beratungshaus für Zukunftsfragen. Die wichtigsten Einflussfaktoren für die Arbeits- und Lebensperspektiven in Deutschland sind demnach:

  1. Automatisierung und Digitalisierung
  2. Wirtschaftliche Globalisierung
  3. Ressourcenknappheit
  4. Demographischer Wandel
  5. Wandel der Geschlechterrolle
  6. Soziale Disparitäten
  7. Business-Ökosysteme
  8. Wandel der Arbeitswelt

Alle genannten Einflussfaktoren bringen Chancen und Risiken, ich möchte aber insbesondere auf den letzten Punkt eingehen. Die Autoren führen hierzu aus:

„Kürzer werdende Innovationszyklen und eine beschleunigte Wissensentwicklung sorgen für räumliche, zeitliche und personelle Veränderungen in der Organisation von Arbeitsprozessen (…) Wissensbasierte Wertschöpfung findet vermehrt projektorientiert statt und bricht in ihrer starken Zielorientierung mit alten Strukturen.“

Gerüstbauer in Oslo (Foto: Reinhard Wagner)

Gerüstbauer in Oslo (Foto: Reinhard Wagner)

Anschließend listet das Positionspapier Chancen wie Risiken auf, die vor allem für Projektmanager von Bedeutung sind, nämlich die Zunahme an Freiheit, gekoppelt mit höheren Anforderungen an Selbstorganisation und Lernbereitschaft. Wissensarbeit wird zunehmend entgrenzt, sie kann also unabhängig von einem herkömmlichen Arbeitsplatz, Arbeitszeiten und hierarchischen Strukturen erfolgen. Oft genug überschreitet die Projektarbeit Bereichs-, Unternehmens-, Länder- und damit auch kulturelle Grenzen. Hier werden genau diese Risiken der Projektarbeit in den neuen Arbeits- und Lebensperspektiven angesprochen.
Auch die Grenzen zwischen Berufsleben und Freizeit verschwimmen, was sich in einem Anstieg psychischer Erkrankungen (u. a. Burnout) niederschlagen wird. Darüber hinaus werden Projektmanager immer stärker fremdbestimmt, die Frage der Zeitsouveränität spielt für die Karriere von Männern und insbesondere Frauen eine gewichtige Rolle. Die Arbeitgeber sollten entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, um eine Karriere auch im Projektgeschäft zu ermöglichen.

Eine Augenmerk legen die Autoren auch auf die Volatilität der Märkte und der Entwicklungen im Allgemeinen. Sie fordern von Unternehmen neue Instrumente der strategischen Planung, die Komplexität, Dynamik und Schwankungen in ihren Markt- und Wettbewerbsumfeldern besser berücksichtigen. Das Management von Ungewissheit wird zur zentralen Aufgabe.

Für Mitarbeiter wie Projektmanager postulieren die Autoren ein Mehr an individueller Verantwortung beim Umgang mit unsicheren Zukunftsentwicklungen.

„Für das Individuum bedeuten diese Entwicklungen, dass die persönliche Lebensplanung in Zukunft mit mehr Risiken behaftet sein wird, und dass die stärkere Übernahme von Eigenverantwortung bei der Vorsorge und der Absicherung dieser Risiken unabdingbar sind.“

Geht diese Verantwortung aber auch über persönliche Risiken hinaus? Haften Projektmanager zum Beispiel zukünftig auch für Risiken aus der Projektplanung bzw. Zusagen, die sie gegenüber dem Auftraggeber gemacht haben? Meiner Ansicht nach durchaus vorstellbar. Viele Projektmanager sowie spezialisierte Dienstleister arbeiten ja schon heute als Freiberufler und müssen sich den noch vor Projektbeginn festgelegten Ausschreibungsbedingungen sowie Festpreisen unterwerfen und haben dabei wenige Handlungsspielräume.

Hier gilt es umzudenken. Auftraggeber wie Auftragnehmer müssen lernen, sich auch bei zunehmender Volatilität auf faire Bedingungen für die Zusammenarbeit einzulassen. Nur so kann wieder Zukunftsvertrauen und Unternehmertum nach vielfach gescheiterten (Groß-)Projekten in Deutschland einziehen (siehe dazu auch „Germany’s troublesome prestige projects“ von Stephen Evens auf BBC News).


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