Projekt in Gefahr – Fallstudien aus der Praxis

buch_ProjektinGefahr_2dgrWie sind Sie denn auf Ihre Schätzung gekommen, Herr Reimers? Können Sie bitte alle einzelnen Tätigkeiten für das Herrichten der Server – egal an welchem Standort – einschließlich der benötigte Zeit auflisten, damit wir jetzt Planungssicherheit erlangen?“

Es wird deutlich, dass die Schätzung von Herrn Reimers »aus dem Bauch« erfolgt ist und dass der IT-Experte Schwierigkeiten hat, alle Einzelheiten vorauszudenken. Davor hat er sich bislang erfolgreich gedrückt. (Der Projektleiter, Anm. der Verf.) Benno hat sich auf seine Schätzung verlassen. Nun will er es genauer wissen und verlangt eine Übersicht aller Tätigkeiten mit ihrer jeweils geplanten Dauer. Darauf basierend werden sie dann eine Revision der Planung weiterer Server-Rollouts vornehmen.

Diese Revision zeigt schließlich auf, dass ein Zeitrahmen von vier Wochen tatsächlich ausreicht, wenn alle Vorgänge bekannt und eingespielt sind und alles glattgeht. Benno verbreitet gegenüber den Führungskräften Optimismus. Nach den Problemen mit den ersten beiden Servern werde nun der Rest des Rollouts wie geplant von stattengehen, versichert er ihnen.

Reflexionen
1.    Wie beurteilen Sie Bennos Umgang mit der Fortschrittskontrolle und der weiteren Projektplanung? Halten Sie die Planung jetzt für ausreichend?

Jetzt wird alles nach Plan laufen
Der dritte Server wird wie geplant fertig. Beim Test vor Ort zeigen sich Performance-Probleme, die zunächst behoben werden müssen. Doch schon bald ergibt sich die nächste Verzögerung. »Wir wussten schon immer, dass an diesem Standort etwas mit der Performance nicht stimmt. Das hat jetzt voll durchgeschlagen. Das Netz verkraftet den neuen Server nicht. Da muss erst die Leitung verstärkt werden«, erläutert Roland Reimers. Benno ärgert sich. Warum wusste er davon nichts? Wieso hat er im Vorfeld die Standorte nicht gemeinsam mit Herrn Reimers genauer analysiert? Das hätte zwar Zeit gekostet, würde ihm aber jetzt das Leben leichter machen. Denn an Bennos Projektplan glaubt nun keiner seiner Vorgesetzten mehr. Die Puffer, die sie vor diesem wichtigen Folgeprojekt noch zur Verfügung hatten, sind nahezu aufgebraucht. Weitere Verzögerungen darf es jetzt nicht mehr geben.
(Auszug aus „Projekt in Gefahr“, S. 188 f., abgedruckt mit freundlicher Genehmigung von symposion Publishing GmbH)

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Fehler sind nicht nur unbeliebt, sondern haben oft unangenehme Konsequenzen. Auch in der Projektarbeit werden täglich Fehler gemacht. Viele davon sind sogar im Vorfeld bekannt und dennoch gibt es diese tückischen Fallen des Projektmanagements. Ein neues Buch der PM-Expertinnen beschreibt diese typischen Fallstricke.

Entstanden ist die Idee zum Buch bei einem Treffen der PM-Expertinnen. Eine Autorin erzählte, sie habe beschrieben und reflektiert, was ihr im privaten Bereich immer wieder Probleme bereitet – und damit großes Interesse geweckt. Daraus ein für den Bereich des Projektmanagement passendes Konzept zu entwickeln und umzusetzen, hat insgesamt fast zwei Jahre gedauert, und dem Autorinnen-Team viel Freude an der Zusammenarbeit bereitet.

Das oben dargestellte Beispiel stammt aus eben diesem Buch. Eine eher schlecht gelingende Projekt-Fortschrittskontrolle wird an einem Fallbeispiel geschildert. Fehler beim Projektstart oder Projektabschluss, schlechte Kommunikation, unsystematisches Stakeholder-Management, Durchsetzungsprobleme usw. – bekannte Probleme, die leider immer noch und immer wieder vorkommen, werden hier an konkreten Fallbeispielen thematisiert.

Aus Fehlern zu lernen und den Leser durch die Geschichten auch emotional zu beteiligen – das ist die Idee dieser Sammlung. Leserinnen und Leser werden – wie oben zu sehen – auch aufgefordert, selbst darüber nachzudenken, wie man hätte vorgehen können, und welche Möglichkeiten es noch gibt, aus der schwierigen Situation wieder herauszukommen. Am Ende einer Geschichte geben die Autorinnen auch selbst Hinweise und reflektieren die Situation mit dem Leser. Ebenso geben sie Hinweise auf Projektmanagement-Methoden und bekannte Lehrwerke, in denen diese detailliert nachgelesen und studiert werden können.

Damit sich Leserinnen und Leser orientieren können, ist der Projektlebenszyklus und die Projektmanagement-Phasen nach der DIN-Norm mit den wichtigsten Aktivitäten aufgezeigt und graphisch aufbereitet. Für jede Geschichte ist markiert, an welcher Stelle des Projektlebenszyklus ihr Schwerpunkt liegt. Jedes Fallbeispiel kann unabhängig von den anderen gelesen werden. Zwei Fallbeispiele beschäftigen sich mit projektübergreifenden Themen, die die umliegende Organisation betreffen – Ressourcenmanagement und Governance.

Das Buch richtet sich in erster Linie an junge Projektmanagerinnen und Projektmanager sowie an Dozenten und Personalentwickler – aber auch erfahrene Projektmanagement-Experten können sich an den Fallbeispielen erfreuen und typische Situationen aus der Praxis wiedererkennen.
Erschienen ist „Projekt in Gefahr“ bei symposion Publishing GmbH und kann über die Website der GPM bezogen werden.

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Kommentare

  1. Hallo, das scheint ein sehr gutes Buch zu sein. Wird das an Projektleiter in Berlin verteilt?

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